• Wirecard AG - Kürzel: WDI - ISIN: DE0007472060
    Börse: XETRA / Kursstand: 123,400 €

Frankfurt (Godmode-Trader.de) - Ein Bericht der Financial Times vom vergangenen Mittwochnachmittag über mögliche Straftaten (Dokumentenfälschung und Geldwäsche) eines Wirecard-Mitarbeiters in Singapur löste einen regelrechten Kurssturz der Wirecard-Aktie aus. Wirecard hatte diesen Bericht umgehend als falsch und irreführend zurückgewiesen. Am Freitag griff die Financial Times das Thema erneut auf und berichtete, dass die von Wirecard beauftragte Anwaltskanzlei „Rajah & Tann“ aus Singapur Hinweise auf finanzielle Unregelmäßigkeiten entdeckt habe. In einer weiteren Stellungnahme von Wirecard, unterlegt mit einer Bestätigung von „Rajah & Tann“, dass bislang keine entsprechenden Feststellungen getroffen wurden, sowie in der heutigen Telefonkonferenz zu diesem Thema hat der Vorstand die Berichterstattung der Financial Times widerlegt.

Nach Darstellung des Unternehmens hat ein Mitarbeiter von Wirecard Singapur im April 2018 Bedenken gegenüber der lokalen Rechts- und Compliance-Abteilung wegen angeblicher Handlungen eines Mitarbeiters des Finanzteams in Singapur geäußert. Die Vorwürfe bezogen sich für den Zeitraum 2015 bis 2018 auf Gesamtumsätze von 6,9 Mio. und Gesamtkosten von 4,1 Mio. Euro sowie einen internen Transfer von geistigem Eigentum an Software im Wert von 2,6 Mio. Euro. Die vom Compliance-Team durchgeführte Untersuchung hat den Nachweis erbracht, dass die Vorwürfe unbegründet waren. Es gibt Hinweise, dass die Vorwürfe mit persönlichen Feindseligkeiten zusammenhängen könnten. Entsprechend der internen Compliance-Richtlinien wurde eine unabhängige Untersuchung durch die oben genannte Anwaltskanzlei beauftragt, die kurz vor dem Abschluss steht und bislang ebenfalls keine schlüssige Feststellung für ein strafbares Fehlverhalten gefunden hat.

Nicht zum ersten Mal sieht sich Wirecard Betrugsvorwürfen ausgesetzt. CEO Braun sprach von einer „Non-Story“. Er bestätigte, dass der Fall komplett aufgearbeitet wurde, keinerlei Korrekturen und Anpassungen vorgenommen werden mussten und dass es keinerlei Risiko gibt. Auswirkungen der negativen Berichterstattung auf das operative Geschäft sieht er nicht und versprach ein starkes Geschäftsjahr 2019.

Die Analysten der NordLB halten die vehemente Zurückweisung der Vorwürfe durch den Vorstand für glaubwürdig. Zuletzt habe 2016 ein Researchbericht der bis dahin unbekannten Firma „Zatarra“ mit diversen nicht erwiesenen Vorwürfen zu einem Kurssturz geführt. Vermutet werde, dass es sich um eine Attacke von Shortsellern gehandelt habe. Auch im aktuellen Fall könnten finanzielle Interessen ausschlaggebend sein. Analyst Wolfgang Donie geht davon aus, dass sich der Aktienkurs nach endgültiger Klärung aller Vorwürfe schnell erholt und bestätigt seine Einschätzung mit dem Rating „Kaufen“.

Die LBBW hat Wirecard nach dem Kurssturz von „Halten“ auf „Kaufen“ hochgestuft und das Kursziel auf 169 Euro belassen. Das Management habe glaubhaft die Hintergründe der laufenden Ermittlungen dargelegt und weitergehende Befürchtungen zerstreut, schrieb Analyst Mirko Maier. Die Wachstumstreiber des Zahlungsabwicklers blieben intakt, und so halte er den Kurseinbruch für übertrieben.

Das Bankhaus Lampe zeigt sich ebenfalls zuversichtlich, dass das Unternehmen seinen starken Wachstumskurs auch im Jahr 2019 wird fortsetzen können. Während bestehende Kunden den Traffic erhöhen sollten, sollten die kürzlich abgeschlossenen Verträge einen zusätzlichen Mehrwert bringen.

Die Vorwürfe der Financial Times erscheinen Analyst Wolfgang Specht nicht nachvollziehbar. Der Journalist habe in den letzten Jahren ähnliche unbegründete Anschuldigungen erhoben. Auch Specht geht daher davon aus, dass sich der Aktienkurs im Laufe der Zeit von seinem damit verbundenen Rückgang erholen werde, wie es nach vergleichbaren "Doom Reports" in der Vergangenheit der Fall gewesen sei.

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