Wer die langfristige Entwicklung der Aktienmärkte bestimmen will, braucht dafür weder eine Glaskugel noch besonders ausgefeilte Analysemethoden. Ein Blick in die Vergangenheit reicht völlig. So zeigt etwa die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte und Jahrhunderte, dass die Aktienkurse auf lange Sicht exponentiell steigen. Das bedeutet, dass die Aktienkurse um einen konstanten Faktor zulegen bzw. dass der Betrag der Zunahme proportional mit den höheren Kursen zunimmt.

    Dass die Aktienkurse auf lange Sicht exponentiell steigen, scheint unserem gesunden Menschenverstand zu widersprechen, ist aber relativ einfach zu erklären. Zum einen ist unser Geldsystem darauf ausgelegt, dass auch die Geldmenge dauerhaft exponentiell wächst. Zum anderen nimmt die Produktivität wegen des technischen Fortschritts auf lange Sicht zu, wobei einige Forscher sogar annehmen, dass auch der technische Fortschritt exponentielles Wachstum aufweist. Zunehmende Geldmenge und zunehmende Produktivität sorgen dafür, dass die Aktienkurse auf lange Sicht steigen - selbst dann, wenn man nicht nur das nominale, sondern das reale (also preisbereinigte) Wachstum betrachtet.

    Die Annahme eines unbegrenzten Wachstums widerspricht zwar unserem Vorstellungsvermögen, dürfte aber trotzdem relativ genau die Realität der Aktienmärkte abbilden. Die Geldmenge wird auch langfristig exponentiell wachsen, wodurch zumindest die nominalen Aktienkurse immer weiter zulegen sollten.

    Wie langfristiges exponentielles Wachstum in der Praxis aussieht, zeigen die folgenden beiden Charts des DAX, wobei der erste Chart eine logarithmische Y-Achse besitzt.

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    Die Linie (erster Chart) bzw. Kurve (zweiter Chart) zeigt in beiden Charts die gleiche exponentielle Wachstumsfunktion, die mit Hilfe einer Regressionsanalyse bestimmt wurde. Mit dieser exponentiellen Wachstumsfunktion lassen sich auch Kursziele für die Zukunft bestimmen, wenn man annimmt, dass sich das exponentielle Wachstum fortsetzen wird. In der Realität weicht der Kurs natürlich häufig stark von der exponentiellen Wachstumsfunktion nach oben oder nach unten ab. Langfristig allerdings werden solche Über- und Untertreibungen meist korrigiert. Dies wird auch als "Reversion to the Mean" bezeichnet.

    Auf Basis der per Regressionsanalyse bestimmten Wachstumsfunktion lassen sich Kursziele für die Zukunft berechnen. Diese Ziele liegen auf der in die Zukunft verlängerten Gerade bzw. Kurve in den oben gezeigten Charts.

    Bitte beachten Sie: Es handelt sich bei den angegebenen Kurszielen lediglich um rechnerische Werte der Näherungsfunktion (jeweils für den Anfang des angegebenen Jahres). In einzelnen Jahren sind erhebliche Abweichungen von der Näherungsfunktion möglich. Nur bei einer sehr langfristigen Betrachtung ist zu erwarten, dass sich der Kursverlauf ungefähr wie die Näherungsfunktion entwickelt!

    Interessant am DAX-Chart ist auch, dass die exponentielle Wachstumsfunktion wiederholt als Widerstand bzw. Unterstützung gedient zu haben scheint. Zumindest unbewusst scheinen sich die Marktteilnehmer also durchaus an dieser Wachstumsfunktion orientiert zu haben. So lag etwa das DAX-Tief im August 2017 bei knapp 12.000 Punkten ziemlich genau auf der Höhe der langfristigen (zum damaligen Zeitpunkt bestimmten) exponentiellen Wachstumsfunktion.

    Jahr Erwarteter DAX-Stand in Punkten
    2019  13.200 
    2020  14.100 
    2021  15.200 
    2022  16.300 
    2023  17.500 
    2024  18.800 
    2025  20.200 
    2030  28.700 
    2035  41.000 
    2040  58.400 
    2045  83.300 
    2050 119.000