Der Markt ist sich zu 90 % sicher, dass die Zinsen Mitte Dezember steigen werden. Die Notenbank hat diesen Schritt ausführlich angekündigt. Alles andere als eine Anhebung wäre eine große Überraschung. Was kurzfristig geschieht, scheint gesichert. Langfristig sieht die Sache anders aus.

Dafür hat die Notenbank selbst gesorgt. Immer mehr Notenbanker blicken mit Sorge auf die Inflationsrate, die nicht vom Fleck kommt. Persönlich kann ich diese Sorge nicht nachvollziehen. Die Inflationsrate befindet sich zwar unterhalb der Zielmarke, sie ist aber auch nicht meilenweit davon entfernt.

Viele Notenbanker sind sich unsicher. Das trübt auch den Zinsausblick, denn bei Unsicherheit ist die Fed zuletzt nicht sonderlich entscheidungsfreudig gewesen. Im Zweifelsfall wird nichts getan. Zu der Unsicherheit rund um die Inflation kommt noch ein anderer Faktor hinzu. Janet Yellen wird durch Jerome Powell an der Spitze der Notenbank ersetzt. Auch das ist ein Unsicherheitsfaktor.

Powell kann im März 2018 gleich ein Zeichen setzen. Wird der Leitzins im März erhöht, ist klar, dass Yellens Politik geradlinig fortgeführt wird. Bleibt der Zinsschritt aus, ist dies ein klares Zeichen für eine lockerere Geldpolitik. Der Pfad der Zinswende wird zwar nicht verlassen, doch wohl noch langsamer erschlossen werden.

Der Markt macht sich darüber derzeit keine Gedanken. Er folgt mehr und mehr der Prognose der Notenbank. Das ist für diese schon ein kleiner Sieg. Bisher ging der Markt immer von einer langsameren Zinswende aus. Die Fed passte sich dieser Erwartung an. Nun ist es umgekehrt. Die Notenbank prognostiziert bis Ende 2018 drei weitere Zinserhöhungen. Inklusive der Erhöhung in knapp zwei Wochen wären es vier.

Die Grafik fasst die Prognose der Notenbank und der Marktteilnehmer zusammen. Lange Zeit sank die Erwartung unermüdlich. Die Fed blieb einigermaßen standhaft. Mit der Wahl Trumps gingen die Erwartungen nach oben. Anleger erhofften sich schnelle Reformen, höhere Ausgaben und niedrigere Steuern. All das hätte zu mehr Inflation und höheren Zinsen geführt.


Im Laufe des Jahres wurde klar, dass Trump seine Agenda nicht so schnell umsetzen kann. Anleger reagierten ernüchtert. Die Erwartung an zukünftig höhere Zinsen schwand. Seit September macht sich eine Trendwende bemerkbar. Inzwischen gehen Anleger von zwei Zinsschritten im kommenden Jahr aus.

Von Sonderfaktoren wie der Wahl Trumps abgesehen, ist der Anstieg der Zinserwartungen so solide wie noch nie. Anleger schwenken also so langsam auf die Linie der Notenbank ein. Das wiederum dürfte auch die Notenbank selbst ermuntern, sich an ihre Prognose zu halten und die Zinsen um 75 Basispunkte anzuheben.

Powell muss den Markt Anfang 2018 noch über seine Gangart unterrichten. Trotz allem sieht es derzeit doch tatsächlich so aus, dass die Zinsen Ende 2018 bei 2-2,25 % stehen werden. Wer hätte das gedacht.

Clemens Schmale

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