Seit Donnerstag beträgt der Mindestbietungssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte bei der Europäischen Zentralbank 2,25 Prozent, nachdem er zuvor zweieinhalb Jahre konstant bei 2,00 Prozent lag. Kontrovers von der interessierten Öffentlichkeit kommentiert, löste der Zinsschritt am Markt keine großen Bewegungen aus. Die gute Vorbereitung der Anhebung und die unter dem Strich gemäßigte Wortwahl in der anschließenden Erklärung ließen die Renditen sogar leicht nachgeben. In den USA haben unterdessen sehr robuste Konjunkturdaten das Renditeniveau erhöht.

Euroland: Wieder zur Ruhe gekommen

EZB-Präsident Trichet wiederholte nach der Zinsanhebung noch einmal, dass es ex ante keine Zinserhöhungsserie gebe. Man habe die jetzige Entscheidung auf Basis der aktuellen Lage getroffen und werde es auch in der Zukunft so handhaben. Der Beschluss werde dazu beitragen, dass die mittel- bis langfristigen Inflationserwartungen im Euro-Währungsgebiet fest auf einem stabilitätspolitisch vertretbaren Niveau verankert bleiben, sagte Trichet. Die EZB steuere weiterhin einen akkommodierenden Kurs, was somit auch eine nachhaltige wirtschaftliche Aktivität sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen fördere. Die Öffentlichkeit reagierte uneinheitlich auf den Zinsschritt. Aus den Banken und der Wirtschaft kam überwiegend Zustimmung. Von Seiten der Politik - insbesondere der Finanzminister - gab es teils heftige Kritik, was allerdings auch wenig überrascht. Als Verwalter der Staatsschulden sehen diese sich nun höheren Kosten für künftig zu leihendes Geld ausgesetzt. Frankreich zum Beispiel erwartet nach eigenen Berechnungen 2006 rund 250 Mio. Euro zusätzliche Zinslast. Es verwundert daher nicht, dass der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück mit der EZB sprechen will, um weitere Zinsschritte zu verhindern. Beeilen muss er sich dabei aber offenbar nicht, wie die insgesamt gemäßigte Erklärung und die Frage-Antwort-Runde nach der Zinserhöhung zeigten. Die zuvor stets geäußerte Wachsamkeit der EZB kam in der jüngsten Stellungnahme jedenfalls nicht vor. Der Markt geht davon aus, dass nun wieder etwas Ruhe einkehrt und erst im Laufe des ersten Halbjahres 2006 mit einem neuerlichen Schritt zu rechnen ist. Diesen Schluss lässt auch die makroökonomische Projektion der EZB zu. Die Prognosen für Wirtschaftswachstum und Preisentwicklung setzten die Währungshüter leicht nach oben. Beim BIP-Zuwachs werden nun plus 1,4 bis 2,4 statt vorher 1,3 bis 2,3 Prozent erwartet, bei der Inflation plus 1,6 bis 2,6 statt vorher 1,4 bis 2,4 Prozent. Das Umfeld für Rentenfondsinvestment bleibt also konstruktiv. Bei Neuanlagen sollten vor allem Fonds mit kürzeren bis mittleren Laufzeiten ins Auge gefasst werden.

USA: Starke Konjunkturdaten

Die amerikanische Konjunktur brummt. Das zeigen die zahlreichen und hochkarätigen Veröffentlichungen der vergangenen Woche. So stieg das BIP im dritten Quartal nicht wie ursprünglich erwartet bloß um annualisiert 3,8 Prozent, sondern sogar um 4,3 Prozent. Nach Jahresraten von 3,8 und 3,3 Prozent in den beiden vorangegangenen Quartalen ist das zugleich der höchste Wert im laufenden Jahr. Ebenfalls robust präsentierten sich die Auftragseingänge für langlebige Güter im Oktober und das Verbrauchervertrauen des Conference Board im November. Den letzten Beweis für die dynamische Verfassung der US-Konjunktur lieferte am Freitag der Arbeitsmarktbericht für November mit 215.000 neu geschaffenen Stellen, wobei der Oktoberwert auch noch leicht nach oben revidiert wurde. Die in der Vorwoche aufgekommenen Vermutungen, wonach die FED ihren Zinserhöhungszyklus alsbald beenden könnte, erhielten somit von konjunktureller Seite erstmal einen Dämpfer. Dementsprechend bewegten sich die Renditen von US-Treasuries im Wochenverlauf auch aufwärts.

Devisen: Argumente für den USD überwiegen

Das Währungspaar Euro/US-Dollar hat sich im Wochenverlauf stark bewegt, was allerdings am Vergleich der Schlussnotizen nicht abzulesen ist. Die anfängliche Aufwertungstendenz des Euro wurde dabei von der Flut guter US-Konjunkturdaten zu Nichte gemacht. Die Argumente liegen zur Zeit beim US-Dollar. Die Zinsdifferenz macht festverzinsliche Anlagen in den USA attraktiv. Zumal dann, wenn man sich auch noch billig in Euro verschulden kann. Ferner spricht für den Greenback die Möglichkeit der US-Unternehmen, ausländische Gewinne steuervergünstigt zurückzuführen. Schließlich macht die unverändert robuste Wirtschaftsverfassung die USA insgesamt interessant. Die zwei wohl gewichtigsten Gegenargumenten gegen den US-Dollar, das Budget- und das Leistungsbilanzdefizit, verblassen vor diesem Hintergrund.

Ausblick:

Die aktuelle Woche verspricht von der Datenlage her wesentlich ruhiger zu verlaufen als die Vorwoche. Vor allem die Industrieproduktionen in Deutschland und Frankreich im Oktober werden mit Spannung erwartet. Beide sollten weitere Belege für die konjunkturelle Erholung Eurolands sein. Das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan am Freitag dürfte ebenfalls ansteigen und damit den positiven US-Trend bestätigen.

Quelle: Union Investment

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