Interventionen an den Devisenmärkten sind wahrscheinlich mindestens so alt wie die Notenbanken dieser Welt. Darüber, ob sie ökonomisch Sinn machen und effektiv sind, gibt es heftige Diskussionen. Für Anleger und deren Depots können sie jedenfalls allemal effektiv sein.

Besonders bestechen derzeit die Bank of Japan und die Schweizer Notenbank durch massive Verkäufe der eigenen Währung. Im Zentrum stehen dabei die Währungspaare USD/JPY und EUR/CHF. Die Interventionspolitik der beiden Notenbanken unterscheidet sich dabei inzwischen erheblich. Nachdem die SNB ein Fiasko nach dem anderen erlebte, hat sie ihre Taktik geändert und einen Floor eingeführt. Ziel ist es, dass der Euro nicht weniger wert wird als 1,20 Franken. Zuvor hatte die SNB durch regelmäßige Euro Käufe versucht, die Aufwertung der eigenen Währung zu beenden. Trotz dieser Interventionen ist es ihr nicht einmal annähernd gelungen.

Bereits 2009 begann die SNB sich gegen die Aufwertung des Franken zu stemmen. Die erste nennenswerte Intervention (blauer Pfeil ganz links) hatte zum Ziel, den Kurs über 1,50 zu halten. Das ist zunächst überraschend gut gelungen. Interessant ist, dass der Franken über die Finanzkrise von 2008 und darüber hinaus relativ stabil blieb. Trotz Fluchtwährungscharakter, Bankpleiten und kollabierender Aktienmärkte blieb der CHF „billig“. Erst als Griechenland 2010 zum ersten Mal gerettet werden musste begann die eigentliche Flucht in den Franken. Das Ziel, die 1,46er Marke zu halten wurde schnell aufgegeben. Seitdem bewegte sich das Währungspaar in einem schönen Abwärtstrend, bei dem man mit Shortpositionen wenig falsch machen konnte. Die letzten Interventionen vor der Einführung des Floors waren vom Ergebnis her sehr mager – trotz hoher Volumina. Der Blick auf den Chart sagt ausreichend viel über die Verluste aus, die die SNB inzwischen angehäuft hat. Daher stellt sich früher oder später auch die Frage, ob die SNB den Floor langfristig wird durchhalten können.

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Solange die europäische Schuldenkrise anhält, dürfte sich das Währungspaar kaum von allein zu Gunsten der Schweiz bewegen. Die SNB braucht also einen langen Atem (oder eine starke Druckerpresse). Obwohl die Verluste auf absehbare Zeit für die SNB nicht kleiner werden, kann man davon ausgehen, dass sie entschlossen die 1,20er Marke verteidigen wird. Eine Spekulation auf das Gegenteil scheint derzeit wenig attraktiv. Die Aufgabe des Floors würde mit dem Abwärtstrend zwar um die 10% Aufwertungspotential bieten, aber das ist eine Entwicklung, die möglicherweise niemals eintreten wird. Nachdem der Kurs bis an den langfristigen Abwärtstrend bei 1,25 steigen konnte, konsolidiert das Währungspaar wieder. In den Intradaycharts sind immer wieder auffällige Kursausschläge zu sehen. Generell bedarf es aber wieder einer stärkeren Intervention, um den CHF abzuwerten. Solange diese Intervention nicht eintritt, ist davon auszugehen, dass die 1,20er Marke angepeilt wird. Im Bereich 1,215 scheint die SNB Interesse an Eurokäufen zu haben. Spätestens unter 1,21 aber dürfte sie entschlossener zuschlagen. Ob es soweit überhaupt kommt ist fraglich. Neben der Unterstützung der SNB wird die 1,21er Marke derzeit auch vom EMA50 untermauert. Eben dieses können sich Anleger zunutze machen. Bei Kursen zwischen 1,21-1,215 kann mit dem Hit Optionsschein DE000CK428Q4 überproportional an Abwertungen des CHF partizipiert werden. Der Schein läuft bis 18.01.2012 und hat ein Hit Level von 1,26. Wird dieses Level erreicht, wird der Maximalbetrag von 10 Euro zu Laufzeitende ausbezahlt. Wird der Schein bis Laufzeitende gehalten und die Schwelle nicht erreicht, tritt ein Totalverlust ein. Ziel ist es allerdings nicht, den Schein tatsächlich bis Januar 2012 zu halten. Wird er im Bereich 1,21 gekauft, entsteht mit einer Abwertung des CHF von 1-2% ein Renditepotential von 15-35%. Tritt das Szenario ein, beträgt die Haltedauer also nur wenige Tage.

Wie eingangs erwähnt ist die Wirksamkeit von Interventionen umstritten. Sporadische Interventionen können intakte Trends kaum umkehren. Eine lange Liste solcher Beispiele bietet das Währungspaar USD/JPY. Der Graph zeigt die Interventionen der Bank of Japan. Bis auf wenige Ausnahmen zu Zeiten der Asienkrise ging es darum den Yen zu schwächen. Für gewöhnlich machten die Eingriffe einige Prozent gut. Letztlich setzte sich der vorherrschende Trend aber wieder durch. Besonders die Detailansicht der Jahre 2002-2004 zeigt, wie wirkungslos die Eingriffe letztlich waren. Sie zeigt allerdings auch, dass die BoJ keine Mühen und vor allem Kosten scheut, um den Yen nicht zu stark aufwerten zu lassen.

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Es ist relativ vorhersehbar, dass die BoJ immer wieder intervenieren wird. Wann genau und in welchem Ausmaß ist jedoch schwer zu beurteilen. Der Ablauf in den vergangenen Jahren war allerdings immer derselbe. Einer überraschenden Intervention folgte erst einmal lange Zeit nichts. Der USD bewegt sich souverän in seinem langjährigen Abwärtstrend gegenüber dem Yen. Die Eingriffe der BoJ hatten dabei meist eine Wirkungsdauer von wenigen Tagen. Danach ging der Trend ungebrochen weiter. Damit ließen sich schöne Renditen erwirtschaften. Es ist jedoch vollkommen unklar, ob die Notenbank nicht doch wie 2003 und 2004 eine ganze Serie an Interventionen startet, zumal der Yen so stark ist wie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr. Die Spekulation auf das zu erwartende Muster ist also riskanter als darauf zu spekulieren, dass die SNB die 1,20er Marke hält.

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Die Möglichkeiten auf eine schnelle Fortsetzung des Trends zu spekulieren sind weniger vielfältig als bei anderen Währungspaaren. Neben klassischen KOs und Optionsscheinen bieten sich Inline Optionsscheine an. DE000MQ4HBK9 hat eine Laufzeit bis 4.01.2012. Die untere KO Schwelle liegt bei 71, die obere bei 81. Ein Stop Loss beim Interventionshoch von ca. 79,50 ist sinnvoll, bedeutet aber bereits Verluste von ungefähr 30%. Ein Verkauf bietet sich zwischen 76-77 an. Im Optimalfall ergibt sich daraus eine Rendite von knapp 30%.

Bitte beachten Sie wie immer neben dem Emittentenrisiko die Möglichkeit eines Totalverlusts. Die hier vorgestellten Szenarien können Ihre persönliche Einschätzung und eine Beratung nicht ersetzen.

Viel Erfolg

Clemens Schmale

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