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Frankfurt/Boston (GodmodeTrader.de) - Während sich die Märkte auf die jüngsten Währungsentwicklungen in China fixieren, bewegen James Swanson, MFS Chief Investment Strategist, andere Überlegungen. Seit der letzten Rezession in den USA seien mittlerweile sechs Jahre vergangen. Damit sei die aktuelle Expansion ein Jahr älter, als die durchschnittliche Lebensdauer eines Wirtschaftszyklus seit Ende des zweiten Weltkrieges. Während dieser sechs Jahre habe sich die USA größtenteils auf einer imposanten Fahrt befunden, sowohl was die Unternehmensgewinne als auch die Aktienmärkte anbelange, schreibt Swanson in einem aktuellen Marktkommentar.

Das BIP-Wachstum in den USA habe diesen Optimismus getrübt, da es auf einem geringeren jährlichen Niveau – etwa zwei Prozent – verharrte, als wir es in anderen Zyklen erlebt hätten. Bestätigt werde diese Wachstumsschwäche durch die kraftlosen Verkaufsberichte der im S&P 500 vertretenen Unternehmen, die während dieses Zeitraums ebenfalls unter den historischen Normen gelegen hätten, heißt es.

„In der gleichen Zeit entwickelten sich die Unternehmensgewinne aber alles andere als kraftlos. Die Bruttogewinne im S&P 500 bleiben stark, die Nettogewinne waren außergewöhnlich robust und das breite Maß der gesamten Gewinne als Prozentsatz des BIP befinden sich Nahe des historischen Höchstwertes. Kein Wunder, dass sich der Aktienmarkt aufwärts bewegt hat – mit aufgesetzten Scheuklappen, um die Nachrichten des unterdurchschnittlichen Wirtschaftswachstums zu ignorieren“, so Swanson.

Die Quellen aus denen sich der Anstieg bei den US-Gewinnen speise, seien vielfältig. Die Lohnkosten hätten typischerweise den wichtigsten Einfluss auf Erträge. Doch während dieses Zyklus lägen die jährlichen Lohnsteigerungen hinter dem schwachen Wirtschaftswachstum zurück. Die Globalisierung des Arbeitsmarktes sei ebenfalls ein wichtiger Faktor. Der Zugang zu günstigeren Arbeitskräften, insbesondere in Asien und Südamerika, habe der Produktionskette zu enormen Kosteneinsparungen verholfen, besonders bei multinationalen Konzernen. Im technologischen Fortschritt liege eine weitere Quelle der Gewinnsteigerungen bei US-Unternehmen, die sich im Kapitalumschlag niedergeschlagen habe. Andere Vorteile für die US-Wirtschaft ergäben sich aus geringeren Energiekosten, und niedrigen Zinsen. Fasse man alle Faktoren zusammen, so werde deutlich, dass Gewinne und der freie Cashflow die Treiber des aktuellen Zyklus gewesen seien, heißt es weiter.

Aufgrund des starken US-Dollars und des schwachen globalen Wachstums habe zuletzt der Grundstoffsektor im Export gelitten. Die Energiewirtschaft, die etwa neun Prozent des S&P 500 ausmache, habe von starken Verkaufs- und Gewinnrückgängen berichtet. Diese großen Investitionsunternehmen, die erhebliche Absatzsteigerungen durch Investitionen in Pipelines und Bohrungen verzeichnet hätten, erlebten Swanson zufolge nun Ergebnis- und Umsatzrückgänge.

„Ich bezeichne diese Periode als rohstoffgetriebene Gewinnrezession. Wir haben in der Vergangenheit drei Phasen erlebt, in denen die Preise von Öl und anderen Rohstoffen gefallen sind, ohne dass es eine ausgedehnte US-Rezession gab“, so der Investmentstratege. Betrachte man diese Fälle genauer, so sei die schlechte Nachricht, dass die Geschäftszahlen etwa zwei Quartale angehalten hätten, bis das Wachstum generell wieder angezogen habe. Dies habe dann zu steigenden Gewinnen geführt – nicht aufgrund von Margen, sondern infolge klassischer Umsatzsteigerungen, während gleichzeitig die relativ fixe Kostenbasis nur langsam angestiegen sei.

„Ich denke wir befinden uns derzeit am Wendepunkt. Entweder das weltweite Wirtschaftswachstum zieht bald wieder an – getrieben von geringeren Energiekosten und der besseren Kaufkraft, die US-Verbrauchern aufgrund des steigenden US-Dollars zugutekommt – oder das globale Wachstum verflacht aufgrund anderer Ursachen (möglicherweise China) und die Gewinne gehen zurück. Für einen derartigen Gewinneinbruch ist der Markt bei einem KGV von 18 aber noch nicht reif. Werden wir dies als Blase betrachten, wenn wir nächstes Jahr in den Rückspiegel schauen? Ich denke nicht. Ich vermute, dass geringere Öl-, Gas-, Kupfer- und Eisenpreise die Investitionen beflügeln könnten, was zu einem besseren Ertragswachstum zum Jahresende führen dürfte. Der aktuelle Marktpreis könnte sich als vorausschauend herausstellen“, so Swanson.