Die Notenbank hat so viele Analysten und Ökonomen, dass es an Daten und Untersuchungen nicht mangelt, um das richtige Zinsniveau zu bestimmen. Gelungen ist das bisher allerdings nicht. Immer noch tappt die Notenbank größtenteils im Dunkeln.

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    Dabei könnte es so einfach sein. Der Zinssatz kann entweder zu hoch, zu niedrig oder genau richtig sein. Dafür braucht es eigentlich nur einen Datenpunkt. Man muss wissen, welcher Zins neutral ist, also weder einer Straffung noch einer Lockerung entspricht. Dieser neutrale Zinssatz wird derzeit jedoch in einer Range von 2,5-3,5 % gesehen.

    Die Range ist so breit, dass es am Ende schon fast Glückssache ist. So kommt es einem bisweilen zumindest vor. Vieles erscheint zufällig. Bis zu einem gewissen Grad ist das auch verständlich. Die Wirtschaft wird von so vielen Faktoren beeinflusst, dass eine genaue Bestimmung schwierig ist.

    Der Leitzins ist auch nur ein Faktor unter vielen. Marktzinsen, wie jene für Anleihen, können von der Notenbank nicht bestimmt werden. Sie können nicht direkt intervenieren, wenn diese Zinsen zu stark steigen. Sie können aber den Leitzins senken und so für Zuversicht sorgen. Indirekt kann die Notenbank Einfluss nehmen.

    Nicht zuletzt wegen dieser Komplexität gibt es Fürsprecher für eine ganz einfache Variante: eine regelbasierte Zinsfestlegung und nicht eine nach Gefühl. Seit 25 Jahren steht dafür eine einfache Regel zur Verfügung. Die Taylor-Regel berechnet den adäquaten Zinssatz nach einer Formel.

    Die Formel berücksichtigt, ob das Inflationsziel erreicht wird und wie sehr die Wirtschaft über oder unter Potenzial performt. Die Notenbank hat den Zins, der sich daraus ergibt, bis in die 50er Jahre zurückgerechnet (Grafik 1). Der tatsächliche Leitzins lag häufig darüber, näherte sich über die Konjunkturzyklen aber immer weiter an.

    Die Formal führte zu einem negativen Zinssatz während der Krise. Das konnte nicht erreicht werden. Dafür nähern sich die beiden Zinssätze jetzt an. Eine Eintrübung der wirtschaftlichen Dynamik (ist aktuell wahrscheinlich) würde den Leitzins über den Taylor-Satz drücken. Eine weitere Zinsanhebung erreicht das gleiche. Geschieht beides in diesem Jahr, ist der Leitzins plötzlich 0,5 Prozentpunkte zu hoch.

    Will die Notenbank sicher sein, dass sie keinen Fehler macht, muss die Zinsen jetzt eigentlich senken. Eine zu rasche Ausweitung des Spreads der beiden Zinssätze hat in der Vergangenheit Rezessionen hervorgerufen. Genau an diesem Punkt befinden wir uns jetzt.

    Anstatt mit dem Feuer zu spielen und zu experimentieren, würde der Fed ein konservativer Ansatz besser stehen. Allein die Signalwirkung einer Zinssenkung dürfte der Wirtschaft Schub geben, nicht zuletzt wegen des Aktienmarktes. Inzwischen erwarten Anleger eine Zinssenkung in diesem Jahr (Grafik 2). Aktien und Zinserwartung gingen Hand in Hand. Kommt jetzt eine Zinssenkung, dürfte das Aktien enormen Auftrieb geben.

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