Nach US-Anleihenfonds hat es auch die Rentenfonds der Eurozone erwischt: 2005 wird ein mageres Jahr für die Performance-verwöhnten Käufer von Staatsanleihen.

Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen ist in den letzten Wochen von 3% auf 3,5% angestiegen. In der Welt von Rentenfondsmanagern ist dies ein Riesensprung. Denn einem Renditeanstieg stehen Kursverluste in einem Anleiheportfolio entgegen. Die Notierungen an den Zinsmärkten verlaufen gegenläufig zu den Renditen.

Das macht sich in den Rentenfonds bemerkbar, die in Staatsanleihen und andere Schuldtitel investieren. Wer bis September mühsam 4 bis 5% an Wertentwicklung erwirtschaftet hatte, sieht seine Felle innerhalb von sechs Wochen davon schwimmen. Zerrissen hat es diejenigen, die auf weiter steigende Kurse und ein fallendes Renditeniveau gesetzt hatten (Duration).

Auslöser für den Renditeanstieg war eine erhöhte Inflationserwartung im Rentenmarkt, begleitet von mahnenden Worten der Europäischen Zentralbank. Die Notenbanker fürchten, dass durch den Ölpreisschub die Stabilität des Euros in Gefahr sein könnte. Die derzeitige Inflationsrate liegt – inklusive Energie und landwirtschaftliche Produkte – mit 2,5% über den von den Währungshütern angepeilten 2%. Die immer wahrscheinlich werdende Mehrwertsteuererhöhung in Deutschland, der größten Volkswirtschaft in der Eurozone, verschärft die Situation. So kann man durchaus die Worte aus dem Frankfurter EZB-Tower als Mahnung Richtung Berlin verstehen. Eine Mehrwertsteuererhöhung von 2% in Deutschland hebt die Inflationsrate in Euroland um 0,4% an, schätzen Ökonomen. Die Notenbanker favorisieren ausdrücklich die Sanierung der Staatsfinanzen auf der Ausgabenseite.

Ein Trost bleibt den deutschen Rentenfondssparern. Die Mehrzahl der Anleger gibt seit jeher Anleihefonds den Vorzug. Sie haben die Welle steigender Anleihekurse seit Jahren mit Erfolg geritten. Dieses Jahr gibt es halt mal keine 7% oder 8%. Spannend würde es werden, wenn die ersten Rentenfonds negative Performance auf Jahressicht melden müssen. Eine anspringende Konjunktur in Deutschland oder Frankreich könnte Katalysator sein. Eine verkehrte Welt: Ein ausgabefreudiger deutscher Konsument oder rückläufige Arbeitslosenzahlen würden die Inflationserwartung in der Eurozone und damit das Renditeniveau nach oben treiben. Aber danach sieht es im milden Herbst 2005 nun wirklich nicht aus.

Quelle: Morningstar Deutschland

Die Aufgabe der Fonds-Ratingagentur Morningstar ist es, leicht zugängliche Informationen und Anwendungen anzubieten um den Anlegern eine objektive Hilfe zu den mehr als 6.000 in Deutschland zugelassen Fonds zu geben. Als Teil des europäischen Netzes lancierte Morningstar seine Dienste in Deutschland am 23.05.2001 unter www.morningstarfonds.de