1. Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland haben sich im Juli erneut (zum sechsten Mal in Folge) eingetrübt und sanken spürbar auf 15,1 Punkte. Von Bloomberg befragte Volkswirte hatten im Mittel (Median) mit einem geringfügigen Rückgang auf 35,0 Punkte gerechnet, wir waren mit unserer Prognose (28,0 Punkte) deutlich pessimistischer. Die Lagebeurteilung hat sich im Juli dagegen nochmals auf 23,3 Punkte verbessert.

2. Belastende Momente gab es im Befragungszeitraum zuhauf. Die Weltwirtschaft wird im Jahresverlauf an Schwung verlieren. Das haben wir immer wieder prognostiziert und betont, doch inzwischen drehen die globalen Frühindikatoren wie der OECD Frühindikator (Leading Indicator, LI). Der Zusammenhang zwischen den Konjunkturerwartungen und dem erst bis Mai vorliegenden OECD-Frühindikator wird im unten stehenden Schaubild deutlich. Folgerichtig haben sich auch die Konjunkturerwartungen aller vom ZEW abgefragten Regionen verschlechtert. Damit beginnt das wichtigste Standbein der deutschen Konjunktur zu schwächeln. Perspektivisch erwarten wir die geringsten globalen Impulse im ersten Quartal 2007. Das ist auch das Quartal, in dem der private Konsum in das Mehrwertsteuerloch fällt. Aufgrund des in die Zeit vor der Mehrwertsteuererhöhung vorgezogenen Konsums fehlt im Jahr 2007 die entsprechende Nachfrage – man kann den Euro nur einmal ausgeben! Das schwache erste Quartal 2007 erklärt maßgeblich die trüben Konjunkturerwartungen im Juli, denn das Sechsmonats-Befragungszeitfenster der ZEWKonjunkturerwartungen ist inzwischen im Januar 2007 angekommen.

3. Daneben gab es genügend andere belastende Momente. Der Ölpreis hat im Befragungszeitraum deutlich zugenommen, unabhängig vom jüngsten Anstieg, der auf die Krise im Nahen Osten zurückzuführen ist. Immerhin haben nach ZEW-Angaben knapp 50% der Befragten in Kenntnis dieser Entwicklung am Freitag oder Montag ihre Einschätzung abgegeben. Ein Teil des starken Rückgangs kann daher mit diesen Informationen begründet werden. Aus unserer Sicht wären die ZEW-Konjunkturerwartungen auch ohne diese Informationen deutlich auf rund 25 Punkte gesunken. Die Nachrichten von der Reformfront sind ebenfalls nicht geeignet, Optimismus aufkommen zu lassen. Schließlich könnte auch die sich abzeichnende schnellere und stärkere Anhebung der Zinsen durch die EZB belastend ausgewirkt haben.

4. Alles in allem unterstreichen die ZEW-Konjunkturindikatoren, dass der konjunkturelle Höhepunkt im zweiten Quartal 2006 erreicht wurde. Die Lagebeurteilung läuft der konjunkturellen Entwicklung hinterher und ist daher eher als eine Bestätigung des guten zweiten Quartals zu werten. Die Konjunkturerwartungen mögen zwar verglichen mit den ifo Geschäfterwartungen einen geringeren Erklärungsgehalt für das Bruttoinlandsproduktswachstum haben, sie geben aber frühzeitiger und verlässlicher Auskunft über konjunkturelle Umkehrpunkte.

5. Damit fühlen wir uns in unserer aktuell optimistischen Konjunktursicht (Wachstum im zweiten Quartal: +0,9 % qoq) genauso wie in unseren vorsichtigen Erwartungen für das kommende Jahr (Wachstum 2007: +0,6 %) bestätigt.

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von mehr als 135 Mrd. Euro und über fünf Millionen betreuten Depots gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.