Ende Februar kam es global zu einer Zinspanik. In den USA steuerte die Rendite 10-jähriger Anleihen auf 1,8 % zu. In Deutschland erreichten Bundesanleihen ein Zinshoch bei -0,2 %. Ein Zinshoch bei Negativzinsen ist schon etwas absurd, man muss aber in Relation sehen. Die Zinsen stiegen von -0,65 % auf -0,2 % an und das in weniger als drei Monaten.

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US 10Y Bond Yield
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DE 10Y Bond Yield

Das ist ein ordentlicher Zinsanstieg und rief die EZB auf den Plan. Europa steckte damals noch mitten in der Pandemie und tut es auch heute noch. In den USA besserte sich die Lage bereits. Aus wirtschaftlicher Sicht war ein Zinsanstieg in den USA gerechtfertigt, in Europa nicht.

Der Dollarraum bestimmt den globalen Markt. Steigen die Zinsen in den USA an, zieht das andere Regionen mit. Die EZB konnte dagegen wenig ausrichten, versuchte es aber dennoch. Zuerst bemühte sie Verbalinterventionen. Dann folgte am 11. März die schriftliche Bestätigung beim Zinsentscheid. Im Statement hieß es, dass im folgenden Quartal wesentlich höhere Anleihekäufe stattfinden würden.

Wie genau „folgendes Quartal“ zu definieren ist, darüber dürfen wir rätseln. Die EZB hat jedenfalls nicht sofort mit höheren Anleihekäufen reagiert (Grafik 1). Die Käufe unter dem PSPP (Public Sector Purchase Program) sollen seit längerem bei 20 Mrd. pro Monat liegen. Unter dem PEPP (Pandemic Emergency Purchase Program) hat die EZB hohe Flexibilität.


Diese wollte sie eigentlich nutzen, um dem Zinsanstieg entgegenzuwirken. Nichts dergleichen ist bisher geschehen. Die Käufe waren in der vergangenen Woche etwas höher als sonst. Damit wurden lediglich geringere Käufe rund um Ostern ausgeglichen. Derweil steigen die Zinsen in der Eurozone wieder.

Nachdem Bundesanleihen von -0,2 % wieder auf -0,39 % sanken, stehen sie inzwischen bei -0,26 %. Das ist insofern bemerkenswert, weil die Zinsen in den USA seit einigen Wochen wieder leicht sinken. In Europa steigen sie.

Man wird den Verdacht nicht los, dass die EZB seit ihrer Ankündigung, das PEPP nicht unbedingt ausschöpfen zu wollen, auf die Bremse tritt. Ohnehin ist die Entschlossenheit der EZB im Vergleich zur Fed überschaubar. Der Vergleich der wöchentlichen Käufe zu Pandemiebeginn zeigt das (Grafik 2). Als die EZB noch über ein Programm nachdachte, hatte die Fed bereits Anleihen im Volumen von 400 Mrd. zusätzlich gekauft.


Theoretisch hätten beide Notenbanken die gleichen Mengen kaufen können. Geschehen ist das nicht. Die EZB ist weniger agil. Sie gleicht mehr einem Tanker, der den Kurs nicht schnell ändern kann. Flexibilität bei den Käufen schöpft sie jedenfalls kaum aus, auch nach der eigenen Ankündigung nicht.

Clemens Schmale


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