1. Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland haben sich im April deutlich eingetrübt: Sie sanken von 36,3 auf 20,1 Punkte. Die von Bloomberg befragten Volkswirte hatten im Mittel (Median) einen Rückgang auf 33,3 Punkte, wir waren sogar pessimistischer (32,0 Punkte). Die Lagebeurteilung sank ebenfalls spürbar von –66,0 auf –73 Punkte (Bloomberg: -67,0 Punkte; DekaBank: -70,0 Punkte).

2. Viel Positives war in den vergangenen vier Wochen nicht zu vermelden, und so kommt der Rückgang der ZEW-Konjunkturerwartungen nicht überraschend. Das Ausmaß der Stimmungseintrübung wurde aber allgemein unterschätzt. So enttäuschten die im Befragungszeitraum veröffentlichten Konjunkturindikatoren in den USA (beispielsweise der Arbeitsmarktbericht oder die Einzelhandelsumsätze) genauso wie die Indikatoren für die Weltwirtschaft: Der OECD-Leading-Indicator gab sämtliche – wenn auch kleine – Gewinne der Vormonate wieder ab. Auch die deutlichen Prognoserevisionen nach unten für die Konjunkturentwicklung in Deutschland – seien es Prognosen von internationalen Institutionen, der Bundesregierung oder der Banken – haben sich negativ bemerkbar gemacht. Der immer noch hohe Ölpreis, mehr noch aber die aufwärtsrevidierten Ölpreisprognosen und die enttäuschenden Ergebnisse des Jobgipfels taten schließlich ihr Übriges.

3. Der wieder zunehmende Konjunkturpessimismus hat zwei Wurzeln. In der kurzen Sicht hat sich die konjunkturelle Entwicklung spürbar eingetrübt. Die Industrie hat die guten Auftragseingänge vom Jahreswechsel inzwischen weitgehend abgearbeitet und es kommen zu wenig Aufträge hinzu. Insbesondere die Auslandsnachfrage wird sich im zweiten Quartal schwächer zeigen (siehe untenstehendes Schaubild). Darauf deuten unisono alle weltwirtschaftlichen Indikatoren hin, wie zuletzt auch die deutliche Eintrübung der ZEW-Konjunkturerwartungen für die Handelspartnerländer Deutschlands. Der mit den Exportanteilen gewichtete Wert der ZEW-Konjunkturerwartungen für Euroland, das Vereinigte Königreich, die USA und Japan ist heute erneut gesunken. Damit sind von der Industrie keine Impulse im zweiten Quartal zu erwarten.

4. In der langen Sicht erwächst Pessimismus aus dem gestiegenen Ölpreis, noch mehr aber aus der Tatsache, dass sich zunehmend die Erkenntnis durchsetzt, dass auch langfristig mit einem hohen Ölpreis gerechnet werden muss. Diese Belastungen waren bislang in den meisten Prognosen noch nicht berücksichtigt und begrenzen die – weiterhin berechtigte – Phantasie für eine Konjunkturerholung. Impulsgeber bleiben die anziehende Weltwirtschaft und die Hoffnung auf den sich bahnbrechenden, über Jahre aufgestauten Nachholbedarf bei Konsum und Investitionen.

5. Wir haben unsere Konjunkturprognose nach unten revidiert und erwarten für 2005 einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,6 % (statt 0,8 %) beziehungsweise für 2006 eine Zunahme um 1, 5 % (statt 1,9 %).

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von rund 130 Mrd. Euro gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.