Von den Märkten war ein Stoßseufzer der Erleichterung zu hören, als die Zinskurve in den USA Mitte Oktober nicht länger invertiert war. Entwarnung also? "Nicht so schnell", sagt Robin Anderson, Volkswirtin beim US-Investmenthaus Principal Global Investors. "Kurzfristig mag die Rezession ausbleiben, aber in Richtung 2021 sind die Risiken erhöht."

WERBUNG

Anderson schreibt: "Die Zinsstrukturkurve ist ein nahezu unfehlbarer Rezessionsindikator und gerät nicht sehr oft in die Inversion. Auch wenn die Börse nach der Inversion noch eine Weile überdurchschnittlich gut abschneiden könnte, machen sich die Anleger Sorgen um die Konjunktur. Daten, die bis zum Jahr 1962 zurückreichen, zeigen, dass sich die Zinskurve vor jeder Rezession umgekehrt hat. Es gab aber auch ein paar falsche Signale, zum Beispiel 1998 und 1966.

Wichtig ist: Die Zinskurve ist ein Frühindikator. Eine Umkehrung bedeutet nicht, dass die Rezession sofort stattfindet. Die gegenwärtige Wachstumsphase ist noch intakt. Die Verbraucher halten sich gut, die Kreditausfälle sind gering, und das globale Wachstum könnte sich in den kommenden Monaten beschleunigen, wie einige Frühindikatoren nahelegen.

Aber wie die Zinskurve blinken auch andere Langzeitsignale. Ich mache mir unter anderem Sorgen wegen der schwächelnden Unternehmensgewinne. Auch das Beschäftigungswachstum ist zwar noch gesund, hat sich aber verlangsamt. Kurzfristig mag die Rezession ausbleiben. Aber in Richtung 2021 sind die Risiken erhöht."