Der Ölpreis steuert auf die schwierigste Jahreszeit zu

    Für gewöhnlich fallen die Preise in der Zeit von September/Oktober bis Dezember. Grafik 1 zeigt das saisonale Muster des Ölpreises. Tendenziell steigt der Ölpreis von Februar bis August, stagniert dann und fällt den Rest des Jahres, bevor es noch im Dezember zu einer kleinen Rallye bis Januar kommen kann.

    Dieses saisonale Muster gilt seit Jahrzehnten und es gilt weiterhin. Manche saisonale Muster kann man nicht einwandfrei erklären. Bei Öl ist das anders. Der Saisonalität liegt eine ganz klare Logik zugrunde.

    Die Ölsaisonalität ist ein einfaches Nachfragephänomen

    Die Ölnachfrage steigt von Februar bis ungefähr August und fällt dann von September bis Dezember. Besonders hoch ist die Nachfrage in den Sommermonaten. Im Sommer ist das Transportaufkommen sehr viel höher als im Winter – sei es aufgrund der Urlaubssaison oder aufgrund von Bauarbeiten, Erntesaison usw.

    Die zyklische Nachfrage macht sich nicht nur im Preis bemerkbar. Der ganze Ölmarkt ist saisonal ausgerichtet. Grafik 2 zeigt die US Ölproduktion, die Ölimporte und die Menge an Öl, die von Raffinerien verarbeitet wird. Auf den ersten Blick erkennt man bereits ein deutliches saisonales Muster.

    Die US Ölproduktion selbst ist größtenteils unabhängig von der Nachfrageseite

    Die Importe hingegen sind ein Instrument, um Nachfrageanstiege zu befriedigen. Ebenso fallen die Importe im Winter zurück, wenn die Nachfrage geringer ist.

    Das Auf und Ab der Nachfrage sieht man auch gut anhand der Raffinerietätigkeit. Grafik 3 zeigt, wie viel Öl Raffinerien verarbeiten und wie hoch ihre Auslastung ist. Derzeit steht die Auslastung bei knapp 96%. Selbst wenn die Raffineriebetreiber noch mehr Rohöl verarbeiten wollten, sehr viel mehr können sie nicht mehr aufnehmen.


    Die Raffinerieauslastung und die Verarbeitungskapazität sind für den Ölmarkt extrem wichtig. Raffinerien sind letztlich die größten Abnehmer von Rohöl. Vor allem die vielen kleinen und mittelgroßen US Schieferölunternehmen, die keine eigenen Raffinerien betreiben, sind darauf angewiesen, dass sie ihr Öl an diese verkaufen können.

    Raffinerien können den Ölunternehmen kaum noch mehr Öl abnehmen

    Bei der hohen Auslastung bleibt nicht mehr viel Luft nach oben. Selbst wenn Raffinerien zu 100% ausgelastet würden, entspräche das lediglich 700.000 Barrel am Tag. Eine Auslastung von 100% ist unrealistisch. Raffinerien müssen ständig gewartet werden und sind anfällig für Störungen. Die Betreiber fahren aus diesem Grund die Produktion in den Monaten September bis Januar deutlich nach unten. Da die Nachfrage nach Ölprodukten wie Benzin in dieser Zeit ohnehin niedrig ist und sie keine Abnehmer für ihre Erzeugnisse finden, können die Raffinerien auch längere Zeit ausfallen und gewartet werden.

    Im Durchschnitt geht die Auslastung in den Monaten September bis Januar/Februar um 6 bis 7 Prozentpunkte zurück. Das entspricht bei der derzeitigen Verarbeitung von 17 Mio. Barrel pro Tag einem Rückgang von 1 bis 1,2 Mio. Barrel pro Tag. Das ist letztlich Öl, welches zwar von den Förderunternehmen gefördert, aber von niemandem mehr nachgefragt wird. Die Abnehmer (Raffinerien) fallen in den Herbst- und Wintermonaten als Abnehmer aus.

    In den USA führt das zu einem leichten Rückgang der Importe. Der Weltmarkt hätte dann ein noch höheres Überangebot als ohnehin schon. Den Ölpreisen wird das nicht helfen. Die USA reduzieren ihre Importe für gewöhnlich nicht um die gesamte Menge, die die Raffinerien weniger abnehmen. Die meisten Lieferverträge schreiben feste Mengen in festen Zeiträumen vor.


    Der Überhang an Angebot führt dazu, dass sich die Lager schnell füllen

    Grafik 4 zeigt den Öl- und Benzinlagerbestand der USA mit einer Prognose bis Mitte 2016. Der Lagerbestand ist genauso zyklisch wie die Nachfrage und die Raffinerieauslastung. Im Winter steigt der Lagerbestand, im Frühjahr und Sommer wird er abgebaut.

    Ab Ende August bis Ende September beginnen sich die Lager wieder zu füllen. Reduzieren die USA ihre Importe nicht signifikant, dann kommt es zu der Entwicklung wie in der Prognose dargestellt. Der Lagerbestand an Rohöl würde um 130 Mio. Barrel ansteigen. Das ist in etwa so viel wie vergangenes Jahr in demselben Zeitraum. Unterstell werden stabile Importe und die Reduktion der heimischen Förderung um 150.000 Barrel pro Tag.


    Auf den Ölmarkt kommen in den nächsten Wochen mehrere belastende Faktoren zu

    Einerseits wird die Ölnachfrage signifikant fallen, was das Überangebot noch verschärft. Andererseits werden sich die ohnehin schon sehr vollen US Lager weiter in hohem Tempo füllen. Begrenzen die USA ihre Importe nicht deutlich oder beginnen sogar zu exportieren, dann erreichen die US Öllager auf Jahressicht ihre maximale Kapazitätsgrenze. Sind die Öllager erst einmal voll, dann müssen Förderunternehmen ihre Förderung unbedingt losschlagen. Wohin sollen sie auch mit dem Öl, wenn nicht an irgendeinen Abnehmer? Wenn Förderer Öl unbedingt verkaufen müssen, weil sie es nicht mehr lagern können, dann beginnt erst die richtige Preisschlacht.

    Soweit kommt es vermutlich nicht. Dennoch werden die sinkende Nachfrage und ein Anstieg der Lagerauslastung für Druck auf die Preise sorgen. Vielleicht sieht der Ölpreis in diesem Bärenmarkt doch noch die 30 Dollarmarke von unten.