Die im laufenden Jahr aufgrund der US-Hypothekenkrise aufgetretenen Finanzmarktturbulenzen haben die globale Zinslandschaft nachhaltig verändert. Die durch den Zusammenbruch des Marktes für Subprime-Kredite ausgelösten Liquiditätsengpässe haben nicht nur zahlreiche Zentralbanken dazu gezwungen, zusätzliche Mittel in den Geldmarkt zu pumpen, sondern auch manchen Zinsanhebungszyklus abrupt gestoppt. Notenbanken wie die „Bank of England“ (BoE) oder die „Bank of Canada“ (BoC) sind mittlerweile auf den Zinssenkungspfad eingeschwenkt. Wo darf der Anleger im kommenden Jahr überhaupt noch auf steigende Zinsen hoffen? Im Folgenden gibt es einen Überblick über die zu erwartenden Entwicklungen an der Zinsfront.

Eindeutig auf Zinssenkungskurs eingeschwenkt ist die US-Notenbank Fed, die sich in ihrem Begleitstatement zum Zinsentscheid vom 11. Dezember, der eine Zinssenkung um 25 Basispunkte auf 4,25% mit sich brachte, die Option für weitere Zinssenkungen offen hielt. Zudem wurde der zuletzt als „neutral“ empfundene Tonfall des Statements zugunsten eines stärkeren Zinspessimismus modifiziert. Die weiter herrschende ökonomische Unsicherheit in den USA sowie die sich noch beschleunigende Korrektur am US-Häusermarkt lassen der Fed keine andere Wahl, als die geldpolitische Lockerung fortzuführen. Die Ende Oktober gemachte Aussage, dass Inflations- und Wachstumsrisiken in etwa gleich gewichtet sind, wurde aus dem jüngsten Statement gestrichen und statt dessen betont, dass man weiter das Notwendige tun werde, um die Ökonomie auf Wachstumskurs zu halten. Angesichts der unsicheren Konjunkturprognose sollten die Zinssenkungen helfen, in der Zukunft wenigstens ein "moderates" US-Wirtschaftswachstum sicherzustellen, so die Fed.

Die US-Zinsfutures preisen derzeit eine Wahrscheinlichkeit von über 90% für eine weitere US-Zinssenkung im Januar ein, und auch mit einer zweiten Zinssenkung im ersten Quartal 2008 darf gerechnet werden. Allerdings ist die US-Zinssenkungsfantasie durch die jüngsten US-Inflationsdaten merklich gedämpft worden. So kletterten die US-Verbraucherpreise im November um 0,8% im Monatsvergleich und legten damit noch stärker zu, als in der Konsensschätzung von 0,6% erwartet. Im Vormonat hatte sich noch ein Plus von 0,3% ergeben. Der aktuelle Verbraucherpreisanstieg ist der stärkste seit September 2005, aber noch alarmierender stellt sich die Lage bei den US-Erzeugerpreisen dar. Diese erhöhten sich um satte 3,2% gegenüber dem Vormonat und damit um den stärksten Wert seit August 1973. Mit mehr als einer Absenkung des US-Leitzinses auf 3,75% sollten Anleger deshalb nicht kalkulieren, da der Fed sonst die Inflation aus dem Ruder zu laufen droht.

In einer ähnlichen Zwickmühle wie die Fed befindet sich auch die Europäische Zentralbank (EZB). Angesichts der globalen Finanzmarktkrise sowie des starken Euro war die EZB gezwungen, ihren Zinsanhebungszyklus bei 4,00% abzubrechen. Zwar gab sich EZB-Präsident Jean-Claude Trichet in der Dezember-Pressekonferenz durchaus zinsbullisch und betonte die weiter bestehenden Inflationsrisiken, während die wirtschaftlichen Aussichten unsicher seien. Das Fehlen der auf baldige Zinsanhebungen deutenden Schlüsselworte der „höchsten Wachsamkeit“ bestätigt aber die Auffassung, dass die EZB den Leitzins vermutlich im gesamten ersten Halbjahr 2008 unverändert bei 4,00% belassen wird. In dieselbe Richtung weisen auch die jüngsten Aussagen von EZB-Mitgliedern wie Jürgen Stark, die den starken Inflationsanstieg auf aktuell 3,0% im November als ein bloß temporäres Phänomen einstuften. Trotz einer in den kommenden Monaten über der Zielmarke von 2% verbleibenden Teuerung ist angesichts der Risiken bezüglich der weiteren Wirtschaftsentwicklung sowie der fortgesetzten Liquiditätsprobleme am Geldmarkt deshalb auf mittlere Sicht mit keiner Zinsanhebung in der Eurozone mehr zu rechnen. Vielmehr hat die Wahrscheinlichkeit deutlich zugenommen, dass der Zinserhöhungszyklus der EZB bereits beendet ist.

Während sich die EZB zumindest den Forderungen nach Zinssenkungen gegenüber standhaft zeigt, ist man in Großbritannien sowie in Kanada bereits dazu übergegangen, die geldpolitischen Zügel zu lockern. So hat die britische Zentralbank im Dezember ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 5,50% gesenkt, obwohl die Mitglieder des geldpolitischen Rats anhaltende Inflationsrisiken sahen. Die Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung in Großbritannien sowie die Befürchtung, die US-Immobilienkrise könnte als nächstes auf die Insel übergreifen, überwogen jedoch. Deshalb ist auch für 2008 mit zwei weiteren Zinssenkungen der Bank of England zu rechnen.

Auch die kanadische Notenbank hat wegen der durch die US-Hypothekenkrise erwarteten globalen Wachstumsabschwächung die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf jetzt 4,25% gesenkt. Angesichts eines nur wenig von seinem absoluten Rekordstand entfernten „Loonie“ sowie der eng mit der globalen Rohstoffnachfrage verknüpften exportorientierten Ökonomie des Landes ist anzunehmen, dass auch die „Bank of Canada“ mit ein bis zwei weiteren Zinssenkungen im kommenden Jahr aufwartet.

Am ehesten auf Zinsanhebungskurs verbleibt man hingegen in Australien und Neuseeland, wo bei den Hochzinswährungen AUD und NZD auch für 2008 noch Zinsfantasie herrscht. So hatte die „Reserve Bank of New Zealand“ (RBNZ) ihren Leitzins zuletzt unverändert bei 8,25% belassen, war in ihrem Begleitstatement jedoch ihrer zinsbullischen Haltung treu geblieben. Auch die australische Notenbank (RBA) schwenkte zwar im Zuge der Finanzmarktturbulenzen in den „Beobachtungsmodus“ ein (aktueller Leitzins: 6,75%), könnte aufgrund der robusten Wirtschaftsdaten und des anhaltenden Inflationsdrucks aber ihre Zinserhöhungspolitik im Jahr 2008 fortführen.

Moderate Zinsanhebungsfantasie finden Anleger noch in den skandinavischen Ländern Norwegen und Schweden. Angesichts der heißlaufenden norwegischen Wirtschaft sowie einer steigenden Inflationsrate dürfte die Norges Bank auch 2008 bei einem Zinsniveau von derzeit 5,25% auf dem Zinserhöhungspfad bleiben, während die Riksbank bereits angekündigt hat, im kommenden Jahr zumindest eine weitere Zinsanhebung auf 4,25% vornehmen zu wollen. Insgesamt ist die Zahl der Notenbanken, die Anleger 2008 mit steigenden Zinsen und damit verbundener Aufwertungsfantasie ihrer Währungen erfreuen, aber sehr überschaubar. Bevor sich die Finanzmarktturbulenzen aufgrund der US-Hypothekenkrise gelegt haben und die globale Ökonomie wieder auf einen überzeugenden Wachstumspfad zurückgefunden hat, dürfte sich daran jedoch nichts Grundlegendes ändern.

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