Frankfurt (GodmodeTrader.de) - Nicht nur der Maispreis in Chicago leidet massiv unter dem Verfall der Ölpreise und notiert auf dem niedrigsten Niveau seit mehr als einer Dekade, auch die Preise für Zucker sind in den letzten Tagen weiter gefallen. Rohzucker schloss gestern im Kontrakt mit Fälligkeit Mai bei 9,75 US-Cent je Pfund rund drei Prozent im Minus. Im Handelsverlauf war er unter 9,60 US-Cent abgesackt und hatte damit den niedrigsten Stand in einem nächstfälligen Kontrakt seit dem Frühsommer 2008 markiert, wie Commerzbank-Analystin Michaela Helbing-Kuhl im „TagesInfo Rohstoffe“ schreibt.

Die Gründe für den weiteren Rutsch ähnelten denen bei Mais: Auch aus Zucker werde Ethanol hergestellt. Das in dieser Hinsicht mit Abstand wichtigste Land sei Brasilien, das über eine umfangreiche Flotte an Fahrzeugen verfüge, die sowohl mit Benzin als auch mit Ethanol angetrieben werden könne. Schon länger sei damit gerechnet worden, dass in der nun in Brasilien anlaufenden Verarbeitungssaison 2020/21 ein höherer Anteil des Zuckerrohrs in die Verarbeitung zu Zucker fließen dürfte als in den Vorjahren. Vor dem Hintergrund einer sehr üppigen Versorgungslage, die die Weltmarktpreise für Zucker gedrückt hätten, sei in der Hauptanbauregion Center-South 2019/20 nur 34 Prozent des Zuckerrohrs zu Zucker verarbeitet worden, 2018/19 seien es 35 Prozent gewesen. In den beiden Jahren zuvor habe der Anteil noch jeweils 46 Prozent betragen, heißt es weiter.

„Bei den niedrigen Ölpreisen sinkt die Nachfrage nach Ethanol, zumal die Corona-Krise den Bedarf an Treibstoff massiv reduziert. Der brasilianische Ethanolsektor hat die Regierung um finanzielle Hilfe zur Einlagerung von sechs Milliarden Liter Ethanol ersucht. Angesichts der Verwerfungen an den Treibstoffmärkten könnte sich die Aufteilung des Zuckerrohrs noch weiter zugunsten von Zucker verschieben als erwartet. Dazu trägt auch der schwache Real bei, der noch immer nur unweit seines Allzeittiefs gegenüber dem US-Dollar von Anfang des Monats notiert. Dies stützt die lokalen Zuckerpreise bei der Umrechnung der international in US-Dollar notierten Preise in heimische Währung. Es wird damit wahrscheinlicher, dass es 2020/21 zu einem Überschuss am Zuckermarkt kommt“, so Helbing-Kuhl.