Ein Kollege fragte mich kürzlich scherzhaft, wann denn nun die Welt untergehen werde. Man kommt ja nicht umhin in diesen Tagen, den eigenen Standpunkt manchmal etwas genauer zu erläutern. Denn natürlich wird die Welt nicht untergehen, schon gar nicht wegen dieser Finanzkrise. Schließlich erweisen wir Menschen uns immer wieder als wahre Überlebenskünstler, ganz besonders in schwierigen Zeiten.

Mein Großvater war das beste Beispiel: Als im ausgebombten Berlin der Nachkriegsjahre niemand etwas zu essen hatte, da hatte er die Nerven, für seine fünf Kinder Fahrräder zusammenzubasteln: Rahmen und Felgen von Fahrrädern für große Menschen hat er in handliche Stücke zersägt. Aus diesem, heute würde man sagen „Sperrmüll“, hat mein Großvater dann kleine Kinderfahrräder gebaut. Das nennt man Überlebenswillen...

Da werden seine Nachfahren doch wohl mit so einer Finanzkrise fertig werden. Wobei es allmählich den Anschein hat, dass auch den Politikern zunehmend der Angstschweiß auf der Stirn steht: In dieser Woche hat EZB-Chef Jean Claude Trichet gesagt, die Krise habe eine systemische Dimension erreicht.

Das Erstaunlichste an dieser Aussage ist die Tatsache, wie lange es gedauert hat, bis unsere Politiker zu dieser Erkenntnis gelangt sind. Denn dass wir es mit einer ausgewachsenen Krise des gesamten Finanzsystems zu tun haben, das pfeifen die Spatzen längst von den Dächern.

Deshalb raten wir den Lesern des Antizyklischen Börsenbriefs schon seit geraumer Zeit, Geld von den Privatbanken abzuziehen und zu Volks- und Raiffeisenbanken zu transferieren. Vor einigen Monaten klangen solche Ratschläge noch weltfremd. Inzwischen nicht mehr.

Wobei sich ja gerade auch viele Experten immer noch schwer damit tun, die Dinge beim Namen zu nennen. Sie können das sehr schön daran erkennen, dass die aktuelle Misere derzeit zwar allabendlich zur besten Sendezeit in illustren TV-Diskussionsrunden analysiert wird. Des Pudels Kern wird dabei aber so gut wie immer ausgeklammert.

Hier ist er:

Wegen des Zinseszinseffekts ist das Finanzsystem aktueller Prägung nicht mehr zu retten. Es wird schon aus mathematischen Gründen unweigerlich zusammenbrechen - und dieser Tag rückt immer näher...

Naja, vielleicht wäre es in der Tat etwas zu viel verlangt, den Menschen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen solche Wahrheiten zu präsentieren. Was da los wäre: Sofort würden die Menschen die Bankschalter stürmen, um ihr Geld abzuheben. Und so etwas können unsere Banken ja gar nicht gebrauchen. Gerade jetzt, wo sie reihum herabgestuft werden:

[Link "http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:schuldenkrise-fitch-droht-deutscher-bank-mit-herabstufung/60115929.html" auf www.ftd.de/... nicht mehr verfügbar]
Da macht man es schon lieber so wie unsere Kanzlerin und beschwichtigt die Leute so lange, bis eine Pleite Griechenlands dann leider doch unausweichlich ist. Pech gehabt, hat leider alles nichts geholfen, dabei haben wir uns solche Mühe gegeben. Ehrlich.

Ich bin gespannt, wie lange es noch dauert, bis auch die Menschen in Deutschland eine Revolution anzetteln. Vor der Wall Street versammeln sie sich schon, um gegen diesen Wahnsinn aufzustehen. Ist der deutsche Michel tatsächlich so ein Trottel, dass er alles hinnimmt, was ihm seine Volksvertreter präsentieren? Ich glaube nicht, dass er das ist.

Man muss den Leuten nur endlich sagen, was da wirklich passiert. Noch ist Zeit dazu, die Dinge zu bewegen. Wenn wir alle erst ums Überleben kämpfen, und aus großen Fahrrädern kleine bauen, dann ist es zu spät. Deshalb sagen wir es mit Henry Ford:

„Wenn die Menschen wüssten, wie unser Geldsystem funktioniert, dann hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh“.

Morgen früh wäre mir jedenfalls lieber als in zwei Jahren. Fangen Sie deshalb noch heute damit an, die Dinge zu hinterfragen. Lesen Sie alles, was Ihnen in die Finger kommt. Seien Sie kritisch und unermüdlich, ruhen Sie nicht, bis Sie die Dinge wenigstens ansatzweise verstanden haben - und glauben Sie nicht den Schwachsinn, den unsere Politiker erzählen. Es geht um viel, um sehr viel sogar.

Nach der wirtschaftlichen Revolution, die den Prozess der Industrialisierung der 1890er Jahre begleitete und der politischen Revolution, die zum Zweiten Weltkrieg führte, ist es jetzt an der Zeit für eine soziale Revolution, die der „Bankenaristrokatie“ den Garaus macht, wie das Folker Hellmeyer in der Münchner Runde des Bayerischen Fernsehens in dieser Woche etwas verniedlichend nannte.

Dass der geschätzte Kollege, immerhin Chefanalyst der Bremer Landesbank, mit der blumigen Umschreibung "Bankenaristrokatie" auch die Deutsche Bank gemeint hat, gibt der Sache eine gewisse Brisanz. Auch das zeigt uns, dass es höchste Zeit ist, die Dinge anzugehen.

Übrigens kommt in diesen Tagen ein Film in die Kinos, der gut zur aktuellen Lage passt:

Pachakutec – Zeit des Wandels.
Im Vorspann dazu heißt es:

„Damit eine neue Erde geboren werden kann, werden sich viele ungesunde politische, soziale und ökonomische Strukturen auflösen oder erneuern müssen".
http://www.trailerseite.de/film/11/pachakutec-kino-trailer-zeit-des-wandels-21063.html
Noch ein Hinweis in eigener Sache: Am 8. November veranstaltet die Börse Go AG ihr erstes Kapitalschutz-Webinar. Informationen und Anmeldung hier.

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Mehr dazu in der Oktober-Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs, die vor wenigen Tagen erschienen ist.

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de