Frankfurt (GodmodeTrader.de) - Für die nächste Saison 2020/21 erwarten die meisten Beobachter ein zweites Angebotsdefizit am globalen Zuckermarkt. Nach mindestens sieben Millionen Tonnen in der laufenden Saison soll dieses dann aber deutlich kleiner ausfallen. In Umfragen beläuft sich der Mittelwert meist auf gut eine Million Tonnen, wie Commerzbank-Analystin Michaela Helbing-Kuhl im aktuellen „TagesInfo Rohstoffe“ schreibt.

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Diese Erwartung ruhe vor allem auf einer deutlich steigenden Zuckerproduktion in Indien. Aber auch in Brasilien solle mehr Zucker hergestellt werden. Zum einen lasse ein guter Mix aus Regen und Sonne eine hohe Zuckerrohrernte erwarten. Zum anderen seien die lokalen Zuckerpreise gestiegen, auch unterstützt durch den rekordtief notierenden Real. Daher dürfte ein höherer Anteil des Zuckerrohrs zu Zucker statt zu Ethanol verarbeitet werden, heißt es weiter.

„Dies wird auch nötig sein, um die weltweite Produktion zu steigern. Denn in einer Reihe von Ländern sieht es nicht nach einer nennenswerten Ausdehnung aus – wenn überhaupt. Gestern haben wir bereits auf die kritischen Stimmen zu Thailand verwiesen. Auch in der EU dürfte nach den schwachen Jahren 2018/19 und 2019/20 im kommenden Jahr kein großer Sprung möglich sein“, so Helbing-Kuhl.

Zwar seien die internationalen Zuckernotierungen gestiegen, aber noch immer zögen die Preise in der EU nach Angaben der Produzenten nicht ausreichend an, um eine profitable Produktion zu gewährleisten. Die großen Anbieter hätten bereits einige Fabriken geschlossen. Alleine in Frankreich werde für die nächste Ernte eine fünf bis zehn Prozent kleinere Fläche mit Zuckerrüben bebaut, erwarte der Direktor der Rübenbauervereinigung, heißt es weiter.

„Der große französische Produzent Tereos rechnet EU-weit mit einer Einschränkung der Fläche um zwei Prozent. Das Handelshaus ED&F Man schätzt die EU-Zuckerproduktion 2020/21 auf 17,5 Millionen Tonnen und damit ähnlich hoch wie die der aktuellen Saison, die die EU-Kommission mit 17,3 Millionen Tonnen angibt (darunter Frankreich 4,8 Millionen und Deutschland 4,2 Millionen Tonnen). Das Analysehaus Green Pool rechnet 2020/21 für die EU sogar nur mit 15,8 Millionen Tonnen“, so Helbing-Kuhl.