New York (GodmodeTrader.de) - Die Zentralbankkonferenz in Jackson Hole war gerade ohne große Überraschungen über die Bühne gegangen, da platzte letzte Woche doch noch eine geldpolitische Bombe in den USA. Bill Dudley, seines Zeichens ehemaliger Vize-Chef der US-Notenbank, veröffentlichte bei einem großen Nachrichtendienst einen Artikel, in dem er der Fed recht deutlich eine Geldpolitik ans Herz legte, die Donald Trump das Leben und vor allem die Wiederwahl erschwert, wie Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege bei BlackRock, in seinem aktuellen „Blick auf die Märkte“ schreibt.

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Konkret habe er geschrieben, die Fed habe eine Wahl: Entweder bleibe sie Getriebene der Handelspolitik Trumps und senke als Reaktion auf die protektionistische und wirtschaftsfeindliche Politik des US-Präsidenten die Zinsen. Oder aber sie setze ein Zeichen und signalisiere, dass sie das Spiel Trumps nicht mitspiele und nicht weiter gewillt sei, dessen „schlechte Entscheidungen“ mitzutragen. Soll heißen: Keine Zinssenkungen mehr!, heißt es weiter.

„So sehr man weite Teile seiner Argumentation in dem Artikel nachvollziehen kann – mit einer derartigen eindeutigen Handlungsempfehlung hat der ehemalige Fed-Offizielle der US-Notenbank einen absoluten Bärendienst erwiesen. In einer Zeit, wo die Fed Anfeindungen des US-Präsidenten ertragen und um ihre Unabhängigkeit kämpfen muss, liefert Dudleys Artikel Trump eine Steilvorlage, um der Fed erst recht hochgradig politisches Verhalten vorzuwerfen. Insofern muss die Frage erlaubt sein, was den ehemaligen Notenbanker dazu bewogen hat, sich derart weit aus dem Fenster zu lehnen. Sicher dürfte sein, dass Trump dieses ‚Geschenk‘ gegen die Fed verwenden wird. Das Klima zwischen US-Notenbank und US-Regierung dürfte entsprechend noch frostiger werden, als es ohnehin schon ist“, so Herrmann.

Auch in Großbritannien blieben die politischen Fronten verhärtet. Premier Johnson versuche mit allen Tricks, den No-Deal-Brexit bis Ende Oktober zu realisieren. Wer jedoch hoffe, dass das leidige Thema Brexit zeitnah der Vergangenheit angehören werde, dürfte so oder so enttäuscht werden. Denn einerseits spreche die Einigkeit der Opposition sowie zahlreicher Tory-Abgeordneter gegen einen harten Brexit und für eine abermalige Verschiebung des Austrittsdatums. Daran ändere auch die Verlängerung der Sitzungspause des Parlaments nichts. Dem Parlament bleibe nach wie vor genug Zeit, um an der Regierung vorbei eine Verschiebung des Austrittsdatums zu erzwingen, heißt es weiter.

„Andererseits wäre ein harter Brexit alles andere als das Ende der Konfrontation zwischen EU und Großbritannien, da es dann Aufgabe der britischen Regierung wäre, das neue bilaterale Verhältnis mit einer EU zu auszuhandeln, die man gerade im Unfrieden verlassen hat. Womöglich wird sich sogar rasch eine Bewegung zusammenfinden, die unmittelbar einen baldigen Wiedereintritt in die EU anstreben wird“, so Herrmann.

Wenngleich die Wahrscheinlichkeit eines No-Deal-Brexits durch den Machtwechsel in 10 Downing Street gestiegen sei, taxiere man diese nach wie vor bei unter 50 Prozent. Die Verschiebung des Austritts gefolgt von Neuwahlen, vielleicht einem erneuten Referendum, stufe man als das plausiblere Szenario ein, heißt es weiter.

„Besorgniserregende Nachrichten von der politischen Front, schwache Wirtschaftsdaten aus fast allen Ecken der Welt, ein steigender Goldpreis und Zinsen auf Rekordtief inklusive einer invertierten Zinsstrukturkurve in den USA: Ein Umfeld, von dem man eigentlich erwarten würde, dass es selbst dem letzten Anleger die Lust auf Aktien verdirbt. Tatsächlich liegen EuroStoxx 600 und S&P 500 jedoch gerade einmal neun bzw. drei Prozent unterhalb ihres jeweiligen Allzeithochs. In der letzten Woche ging es mit den Kursen sogar deutlich nach oben. Die Zentralbanken machen es möglich.

Gleichzeitig bleiben die Kursbewegungen in beide Richtungen hochgradig erratisch und werden vor allem durch den Nachrichtenfluss rund um den chinesisch-amerikanischen Konflikt getrieben“, so Herrmann.

Die Korrelation von sicheren Anlageklassen untereinander sowie riskanteren Anlageklassen untereinander bleibe dabei entsprechend hoch. Solle heißen: Wir erlebten derzeit einen recht „digitalen“ Markt. Gebe es gute Nachrichten beim Thema Handel, steige der Kurs von nahezu fast allem, was als risikoreichere Anlageklasse gelte. Umgekehrt sorgten schlechte Nachrichten für das gegenteilige Phänomen. Zuletzt habe es eine derart hohe „Gleichschaltung“ des Marktes im Jahr 2015 gegeben – damals habe man ein Abdriften Chinas in die Rezession befürchtet, heißt es abschließend.