Nach dem jüngsten recht deutlichen Zinsanstieg in Folge der US-Präsidentschaftswahl werden wieder vermehrt Stimmen laut, wonach die Phase der sinkenden Zinsen nun bald der Vergangenheit angehören dürfte. Das wäre tatsächlich eine Zeitenwende, denn die längerfristigen Zinsen sinken nicht erst seit der Finanzkrise, sondern seit dem Jahr 1981, also seit nunmehr 35 Jahren, wie die folgende Grafik der Renditen zehnjähriger Bundesanleihen zeigt.

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    Im Jahr 1981 lagen die längerfristigen Zinsen auf einem ganz anderen Niveau als heute. Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren warfen damals noch mehr als zehn Prozent Rendite ab, gegenüber heute 0,2 Prozent. US-Anleihen mit gleicher Laufzeit rentierten damals kurzzeitig sogar fast bei 16 Prozent, und werfen heute rund 2,3 Prozent ab.

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    Bei Anleihen entwickelt sich die Rendite (Quotient aus Zinskupon und Kurs) umgekehrt zum Kurs. Wir haben also einen 35-jährigen Bullenmarkt bei Staatsanleihen hinter uns, der durch steigende Kurse und sinkende Zinsen geprägt war.

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    Die Zinsentwicklung zeigt dabei für die letzten 35 Jahre auch aus Sicht der Dow-Theorie einen klaren Abwärtstrend: Die Kursentwicklung war von kontinuierlich sinkenden Hochs und sinkenden Tiefs geprägt. Es dürfte auf Sicht der letzten 35 Jahre wohl kaum einen so schön ausgeprägten längerfristigen Trend gegeben haben wie den der sinkenden Zinsen.

    Besonders bei den deutschen Bundesanleihen gibt es im längerfristigen Bild eigentlich noch überhaupt keinen Hinweis auf eine Trendwende. Erst bei einem Überschreiten des letzten etwas markanteren Hochs bei zwei Prozent wäre im längerfristigen Bild der Abwärtstrend zunächst unterbrochen. Auch das würde aber noch nicht bedeuten, dass der Abwärtstrend endgültig zu Ende wäre.

    Etwas stärker nach Trendwende sieht es schon bei den zehnjährigen US-Staatsanleihen (Treasury Bonds) aus. Hier kann man seit dem Jahr 2012 eine gewisse Tendenz zu einer Bodenbildung bei rund 1,5 Prozent erkennen. Allerdings müsste hier zunächst ein Hoch aus dem Jahr 2013 bei rund drei Prozent nachhaltig überschritten werden, um ein vorläufiges Ende des Abwärtstrends zu postulieren. Alternativ könnte auch ein nachhaltiges Überschreiten einer Abwärtstrendlinie seit Ende der 1980er Jahre, die aktuell bei rund 2,8 Prozent verläuft, eine mögliche Trendwende signalisieren.

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    Auch fundamentale Gründe sprechen gegen einen deutlichen Anstieg der Zinsen. Besonders die Industriestaaten sind so hoch verschuldet, dass sie eine Phase deutlich höherer Zinsen nur für eine kurze Zeitdauer überstehen könnten. Außerdem würden steigende Zinsen das ohnehin schwächelnde Wachstum weiter bremsen. Notenbanken und Regierungen werden deshalb alles dafür tun, einen zu starken Zinsanstieg zu verhindern. Das von der Bank of Japan im September eingeführte Zinsziel von null Prozent bei den zehnjährigen Staatsanleihen kann man als ersten Schritt zu einer direkten Kontrolle der Zinskurve durch die Notenbanken werten.

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