Zentralbanken haben Mandate zu erfüllen. Je nach Land variieren diese Mandate. Die meisten Zentralbanken haben jedoch mindestens ein Ziel gemeinsam: Inflation. Vor wenigen Jahren ging es noch darum, Inflation zu bekämpfen. Heute versuchen Zentralbanken, Inflation zu erzeugen. So schnell können sich die Zeiten ändern.

Um die Inflation anzuheben, haben Zentralbanken nicht nur die Zinsen gesenkt, sondern auch Inflationsziele ausgegeben. Die Zielinflation soll die Erwartungen der Marktteilnehmer festigen. Gerade im derzeitigen Umfeld ist es wichtig, dass Unternehmen und Konsumenten nicht an Deflation zu glauben beginnen. Der Gedanke der Notenbanken ist dabei sehr einfach. Sie geben ein Inflationsziel aus und bedienen sich des Vertrauens der Menschen. Diese, so wird es angenommen, vertrauen darauf, dass die Notenbank das Inflationsziel erreichen kann.

Durch Inflationsziele verankern Notenbanken die langfristige Erwartung von allen Beteiligten. Wie lange diese aber noch daran glauben, dass die Notenbanken die ausgegebenen Ziele überhaupt erreichen können, ist fraglich. Grafik 1 zeigt, wo sich die derzeitigen Inflationsraten befinden und wo die Zielraten liegen.

Die meisten Notenbanken verfehlen ihr Ziel. Dabei liegen die Inflationsraten systematisch zu niedrig. Ausnahmen gibt es. Diese Ausnahmen finden sich in Brasilien, Ghana, Indonesien und Russland. Hier sind vor allem Sonderfaktoren für ein Überschießen der Zielraten verantwortlich. In Russland ist es eine Mischung aus Währungskollaps, Rohstoffpreisen und Sanktionen, in Brasilien und Ghana ebenso wie in Indonesien sind es die abwertenden Währungen.

Ein Großteil der westlichen Welt befindet sich am Rande der Deflation. Überraschend sind auch die sehr niedrigen Teuerungsraten in einigen Entwicklungsländern wie z.B. im Vietnam, in Indien oder in Pakistan. Trotz schwacher Währungen wird das Inflationsziel nicht erreicht. In Thailand sinken die Preise sogar.

Grafik 1 zeigt letztlich nur eine Momentaufnahme. Grafik 2 zeigt die Zielinflation und die tatsächlichen Teuerungsraten der USA, der Eurozone und Japans. Die EZB ist bisher am erfolgreichsten das Inflationsziel noch einigermaßen glaubwürdig zu vertreten. Seit Einführung des Euros befand sich die Inflation näher am Ziel als die Raten der anderen Länder. In Japan ist das 2% Ziel ohnehin nur Makulatur und in den USA werden 2% auch mehr zufällig als beabsichtigt erreicht.

Im Vergleich zur EZB, Fed und Bank of Japan sind andere Notenbanken nicht schlechter. Brasilien (Grafik 3) hat ein Zielband ausgegeben. Zwischen 2005 und 2014 wurde dieses prinzipiell eingehalten. Jetzt droht eine temporär hohe Inflationsrat wie 2002 und 2003.


Ein Zielband erhöht die Trefferquote per Definition. Notenbanken haben eine größere Range, in der das Ziel als erreicht angesehen werden kann. Solche Zielbänder helfen nicht überall. Grafik 4 zeigt das Zielband und die tatsächliche Entwicklung in Australien. Hier gilt, was in den USA zu beobachten ist: das Inflationsziel wird immer mal wieder getroffen, jedoch mehr zufällig als geordnet.

Südkoreas Notenbanker zweifeln inzwischen offen an der Sinnhaftigkeit von Inflationszielen. Sie sind unter den ersten Zentralbankern, die offen über die Augenwischerei sprechen. Südkorea hat noch keine Alternative ausfindig gemacht, die das Inflationsziel ersetzen würde. Nichtsdestotrotz haben sie einen Anfang gemacht, der Signalwirkung haben kann.

Die vergangenen Jahre zeigen, dass Notenbanken überhaupt keine Steuerungsfähigkeit in Bezug auf Inflation haben. Ob sie nun Zinsen anpassen oder Anleihen kaufen – keine der üblichen und alternativen Methoden wirkt. Das ist nicht erst seit gestern so, sondern seit Jahrzehnten.
Anleger, Unternehmen und Konsumenten glauben noch an die Steuerungsfähigkeit der Notenbanken. Bei dem Track Record, den die Notenbanken ausweisen, ist das absolut rätselhaft. Auch die Notenbanken selbst müssten so langsam begreifen, dass sie die Inflation nicht durch die herkömmlichen Instrumente beeinflussen können. Sie können hohe Inflation mit hohen Zinsen bekämpfen. Das funktioniert. Sie sind jedoch machtlos, wenn es darum geht, eine zu niedrige Inflationsrate effektiv zu verhindern.

Albert Einstein definierte Wahnsinn einmal so: Wahnsinn ist, wenn man immer wieder das gleiche tut und andere Ergebnisse erwartet. Treffender kann man es nicht ausdrücken. Notenbanken weltweit wiederholen die Experimente der US Notenbank. Sie senken die Zinsen auf null und starten Anleihenkaufprogramme oder setzen ähnliche Maßnahmen um. Sie alle erwarten, dass es die Inflation anhebt. In den USA hat es nicht funktioniert und bisher scheitern auch Japan und die Eurozone. Trotzdem erwarten die Notenbanken beharrlich bei jedem neuen Versuch ein anderes Ergebnis.

Sinnvoller als sich auf eine bestimmte Teuerungsrate zu fokussieren und darüber eine Besessenheit zu entwickeln wäre ein Umdenken. Um Inflationsziele zu erreichen, gefährden Notenbanken die Stabilität des Finanzsystems, indem sie Preisblasen begünstigen. Ganz nebenbei scheinen QE Programme auch wirtschaftlich äußert fraglich zu sein. Einige Studien gehen soweit den US QE Programmen den Niedergang der Mittelschicht zuzuschreiben.

Die Folgen massiver Preisblasen sind sehr viel gravierender als die einer Inflationsrate von 0%. Es wäre wünschenswert, wenn Notenbanken nicht mehr einem Phantom hinterherjagen, sondern sich auf die Stabilität des Systems konzentrieren würden.