Die Vorwürfe der Financial Times (FT) gegenüber der Bilanzierungspraxis von Wirecard waren eines der bestimmenden Themen des vergangenen Jahres. Folge: Mit einem Minus von gut 19 Prozent hält der Titel 2019 die rote Laterne im DAX. Vor allem in den letzten Handelstagen des Dezembers kam nochmal Druck auf den Kurs. Scheinbar haben sich etliche Anleger noch vor dem Jahreswechsel von dem Titel getrennt.

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Unbeeindruckt von den Vorgängen zeigt sich der Chef des Zahlungsdienstleisters, Markus Braun, weiterhin kämpferisch. Anfang des neuen Jahres setzte der Manager mehrere optimistische Kurznachrichten über Twitter ab. Demnach sprach Braun davon, dass schon „die Jahre 2010 bis 2019 für Wirecard hervorragend waren“, er aber davon überzeugt sei, dass das neue Jahrzehnt (2020 bis 2029) das vergangene „stark outperformen“ werde. Damit nicht genug: „Ich bin davon überzeugt, dass sich der Markt schneller als erwartet auf die hervorragende Geschäftsentwicklung und Innovationen von Wirecard konzentrieren kann“, legte Braun nach.

„Schneller als erwartet“ – vor allem diese Aussage fachte Spekulationen an, dass das Ergebnis der Sonderprüfung der Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG früher und mit einem für Wirecard positiven Ergebnis vorgelegt werden könnte. Zur Erinnerung: Am 21. Oktober haben die Münchner die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit einer unabhängigen Prüfung beauftragt, „um alle Vorwürfe, die von der britischen Zeitung FT aufgebracht wurden, umfassend und unabhängig aufzuklären.“ Bislang wurde der Abschluss der Untersuchung für das Ende des ersten Quartals 2020 erwartet. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Sonderprüfung keine – oder allenfalls kleine – Ungereimt­heiten zutage befördert, ist groß. Schließlich arbeitet KPMG mit Informationen, die Wirecard den Prüfern zur Verfügung stellt. Zudem soll scheinbar nicht der komplette Sonderbericht präsentiert werden, sondern nur die Kernergebnisse daraus.

Daher ist eine Wiederholung folgenden Szenarios aus dem Frühjahr 2019 denkbar: Als Wirecard Ende März Details zum lang erwarteten Prüfbericht der auf Compliance-Themen spezialisierten Kanzlei Rajah & Tann veröffentlicht hatte und darin Vorwürfe hinsichtlich bestimmter Transaktionen und Corporate Governance-Fragen bei verschiedenen Wirecard-Tochtergesellschaften in Asien entkräftet beziehungsweise widerlegt wurden, schoss die Aktie steil nach oben. In den Monaten danach setzte sich die Kurserholung unter großen Schwankungen fort, ehe die Zweifler und Shortseller wieder die Oberhand gewannen.

Für diesen Fall bleiben Inline-Optionsscheine erste Wahl. Bei einem Schein (ISIN DE000SR5DFJ1) von Société Générale sind die Barrieren bei 74 Euro und 168 Euro eingezogen – und somit außerhalb der Range, in der sich die Aktie seit Bekanntwerden der Vorwürfe Anfang 2019 aufhält. Bleibt der Aktienkurs bis März 2020 zwischen diesen beiden Marken, generiert der Schein einen Ertrag von 38,9 Prozent. Sogar mehr als 200 Prozent Ertrag sind bei einem bis 20. Februar laufenden Inliner (ISIN DE000HZ4TJP2) von UniCredit onemarkets mit den Barrieren 100/140 Euro drin – eine höchst interessante spekulative Beimischung (siehe Seite 5). Wer es vorsichtiger angehen möchte, kann zu einem Capped Bonus-Zertifikat (ISIN DE000PZ49XF8) von BNP Paribas greifen. Bei einem 23-prozentigen Puffer winkt ein Ertrag von 15,9 Prozent.

CHRISTIAN SCHEID

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