Gewisse Trends erlebt ein Investor nur ein einziges Mal im Leben. Dazu gehören Zinstrends. Nachdem sie 35 Jahre lang fielen, besteht nun die Chance, dass sie mehrere Jahrzehnte lang steigen. Es handelt sich nicht nur um die berühmte Zinswende, sondern um einen ganz großen langfristigen Trend.

Die Zinswende wird von vielen Anlegern noch angezweifelt. Tatsächlich weiß niemand, ob die Leitzinsen wieder steigen werden. Und selbst wenn sie wieder steigen, so werden sie vermutlich nicht so schnell wieder bei 3 % stehen.

Das ist für den globalen Trend alles ziemlich irrelevant. Ob die Zinswende kommt oder ob sie in den USA fortgeführt wird, ist eine kurzfristige Angelegenheit. Zinstrends dauern Jahrzehnte. Ob also der Leitzins heute oder in einem Jahr angehoben wird, ist fast nebensächlich.

Mit diesem langen Zeithorizont haben viele Anleger ihre Probleme. Wenn sie an die Zinswende denken, dann haben sie oftmals die nächste Notenbanksitzung auf dem Radar. Eventuell blicken sie noch auf die Vorhersage der Fed, die eine Reichweite von drei Jahren hat. Man kann es aber nicht oft genug betonen: es geht nicht um die nächsten Quartale oder Jahre, sondern um die nächsten Jahrzehnte.

Die kurzfristige Perspektive ist natürlich nicht vollkommen irrelevant, denn auch der langfristigste Trend muss ja irgendwann einmal beginnen. Dieser Zeitpunkt ist bei den Zinsen möglicherweise jetzt gekommen. Grafik 1 zeigt dazu die Entwicklung der langfristigen Zinsen in den USA, Großbritannien, Japan und Deutschland (stellvertretend für die Eurozone).

In den USA bildet sich seit 2012 ein Boden. Die Zinsen erreichten kurz nach dem Brexit-Votum wieder die Tiefs aus dem Jahr 2012. In anderen Märkten kann man das so nicht beobachten. Die Zinsen sanken deutlich unter ihre vorläufigen Tiefs vor vier Jahren.

Nun zeigt sich jedoch so langsam eine Trendwende. Diese ist in den meisten Ländern zunächst als kurz- bis mittelfristig anzusehen. Die letzten Wochen geben noch keinen endgültigen Aufschluss darüber, ob das Zinstief der nächsten Jahrzehnte im Sommer erreicht wurde.

Eines fällt jedoch auf: Global fielen die Zinsen kurz nach dem Brexit-Votum auf ein neues Tief. Seitdem steigen sie. Das ist vom jeweiligen Währungsraum unabhängig. Selbst in Japan, wo die Notenbank erst im September ankündigte, dass sie keine weiter fallenden Zinsen mehr sehen will, begann die Trendwende zwei Monate zuvor.

Kurzfristig gibt es Faktoren, die die Trendwende infrage stellen können. Keiner weiß, was die EZB im Dezember tun wird. Sie kann durch eine große geldpolitische Überraschung (Ausweitung von QE) den Aufwärtstrend unterbrechen. Ob sie die Trendwende damit allerdings verhindern kann, steht auf einem anderen Blatt.

Nachdem Anleger ihre Inflationserwartungen schon begraben hatten, kommt langsam wieder etwas Leben in diesen Bereich. Grafik 2 zeigt die Inflationserwartungen in den USA. Ganz offensichtlich ist hier viel von Rohstoffpreisen (insbesondere Öl) abhängig.


Ohne steigende Inflationserwartungen und steigende Inflation kommt selbst beim schönsten Chart der Zinsen keine Zinswende zustande. Die große Wende steht und fällt mit der Inflation. Aktuell zeigt sich auch hier eine Bodenbildungstendenz. Weltweit sind positive Impulse zu spüren. Das wird solange so bleiben, solange Rohstoffpreise nicht neue Tiefs erreichen. Die Chancen dafür sind gering.

Bleibt die Frage wie man als Anleger davon profitieren kann. Am ehesten geht dies, indem man einen ETF mit Fokus auf Langfristanleihen leerverkauft. Besonders effektiv geht dies, wenn man einen gehebelten ETF leerverkauft. Hier bietet sich z.B. der Direxion ETF mit der ISIN US25459W5408 an.

Clemens Schmale

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