Länder wie Deutschland können sich immer noch zu Spottpreisen Geld leihen. Auch die USA, wo die Zinsen 2 % höher stehen, befinden sich in einer komfortablen Situation. Im Vergleich zu Deutschland sind die Zinsen zwar hoch, doch im Vergleich zu den historischen Zinsen in den USA, sind 2,5 % für 10-jährige Anleihen sehr wenig.

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Viele halten einen Zinsanstieg nicht für möglich. Dazu ist die Wirtschaft zu schwach und die Schulden sind zu hoch. Das sind gute Argumente, aber sie allein werden die Zinsen nicht zurückhalten, zumal alles von der Inflation abhängt.

Muss ein Staat für seine Schulden 2 % bei 0 % Inflation zahlen, so ist das mehr oder minder äquivalent zu 4 % Zinsen bei 2 % Inflation. Der Staat zahlt zwar nominal mehr, doch wegen der Inflation steigt die Verschuldung nicht an. Gemessen an der Wirtschaftsleistung bleibt sie konstant. Ebenso sollten mit steigenden Preisen auch die Steuereinnahmen steigen.

Solange die Inflation steigt, können auch die Zinsen steigen, ohne dass gleich das System zusammenbrechen muss. Genau das ist mein favorisiertes Szenario. Langfristig glaube ich nicht an die große Zinswende, vor allem nicht an höhere Realzinsen. Höhere Realzinsen kann sich derzeit wirklich niemand leisten.

Einen Zinsanstieg haben viele nicht auf dem Radar. Alles hängt letztendlich von der Inflation ab. Steigt diese, steigen auch die Zinsen. Persönlich halte ich einen moderaten Inflationsanstieg für wahrscheinlich. Das liegt nicht an niedriger Arbeitslosigkeit und überbordender Nachfrage, sondern vor allem an den Rohstoffpreisen.

Der Anstieg der meisten Rohstoffpreise setzt sich fort. 2017 war ein exzellentes Jahr für Rohstoffanleger. 2018 bekommt die Wirtschaft die Rechnung in Form höherer Inflation präsentiert. Das spiegelt sich inzwischen auch in den Charts wider. Grafik 1 zeigt den Preis der T-Bond Futures seit den 70er Jahren. Hier bildet sich seit 2015 eine schöne SKS Formation. Löst sich diese auf, sollten die 30-jährigen Anleihen bei knapp 4 % rentieren. Derzeit sind es knapp 2,9 %.

Bei den T-Notes sieht das Bild nicht wesentlich anders aus. Hier ergibt sich ebenfalls das Potential einer ziemlich gewaltigen Abwärtsbewegung, die die Zinsen über 3,8 % auf sogar 5 % führen könnte. Ob das Maximalziel erreicht wird, sei aktuell dahingestellt.

Das ist mein favorisiertes Szenario. Kommt es anders, z.B. weil 2018 doch eine Rezession kommt, sehen die Kursziele auf der Oberseite dramatisch aus. T-Bond Futures könnten charttechnisch gesehen auf 200 und T-Notes auf 160 steigen. Dies entspräche dann einem Zinssatz von 1,7 % für 30-jährige Anleihen und 0 % für 10-jährige.

Clemens Schmale

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