GodmodeTrader Charttechnik & Trading Tutorial ... Autor: Rene Berteit

Nicht wenige Trader engagieren sich im kurzfristigen Zeitrahmen, sprich dem Intradaytrading und ich bin mir sicher, dass Sie dafür Ihre Gründe haben. So erhalten Sie bspw. viele Signale in kurzer Zeit oder aber Sie können Ihre Stopploss relativ eng setzen, womit auch kleine Konten halbwegs vernünftig getradet werden können. Diese Gründe sind durchaus richtig, jedoch sollte jeder aktive Trader auch die Tücken des kurzfristigen Handels kennen, denn das Intradaytrading hat nicht nur seine Sonnenseiten.

Jeder Markt hat beispielsweise seine durchschnittliche monatliche, wöchentliche und tägliche Volatilität und diese, aus einem übergeordneten Zeitrahmen stammende Schwankungsbreite teilt sich natürlich auf die untergeordneten Zeitebenen auf. Die Volatilität nimmt nach unten hin ab, die zu erwartenden Trendbewegungen werden kleiner.
Gleichzeitig aber teilt sich diese geringere Volatilität nicht nur punktuell sondern auch zeitlich auf den gesamten Tag aus, was im Minutenchart des Dax beispielsweise 510 Kerzen ausmacht. Mitnichten schwingt der Markt dabei ständig unter Ausnutzung der gesamten Marktbreite hin und her. Im Gegenteil. Die meiste Zeit werden sich eher sehr kleine Trends ergeben oder aber der Markt hängt in irgendeiner Konsolidierungsphase fest, was natürlich für trendorientierte Trader nicht unbedingt das beste Umfeld ist.

Desweiteren kommt im Intradaybereich hinzu, dass hier typische Tagesrhythmen eine Rolle spielen. Die großen Spieler am Markt sind Banken, oder besser gesagt, die Angestellten der Banken. Diese machen Ihr Mittag und wer handelt in dieser Zeit? Sind hier eher Trendbewegungen oder Schiebezonen zu erwarten? Was ist mit der allgemein verbreiteten Annahme, dass die amerikanischen Märkte den Ton angeben, die erst um 15.30 Uhr europäischer Zeit eröffnen? Was ist hier für den Dax beispielsweise in der Zeit von vielleicht 12 Uhr (Mittag) bis 15.30 Uhr zu erwarten? Starke Trends oder doch eher ein zusätzlicher Druck auf die Volatilität?

Dies führt mich direkt zu zwei Punkten. Sind viele Handelssignale nun ein Segen oder doch eher ein Fluch? Wie sieht es mit den Tradingkosten aus? 1 Punkt Spread im Dax bei einer Schwankungsbreite von 300 Punkten im Wochenchart macht sich kaum bemerkbar, ganz anders als im Minutenchart zur Mittagszeit, oder? In Relation zu den erwarteten „Gewinnen“ explodieren die Kosten geradezu. Denken Sie einmal darüber nach!.

Ansprechen möchte ich auch noch einen anderen Punkt, nämlich dem Umstand, dass Sie als Trader deutlich weniger Zeit haben, um Ihren nächsten Trade zu planen. Im 1 Minutenchart kann dass Trading schnell dem Abfeuern eines Maschinengewehrs ähneln, bei dem man sich im Nachhinein nach dem Sinn fragen muss. Gleichzeitig erhöht dies natürlich auch das Risiko, emotional sehr in das Trading eingebunden zu werden, wenn man zwischen einzelnen Trades keine Zeit hat, um einen gewissen Abstand zu diesen zu bekommen.

Mit diesen kleinen und bei weitem nicht vollständigen Ausführungen möchte ich Sie ein wenig zum Nachdenken anregen. Ich persönlich würde das Intradaytrading nicht unbedingt empfehlen und schon gar nicht in Zeitfenstern wie dem 1 Minutenchart. Das Risiko ist in diesen Größenordnungen nicht zu unterschätzen und jeder Trader sollte die Vor- und Nachteile genau gegenüber stellen. Vielleicht hilft ja schon allein der Wechsel in einen größeren Zeitrahmen, um seine eigene Performance deutlich zu verbessern und auch wenn Intradaytrading oft als die Krönung des Tradings bezeichnet wird, König ist immer noch der, der am Ende des Jahres ordentliche Gewinne erzielt hat, auch wenn er sich nicht zur „Elite“ der Intradaytrader zählen darf ;-).

In diesem Sinne
Viel Erfolg
Rene Berteit - Technischer Analyst und Tradingcoach bei GodmodeTrader.de

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