Frankfurt/ London (Godmode-Trader.de) - Der Zinnpreis ist in diesem Jahr im Gleichzug mit Kupfer und vielen anderen Industriemetallen massiv gestiegen. Zuletzt notierte die Tonne Zinn mit 33.500 US-Dollar nur hauchdünn unter dem im Juni erreichten Zehn-Jahres-Hoch. Die Verschnaufpause bei Industriemetallen hat nicht lange gehalten - heute kletterte der Preis um rund 435 Dollar, ein Plus von 1,3 Prozent. Im Vergleich zu Jahresbeginn hat sich die Notiz um fast 60 Prozent verteuert, auf Jahressicht sind es aktuell rund 92 Prozent.

Der Nachfrageboom jazzt die Preise immer weiter nach oben, wie es scheint. „Für Maschinenlager und Konservendosen, aber auch zum Löten von Halbleiterschaltkreisen ist Zinn als Legierungsbestandteil moderner Industriegüter unverzichtbar“, schreibt Michael Blumenthal, Kapitalmarktstratege bei der Postbank.

Während der Bedarf im Zuge der wirtschaftlichen Erholung zunimmt, zeigt sich das Angebot laut dem Bericht von Blumenthal wechselhaft. Indonesien, der weltweit größte Zinnexporteur, verzeichnete in diesem Jahr bis Ende Mai einen Exportrückgang von drei Prozent gegenüber dem pandemiebedingt ohnehin schon schwachen Vorjahreszeitraum. In Chinas wichtigster Zinnregion, der Provinz Yunnan, kam es zudem zwischenzeitlich zu Produktionseinschränkungen.

Experten rechneten für 2021 mit einem globalen Defizit von 10.200 Tonnen, so Blumenthal. „Auch danach könnte die Nachfrage nach Zinn, einem der Hauptnutznießer der sogenannten vierten industriellen Revolution, hoch bleiben und die Preise strukturell stützen“.