Die Zuckerpreise haben sich in diesem Jahr zur süßen Überraschung entwickelt. Dürrebedingte Ernteverluste in Indien haben die Angst vor einer Zuckerverknappung auf dem Weltmarkt geschürt und die Börsenpreise des Rohstoffs auf das höchste Niveau seit Februar 1981 getrieben. Zuckerproduzenten in aller Welt freuen sich und nutzen die hohen Preise, um ihre Ernte im nächsten Jahr bereits heute zu verkaufen. Darin liegt die Saat für eine weitere Verdopplung der Preise.

    Regenzeit in Indien

    Dem Monsunregen kommt auf dem immer noch mehrheitlich agrarwirtschaftlich geprägten indischen Subkontinent eine lebenswichtige Bedeutung zu. Die Nahrungsmittelversorgung des Milliardenvolkes ist auf den Monsun angewiesen, wird aber auch durch dessen Extremniederschläge bedroht. Diese Abhängigkeit in Verbindung mit wechselhaftem Wetter, ausgelöst durch die globale Erwärmung sowie die schnell wachsende indische Bevölkerung birgt in sozialer, wirtschaftlicher und politischer Hinsicht ein hohes Krisenpotenzial.

    Die wirtschaftlichen Folgen zeigen sich eindrucksvoll am Zuckermarkt. Da Indien sowohl größter Produzent und Konsument des Süßungsmittels ist, wirkt sich eine Missernte sofort auf die Weltmarktpreise aus, da das Defizit durch Importe ausgeglichen werden muss.

    Schon heute sind die weltweiten Zuckerbestände so tief wie zuletzt im Jahr 1973. „Indiens massive Importe werden die Vorräte im Jahr 2010 auf ein historisches Tief fallen lassen“, schreibt Arya Sen von Credit Suisse. Bis zu den nächsten Ernten im September 2010 wird das Zuckerangebot auf dem Weltmarkt „extrem knapp“ sein. „Wir rechnen damit, dass die Preise weit höher gehen werden“, schreibt der Analyst.

    Übervorsichtige Produzenten

    Neben der sich abzeichnenden Verknappung von Zucker auf dem Weltmarkt könnte auch ein übervorsichtiges Verhalten der Zuckerproduzenten die Preise weiter anheben. „Das ist wirklich ungewöhnlich“, erklärt David Hightower von Hightower Research in einem Interview auf ONN.TV. „Jetzt haben wir die Zuckerproduzenten, die den hohen Preis sehen und ihn sich sichern wollen. Also verkaufen sie. Das ist wie im Goldmarkt, wo wir Vorwärtsverkäufe hatten und jetzt sehen wir, dass die Produzenten Gold wieder am Markt zurückkaufen müssen, weil die Preise weiter steigen.“ Zu einer ähnlichen Situation könnte es bei Zucker kommen. „Zwar noch nicht jetzt. Wenn sich die Angebotsverknappung aber verschlimmert, kann alles sehr schnell gehen.“

    Hightower sieht eine Preissteigerung bis 44 cents alleine schon durch die Angebotsverknappung. Da Zucker durch die Verarbeitung zu Ethanol heute aber auch ein Energierohstoff sei und Produzenten gezwungen sein könnten, ihre Vorwärtsverkäufe aufzulösen, könnten die Preise locker auch bis auf 66 cents ansteigen, von aktuell 23 cents.

    Preise zu niedrig für Nachfragereaktion

    Jonathan Drake, Chefhändler bei Cargill, dem größten Agrarprodukthändler der Welt, hat den Zuckerpreisanstieg in diesem Jahr schon rechtzeitig vorhergesehen. Er denkt, dass die „aktuellen Preise die Nachfrage nicht genug dämpfen.“ Auch der Agrarhändler Bunge aus den USA sieht Preise von 27 bis 29 cents Anfang des nächsten Jahres.

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    Ihr Jochen Stanzl
    Chefredakteur Rohstoff-Report.de