• Wirecard AG - Kürzel: WDI - ISIN: DE0007472060
    Börse: XETRA / Kursstand: 122,500 €

Frankfurt (Godmode-Trader.de) - Mit der Veröffentlichung eines erneuten Artikels mit Vorwürfen bezüglich Wirecard eröffnete die Financial Times am Dienstag ein weiteres Kapitel in der Auseinandersetzung mit dem Unternehmen. Veröffentlicht wurden dabei interne Dokumente des Unternehmens, die belegen sollen, dass Umsätze und Gewinne in Dubai und Irland zu hoch ausgewiesen worden sind. Im Gegensatz zu den Vorwürfen zu Jahresanfang geht es im aktuellen Fall demnach nicht mehr um Singapur. Im Wesentlichen geht es nun um Wirecards Partnerunternehmen Al Alam Solutions aus Dubai. Laut internen Unterlagen von Führungskräften, aus denen die Zeitung zitiert, war Al Alam im Jahr 2016 für einen Umsatz von 265 Mio. Euro und einen EBITDA-Effekt von 173 Mio. Euro verantwortlich - also einen erheblichen Anteil an Konzernumsatz und -gewinn

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Nachdem der Aktienkurs in einer ersten Reaktion deutlich fiel, stellte sich für Analyst Marius Fuhrberg von Warburg Research zunächst die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Ein detaillierter Blick auf die „neuen" Behauptungen habe gezeigt, dass den bisherigen Berichten wenig Neues hinzugefügt worden sei. Al Alam sei zusammen mit weiteren externen Partnerunternehmen PayEasy und Sénjo bereits in den FT-Berichten vom 24. April und 20. Mai erwähnt worden, so Fuhrberg. Zu beiden Terminen habe sich die Kursentwicklung vernachlässigbar gering oder sogar positiv gezeigt.

Damals habe die Financial Times die Frage aufgeworfen, warum ein erheblicher Teil der Umsätze und Gewinne von Wirecard von externen Partnern erwirtschaftet worden sei. Wirecard habe geantwortet, dass 2018 rund 48 Prozent des Geschäfts von externen Drittparteien in Übereinstimmung mit den lokalen Lizenzbedürfnissen abgewickelt wurden.

Nach Meinung von Warburg Research ist die Hauptthese des Artikels die Behauptung, dass es starke Hinweise darauf gibt, dass ein Großteil der Zahlungsabwicklung durch Al Alam nicht hätte stattfinden können. „Die Grundlage der FT-Anklage ist, dass 15 von 34 Kunden, die von der Zeitung kontaktiert wurden, sagten, sie hätten noch nie von Al Alam gehört“. Darüber hinaus habe die FT die Frage gestellt, wie Wirecard Zahlungen von scheinbar nicht mehr existierenden Unternehmen abwickeln könnte. „Es ist wenig verwunderlich, dass Wirecard-Kunden noch nie von Al Alam gehört haben, da Drittanbieter eine White-Label-Rolle spielen und der Vertragspartner in der Regel ein Wirecard-Unternehmen ist“, erklärt Analyst Fuhrberg. Bei den Umsätzen mit scheinbar nicht mehr existierenden Geschäften vermute er Trailing-Effekte oder den Wegfall einer Umbenennung durch Wirecard, erwarte aber noch eine detailliertere Erklärung durch das Unternehmen.

Ein weiterer Punkt der FT war der fragwürdig hohe EBITDA-Beitrag von Al Alam, der einem EBITDA-Effekt von 173 Mio. Euro entsprach. Dieser Fall ist aus Sicht von Warburg vergleichbar mit den früheren Behauptungen der FT bezüglich des Einzelabschlusses der Wirecard-Gesellschaft in Dubai Ende Mai.

Insgesamt gibt es für das Analysehaus wenig Grund zur Sorge, da der Inhalt der Behauptungen bereits in früheren FT-Artikeln angesprochen wurde und somit dem Markt nichts Neues biete. Wirecard sollte seine Umsätze scheinbar nicht mehr funktionierender Geschäftseinheiten in einer umfassenderen Darstellung erläutern, was in Kürze zu erwarten sei. Vergleicht man den aktuellen Artikel mit früheren, so entstand für Warburg der Eindruck, dass die FT bereits zu einem früheren Zeitpunkt die detaillierten Informationen und die ausgelaufenen Dokumente hatte, was für die Analysten wiederum die Frage aufwirft, warum dies nicht früher veröffentlicht worden ist. Dennoch sehen die Analysten nur eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass sich die Behauptungen als wahr erweisen und sehen keine Gefahr für den langfristigen Investment Case. Die Stimmung sollte sich bald wieder drehen. Empfehlung: „Kaufen Sie“.

Etwas kritischer äußerte sich Independent Research: „Auch wenn sich die Aktie, wie bei den bisherigen Vorwürfen auch, nun wieder erholt, dürfte dieses Wechselspiel aus Betrugsvorwürfen, Kurseinbruch und Wirecards Reaktionen darauf kein Ende finden. Wirecard ist es demnach, trotz mehrerer Bekundungen zur Besserung, offensichtlich noch nicht gelungen, Zweifel bei den Anlegern auszuräumen“. Bei einem auf 140,00 (alt: 162,00) Euro reduzierten Kursziel bestätigen die Analysten das „Halten“-Votum.

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