• Wirecard AG - Kürzel: WDI - ISIN: DE0007472060
    Börse: XETRA / Kursstand: 86,960 €

Hannover (Godmode-Trader.de) - Der Zahlungsdienstleister Wirecard hat mitgeteilt, die Veröffentlichung des Konzernabschlusses für das Geschäftsjahr 2019 erneut verschieben zu müssen. Das Unternehmen wurde von der Wirtschaftprüfungsgesellschaft Ernst & Young darüber informiert, dass noch nicht alle Prüfungshandlungen abgeschlossen sind. Im Rahmen der abgeschlossenen Prüfungshandlungen wurden dem Unternehmen bislang keine wesentlichen Feststellungen bekannt gemacht. Wirecard geht davon aus, ein uneingeschränktes Testat zu erhalten, und erwartet keine wesentlichen Abweichungen gegenüber den gemeldeten Vorabzahlen. Die ursprünglich für den 8. April vorgesehene und später auf den 4. Juni verschobene Veröffentlichung soll nun am 18. Juni stattfinden. Am gleichen Tag soll dann auch die Quartalsmitteilung zu Q1 2020 erscheinen.

Die bislang veröffentlichten Eckzahlen zum 1. Quartal sehen einen Umsatzanstieg von 23,6 Prozent auf 700,2 Mio. Euro und ein Wachstum des EBITDA um 26,1 Prozent auf 199,2 Mio. Euro vor. Weitere Ergebniskennziffern wurden nicht genannt. Wirecard erwartet, dass das Coronavirus den Trend zur bargeldlosen Zahlung und generell die Digitalisierung beschleunigen wird. Auf dieser Basis hat das Management die EBITDA-Guidance für das Jahr 2020 in einer Range von 1,0 bis 1,12 Mrd. Euro bestätigt.

Die erneute Verschiebung der Bilanzvorlage ist aus Sicht von NordLB-Analyst Wolfgang Donie ärgerlich, sollte aber angesichts der zuvor erfolgten Sonderprüfung und diverser Prüfungseinschränkungen durch Corona nicht überbewertet werden.Viel ärgerlicher sei es, dass die monatelange KPMG-Sonderprüfung nicht zu einer vollständigen Entkräftung der von Medien erhobenen Manipulationsvorwürfe geführt habe. Das zerstörte Anlegervertrauen wieder herzustellen, dürfte ein Jahre dauernder Kraftakt werden, vermutet Donie.

Mehr Transparenz über die zwischenzeitliche Geschäftsentwicklung würde dabei sicherlich auch nicht schaden, denn das operative Geschäft scheint sich trotz der Sondersituation gut zu entwickeln. Die durch Corona beschleunigte Digitalisierung dürfte den dynamischen Wachstumskurs zusätzlich beflügeln. Aufgrund der bestehenden Unsicherheiten bestätiget die NordLB die „Halten“-Empfehlung bei einem neuen Kursziel von 80,00 Euro (bisher 102 EUR).

Die britische HSBC senkte das Kursziel für Wirecard von 105 auf 95 Euro (Rating „Hold“). Das Unternehmen bleibe angesichts der Vorwürfe und der Anlegersorgen in einer Sondersituation. Auch die HSBC ist der Ansicht, dass es einige Zeit dauern wird, verloren gegangenen Vertrauen wieder aufzubauen.

Oddo BHF hat Wirecard auf „Neutral" (mit einem Kursziel von 105 Euro) bestätigt. Die Papiere seien günstig, wenn alles in Ordnung sei, so das Investmenthaus. Bei Unregelmäßigkeiten wären sie aber noch zu teuer.

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