Um 2,1 Prozent ist die Wirtschaftsleistung in Deutschland im vierten Quartal 2008 geschrumpft. Es ist der größte Rückgang seit der Wiedervereinigung. Die Horror-Prognose von Norbert Walter, dem Chefvolkswirt der Deutschen Bank, der bereits im Herbst einen Abschwung in 2009 von bis zu vier Prozent angekündigt hatte, und dafür viel Kritik einstecken musste, erscheint plötzlich sogar noch zu optimistisch.
Montag:

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Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist der Gesamtumsatz im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland im Dezember um 12,6 % gesunken. Im Vormonat hatte das Minus 6,5 % betragen (revidiert von -6,4 %), im Oktober wurde ein Rückgang um 3,2 % verzeichnet. Der Inlandsumsatz ist im Dezember-Jahresvergleich um 9,2 % gefallen, der Umsatz mit dem Ausland um 16,6 %.

Im Saison- und arbeitstäglich bereinigten Vergleich zum Vormonat verlor der Umsatz-Volumenindex im Dezember um 6,0 % zu nach -4,2 % im Vormonat und +/-0,0 % zwei Monate zurück. Im Inlandsgeschäft sank der Index dabei um 4,5 %, im Auslandsgeschäft fiel er um 7,9 %.

Die deutsche Handelsbilanz weist für Dezember einen Überschuss in Höhe von 6,9 Mrd. Euro aus nach 9,9 Mrd. Euro (revidiert von 9,7 Mrd. Euro) im Vormonat und 10,5 Mrd. Euro ein Jahr zuvor. Aufgelaufen sind im aktuellen Jahr bereits 178,2 Mrd. Euro, verglichen mit 195,3 Mrd. Euro im Vergleichszeitraum im Vorjahr.

Die Leistungsbilanz in Deutschland zeigt im Dezember Saldo ein Plus in Höhe von 12,3 Mrd. Euro. Im Vormonat lag der Überschuss bei 8,7 Mrd. Euro (revidiert von 8,6 Mrd. Euro), im Vorjahr bei 16,5 Mrd Euro.

Die Ausfuhren sind bis zum Dezember zum Vorjahr um 2,8 % auf 814,5 Mrd. Euro geklettert. Die Einfuhren nach Deutschland sind innerhalb des Jahres bis zum Dezember um 5,8 % auf 992,7 Mrd. Euro gestiegen.

Dienstag:

Die US-amerikanischen Lagerbestände im Großhandel sind gleichzeitig um 1,4 % zurückgegangen. Erwartet wurde ein Rückgang im Bereich 0,7 % nach zuvor -0,9 %. Damit wurde der Vormonatswert von veröffentlichten -0,6 % weiter in Minus revidiert.

Die britische Leistungsbilanz weist für Dezember ein Defizit in Höhe von 3,6 Mrd. Britische Pfund aus, nach einem Minus von 4,0 Mrd. im Vormonat.

Das Handelsdefizit liegt bei -7,4 Mrd. Pfund nach zuvor -8,1 Mrd. Pfund. Die Dienstleistungsbilanz weist hingegen einen Überschuss in Höhe von 3,8 Mrd. Pfund aus. Im Vormonat hatte das Plus hier noch bei 4,1 Mrd. Pfund gelegen.

Mittwoch:

Die Verbraucherpreise sind zum Vormonat um 0,5 % gefallen nach zuletzt +0,3 %. Die Jahresteuerung liegt bei +0,9 % nach zuvor 1,1 %.

Der für Europa berechnete harmonisierte Verbraucherpreisindex für Deutschland hat sich im Januar gegenüber dem Vorjahr um 0,9 % erhöht. Im Monatsvergleich sank der harmonisierte Index um 0,6 %. Die Schätzung vom 28. Januar 2009 wurde damit bestätigt.

Die Schwedische Reichsbank setzt die Zinsen um 1 Basispunkte auf nunmehr 1 % von zuvor noch 2 %.
Der Wirtschaftsklimaindikator der Eurozone für das erste Quartal ist auf 45,8 zurückgegangen von noch 50,8 im vierten Quartal. Ein Jahr zuvor hatte der Wirtschaftsklimaindex bei 81,4 gestanden.

Der Index für die aktuelle Lage notiert bei 41,1 nach noch 61,7 im Vorquartal. Im Vergleichsquartal des Vorjahres hatte der Indikator noch bei 112,1 notiert. Der Indikator für die Erwartungen steigt auf 49,6, verglichen mit 41,9 im vierten Quartal 2008. Im entsprechenden Quartal vor einem Jahr lag der Indikator noch bei 55,8. Die aktuelle Veröffentlichung setzt den Abwärtstrend der letzten Quartale weiter fort.

Die US-amerikanische Handelsbilanz weist für Dezember ein Defizit in Höhe von 39,93 Mrd. US-Dollar aus. Erwartet wurde ein Minus im Bereich 36 bis 37 Mrd. US-Dollar. Im Vormonat hatte das Defizit noch bei 41,58 Mrd. US-Dollar gelegen. Somit wurde der Vormonatswert von zunächst veröffentlichten -40,4 Mrd. US-Dollar weiter ins Minus revidiert.

Die US-amerikanischen Rohölvorräte (Crude Oil Inventories) sind in der vorangegangenen Woche um 1,4 % bzw. 4,7 Mio. Barrel gestiegen, nach zuvor +7,2 Mio. Barrel.

Die Benzinvorräte (Gasoline Inventories) haben sich in den USA im Wochenvergleich um -1,2 % bzw. 2,6 Mio. Barrel verringert, nach zuletzt einem Plus in Höhe von 0,3 Mio. Barrel.

Die Vorräte an Destillaten (Distillate Inventories), die auch das Heizöl beinhalten, sind gegenüber der Vorwoche in den Vereinigten Staaten um -0,7 % bzw. 1,0 Mio. Barrel gefallen, nach zuvor -1,4 Mio. Barrel.

Das US-amerikanische Haushaltsdefizit liegt im Januar bei 83,815 Mrd. US-Dollar. Erwartet wurde ein Minus in Höhe von 75 bis 79,5 Mrd. US-Dollar. Ein Jahr zuvor hatte das Defizit in den Vereinigten Staaten bei 83,6 Mrd. US-Dollar gelegen.

Donnerstag:

"Die Konjunkturaussichten sind weiterhin mit einer außergewöhnlich großen Unsicherheit behaftet. In Bezug auf das Wirtschaftswachstum überwiegen insgesamt nach wie vor eindeutig die Abwärtsrisiken., heißt es im Monatsbericht der EZB.

Die Industrieproduktion in der Euro-Zone ist im saisonbereinigten Monatsvergleich im Dezember um 2,6 % gesunken. Im Vormonat war die Produktion der Eurozonen-Industrie um 2,2 % (revidiert von -1,6 %) gefallen. Im Jahresvergleich hat die Produktion in der Industrie um 12 % abgenommen nach zuvor -8,4 %. Damit wurde der für den Vormonat veröffentlichten Rückgang von -7,7 % nach unten revidiert.

Der US-amerikanische Umsatz im Einzelhandel ist im Januar um 1 % gestiegen. Erwartet wurde ein leichter Umsatzrückgang von 0,2 bis 0,3 %. Im Vormonat war der Umsatz des Einzelhandels in den Vereinigten Staaten noch um 2,7 % gefallen. Es ist der erste Umsatzanstieg seit sieben Monaten. Analysten hatten mit einem Rückgang um 0,8% gerechnet.

Unser Kommentar:

Der erste Umsatzanstieg im US-amerikanischen Einzelhandel seit sieben Monaten, das ist ein seltener Lichtblick in diesen Tagen. Doch so wie die Dinge liegen, sollte man das vorerst nicht überbewerten. Die Menge an schlechten Nachrichten ist insgesamt weiterhin erdrückend.

Ohne die Autoverkäufe ist der Einzelhandelsumsatz in den USA um 0,9 % gestiegen. Gerechnet wurde mit einem Rückgang im Bereich von 0,2 bis 0,4 %. Einen Monat zuvor war noch ein Rückgang um 3,2 % zu verzeichnen gewesen (revidiert von -3,1 %).

Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist in den USA auf 623.000 gefallen. Erwartet wurden 585.000 bis 610.000 neue Anträge nach zuvor 631.000 (revidiert von 626.000).

Die US-amerikanischen Lagerbestände sind im Dezember um 1,3 % zurückgegangen, verglichen mit -1,1 % im November (revidiert von -0,7 %). Erwartet wurde für Dezember ein Rückgang um 0,6 bis 1,2 %. Die Umsätze sind gleichzeitig um 3,2 % gefallen nach noch -5,7 % im Vormonat (revidiert von -5,1 %). Mit der aktuellen Veröffentlichung liegt das Verhältnis Lagerhaltung zum Umsatz (Inventories/Sales Ratio) in den USA nun bei 1,44. Im November hatte das Verhältnis noch bei 1,41 gelegen.

Die US-amerikanischen Erdgasvorräte ("Nat Gas Inventories") sind in der letzten Woche um 159 Bcf auf 2.020 Bcf zurückgegangen. In der vorangegangenen Woche waren die Bestände in den USA um 195 Bcf geschrumpft, im Vorjahr hatten sie bei 1.976 Bcf gelegen.

Freitag:

Die deutsche Wirtschaftsleistung ist im vierten Quartal zum Vorquartal saison-, preis- und kalenderbereinigt um 2,1 % gefallen nach -0,5 % im Quartal zuvor. Zum Vergleichsquartal des Vorjahres fiel das BIP um 1,6 %, kalenderbereinigt um 1,7 %.

Unser Kommentar:

Passend zu einem Freitag, dem 13. kam die Botschaft, dass die Wirtschaft in Deutschland um 2,1 Prozent geschrumpft ist, so stark wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Die Analysten hatten lediglich eine Schrumpfung der deutschen Wirtschaftsleistung um 1,8 Prozent vorhergesagt. Dass die Kurse an den Börsen daraufhin nicht sofort in den freien Fall übergegangen sind, deutet darauf hin, dass auf dem gedrückten Kursniveau einiges an schlechten Nachrichten verarbeitet ist.

Die Kfz Neuzulassungen sind im Bereich der EU und der EFTA im Januar verglichen mit dem Vorjahr um 27,0 % gefallen nach -17,8 % im Vormonat und -25,8 % im Monat davor.

Das Bruttoinlandsprodukt in der Euro-Zone ist gemäß der ersten offiziellen Vorabschätzung im vierten Quartal um 1,5 % gefallen nach -0,2 % im vorangegangenen Quartal. Im Jahresvergleich liegt das Wachstum bei -1,2 % nach 0,6 % im Quartal zuvor.

Der vorläufige Verbraucherstimmungsindex der Uni Michigan für die USA notiert im Februar bei 56,2. Erwartet wurde er im Bereich 60,2 bis 62,0. Im Vormonat hatte der Index noch bei 61,2 notiert.

Wie wir die Lage jetzt einschätzen und was wir unseren Lesern raten, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs, die in Kürze erscheint.

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter [Link "www.antizyklischer-börsenbrief.de" auf www.antizyklischer-b%C3%B6rsenbrief.de/... nicht mehr verfügbar] und [Link "www.antizyklischer-aktienclub.de" auf www.antizyklischer-b%C3%B6rsenbrief.de/... nicht mehr verfügbar]