Die globalen Wirtschaftsturbulenzen gewinnen an Tempo und stellen Investoren vor neue und unbeantwortete Fragen. Wie lange dauert der Lockdown? Wie viel neue Mittel werden benötigt? Wird der Finanzierungsmarkt in der Lage sein, dem Mittelbedarf standzuhalten? Was sind die langfristigen Folgen für Unternehmen, die die staatlichen Notprogramme in Anspruch nehmen müssen?

Rachel Reutter und Michael Ulrich, Fondsmanager des JOHCM UK Opportunities, fassen für Investoren zusammen, wie die Welt für Unternehmen nach der Covid-19-Pandemie aussehen könnte.

  • Unternehmen brauchen Eigenkapital, nicht Schulden: Die Beschaffung von Eigenkapital ist schmerzhaft, vor allem für die Unternehmensführung, die nach dem Gewinn pro Aktie bezahlt wird. Aber die Aufnahme von mehr Fremdkapital, um den Abschwung zu überstehen, macht die Unternehmen nur noch verwundbarer. Für Anleger bedeutet das, dass sie Unternehmen vermeiden sollten, die noch mehr Schulden aufnehmen und stattdessen solche mit starken Bilanzen bevorzugen sollten.
  • Investoren sollten nicht den Würgegriff staatlicher Interventionen unterschätzen: Es ist wahrscheinlich, dass Unternehmen, die von Steuerzahlern gerettet wurden, mit Konsequenzen rechnen müssen. Die Zukunft kann durchaus mit Zwangsrückzahlungen, fehlenden Dividenden, regulierten Erträgen und einer höheren Unternehmenssteuerbelastung verbunden sein.
  • Von der Just-in-Time-Fertigung zu einer stärker lokalisierten Fertigung: Lieferketten werden zur Lokalisierung gezwungen. Diejenigen, die im Osten produzieren und im Westen verkaufen, könnten eine dauerhafte Verlagerung der Lieferketten erleben. Die Pandemie lehrt, dass Lieferketten widerstandsfähig sein müssen, nicht nur effizient.
  • Eine Neubewertung der Unternehmenswerte: Wenn sich der Staub gelegt hat, könnten Unternehmen, die zu verschuldet waren oder ihre Mitarbeiter, Lieferanten und Vermieter fallen gelassen haben, die neuen sozialen Parias sein, so wie es die Banken nach 2008 waren.
  • Gesellschaftliche Werte erfahren ein Reset: Dazu zählen die Konzentration auf das Gesundheitswesen, die lokale Nahrungsmittelproduktion, die industrielle Widerstandsfähigkeit und Änderungen der Arbeitsrechte für Zeitarbeitnehmer.
  • Einkaufsstraßen werden noch schneller aussterben: Die Menschen gewöhnen sich zunehmend an Online-Banking, E-Commerce und Lebensmittelzustellung.

„Investoren sollten in der jetzigen Phase zuerst ihr Kapital schützen, um nach der Pandemie mit Wind im Rücken auf hochwertige Unternehmen zu setzen“, sagen Reutter und Ulrich. Das Fondsmanagement des JOHCM UK Opportunities hat selbst entsprechende Konsequenzen gezogen, risikoreiche Positionen verkauft und stattdessen in hochwertige Unternehmen investiert, die vom zukünftigen Rückenwind profitieren werden. „Investoren sollten in ihrem Portfolio auf Kernmerkmale achten wie wiederkehrende Erträge, hohe Margen, gut etablierte Marktpositionen, ausgeglichene Bilanzen und langfristig positives Wachstumspotential. Doch selbst dann müssen sie geduldig sein.“