• Wirecard AG - Kürzel: WDI - ISIN: DE0007472060
    Börse: Lang & Schwarz / Kursstand: 97,600 €

Frankfurt (Godmode-Trader.de) - Der endgültige KPMG-Bericht, der die Vorwürfe wegen angeblich finanzieller Unregelmäßigkeiten widerlegen sollte, wurde heute, verspätet, veröffentlicht. Es wurden laut Wirecad keine belastenden Beweise für die Bilanzmanipulationsvorwürfe gefunden. In den Prüfungsbereichen - Drittpartnergeschäft (TPA) und Merchant Cash Advance (MCA) / Digital Lending sowie den Geschäftsaktivitäten in Indien und Singapur - seien keine wesentlichen Erkenntnisse gefunden worden, die zu einem Korrekturbedarf der Jahresabschlüsse für 2016, 2017 und 2018 geführt hätten, informierte das Unternehmen am Morgen.

KPMG selbst hat Dokumentations- und Organisationsschwächen festgestellt und kann zur Höhe und Existenz der Umsätze aus dem Drittpartnergeschäft in den untersuchten Jahren 2016 bis 2018 weder sagen, ob diese existieren und korrekt sind, noch, dass sie nicht existieren und nicht korrekt sind. KPMG spricht von einem „Untersuchungshemmnis“. Neben internen Organisationmängeln beeinträchtigt die fehlende Bereitschaft der Drittpartner an der Sonderuntersuchung mitzuwirken. Die Existenz der Transaktionsvolumina im Untersuchungszeitraum konnte für 2016 bis 2018 nicht nachvollzogen werden. 

„Während sich Wirecard als entlastet ansieht, scheinen die Anleger Zweifel zu haben. Die von KPMG bemängelten Punkte sind erklärungsbedürftig. Die Verschiebung des Jahresabschlusses und der Bilanzpressekonferenz dürfte die Unsicherheit anhalten lassen“, kommentierte die DZ Bank in einer ersten Reaktion. Wann die Prüfungsarbeiten mit dem Abschlussprüfer E&Y unter Berücksichtigung der Covid-19-bedingten Einschränkungen und des KPMG Berichts abgeschlossen werden können, sei noch nicht abzusehen.

Das KPMG-Gutachten brachte für Wirecard nicht den erhofften Befreiungsschlag. Stattdessen spricht KPMG im Zusammenhang mit den Drittpartnergeschäften von einem „Untersuchungshemmnis“. Die Publikation des Geschäftsberichts 2019 verzögert sich zudem. „Wir haben wegen der mit rechtlichen Unwägbarkeiten verbundenen Unsicherheit eine höhere Risikoprämie eingepreist und einen neuen Fair Value von 105 (132,80) Euro ermittelt. Wir ändern das Anlageurteil von Kaufen auf Halten“, resümierte die DZ Bank.

Ein Freispruch sieht anders aus, bemängelte die NordLB. Zwar habe Wirecard bei einigen Vorwürfen entlastet werden, insbesondere im Drittpartnergeschäft seien diese aber weder bestätigt noch entkräftet worden, so Analyst Wolfang Donie. Der Zeitraum 2016 bis 2018 bleibe ein schwarzes Loch. Neuen Vorwürfen wären damit Tür und Tor geöffnet. „Auf das operative Geschäft dürfte dies aber weiterhin nur wenig Einfluss haben, Wirecard sollte den dynamischen Wachstumskurs weiter fortsetzen“. Die NordLB senkt ihre Anlageempfehlung bei unverändertem Kursziel von 102,00
Euro auf „Halten“.

Auch das Bankhaus Lampe konstatiert, dass der Bericht keine Hinweise auf Bilanzmanipulationen liefere. Es gebe jedoch Schwächen in der Dokumentation. Aus Sicht von Lampe könnte der Jahresabschlussbericht für 2019 helfen, das Vertrauen wiederherzustellen.

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