Es wird getrickst, was das Zeug hält ...

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Autor: Norman Welz

Es ist Sale-Zeit! Sämtliche Waren werden zu Schleuderpreisen angeboten. In schicken Boutiquen ebenso, wie im Kaufhaus um die Ecke. Ob Business-Anzug oder Zimmerpflanzen aus Seide, selbst die kuriosesten Dinge sind jetzt zu Spottpreisen zu haben. Das Volk sieht rot! 30%, 50%, 70%-Schilder prangern die Konsumschätze an. Das meiste will man gar nicht haben. Neugierig ist man trotzdem, ob man nicht ein Schnäppchen schlagen kann. Wobei man sich so manches Mal wundert was da alles als Saisonware ausgegeben wird. Vom Schlüpfer bis zur Schlafmatratze – alles hat nun scheinbar sein Saisonende gefunden.

Schaut man einmal genauer ins Regal erkennt der geübte Käufer, dass viele Artikel vorher gar nicht im Bestand des Lieblingsgeschäftes waren. Da liegen plötzlich neben den Prada-Pullis und Boss-Hosen auch Hemden der Marken Paris-Line und Massimo-Italia. Die kennt eigentlich keiner, macht aber nichts, denn die sind besonders im Preis reduziert – von 69,00 € auf 29,00 €.

Das der Discountpreis die Ware nicht wert ist, dass scheint niemanden zu stören, Hauptsache gespart!

Einkäufer von großen Handelsketten verheimlichen ihre Tricks nicht einmal mehr. Um das Konsum-Happening so richtig anzufeuern werden die Verkaufstische mit allem gefüllt, was die Asiaarbeiterinnen noch schnell mit heißer Nadel zusammennähen können.

Das erwärmt die Herzen der Schnäppchenjäger und füllt die Kassen der Kaufhäuser.

Schlussverkauf nennt man in Fachkreisen auch Pulli-Boni. Das Spiel wird vermutlich so lange gespielt, solange die größte Konsumparty „Weihnachten“ nur einmal im Jahr stattfinden kann.

Dass der Kunde da samt %-Schilder über den Ladentisch gezogen wird ist ganz offensichtlich. Schon komisch: Man weiß es als Kunde eigentlich besser, verhält sich aber trotzdem wie gewohnt.

Das kennt man ja auch vom Trading!

Da stellt sich die Frage: Kann der Mensch nicht anders oder will er nicht anders?

Glaubt man den Wissenschaftlern der Behavioral Finance, dann kann der Mensch nicht anders. Das liegt an dem sogenannten Bezugsrahmen in dem der Mensch die Geldbeträge subjektiv bewertet.

Ein Beispiel: Einen Gewinn von 10,00 € auf 20,00 € (also 100 Prozent Gewinn) empfinden wir stärker als den Unterschied zwischen 1000,00 € und 1010.00 €. Der Gewinn bleibt der Selbe, aber der Bezugsrahmen hat sich verändert.

Absolut betrachtet ist der Unterschied jeweils 10,00 €. Das empfindet der Mensch subjektiv jedoch nicht so. Für ihn ist die Nutzensteigerung von 1000,00 € auf 1010,00 € kleiner als von 10,00 € auf 20,00 €

Im Verlustfall sieht es ähnlich aus. Einen Verlust von 10,00 € bei einer Summe von 20,00 € (50 Prozent Verlust) wird stärker negativ empfunden als ein Verlust von 10,00 € bei einer Summe von 1010,00 €. Die Größe des Basisbetrages beeinflusst die Einschätzung des Verlustwertes.

So denken wir auch beim Shoppen. Beim Kauf einer Fotokamera würden sich die meisten Käufer für den Sofortkauf zu 490,00 € entscheiden. Auch wenn sie beim 20 Minuten entfernt gelegenen Händler nur 480,00 € zahlen müssten.

Ginge es jedoch nicht um den Kauf einer Fotokamera zu 490,00 €, sondern um den Erwerb eines Bilderrahmens, der statt 20,00 € im Sale nur 10,00 € kostet, dann würden die meisten den 20 Minuten-Weg in Kauf nehmen, um die 10,00 € zu sparen.

Sie sehen – Tradingpsychologie findet in jedem Kaufhaus statt!

Wenn sie mehr über solche spannenden Verhaltensweisen zum Thema Geld erfahren möchten, und erfahren wollen weshalb wir beim Traden Verluste höher bewerten als Gewinne, dann schauen Sie sich doch einmal unseren neuen Godmode-Wiki-Bereich zum Thema Traingpsychologie an:

http://www.godmode-trader.de/wissen/index.php/Tradingpsychologie:Einleitung