DAX - Was also tun ? - Artikel anbei ...

Wir sind im Bärenmarkt, daran besteht wohl kein Zweifel mehr. Jetzt Geld zu verdienen, sollte also relativ einfach sein. Während Aktien fallen, steigen Gold und sichere Staatsanleihen. Aktien (leer)verkaufen, Gold und sichere Staatsanleihen kaufen, so lautet die einfache Zauberformel. Fühlen Sie sich schon reich?

Der Goldchart sieht überzeugend nach einer Blase aus, die jederzeit platzen könnte. Der Bund Future steht bereits so hoch, dass die Renditen ins Negative rutschen und der Aktienmarkt könnte sich doch wieder erholen bzw. jederzeit eine Bärenmarktrally starten. Was also tun? In meinem letzten Artikel habe ich bereits einige behavioristische Aspekte aufgegriffen und möchte diese noch weiter verfeinern (http://www.godmode-trader.de/nachricht/Dax-nach-der-Hoffnung-kommt-die-Erkenntnis,a2633452,b605.html). Neben der Bestimmung der großen Zyklen ist das Timing nicht ganz unwesentlich. Es geht darum, in etwa bestimmen zu können, wo und wann sich ein Hoch oder Tief bildet. Das ist zweifelsohne sehr ambitioniert. Viele Analysten beschäftigen sich seit Jahren mit demselben Basiswert und verwenden lange Argumentationsketten. Dennoch liegen sie oft falsch. Das lässt sich zwangsläufig nicht vermeiden, denn der Markt scheint ja doch zu tun, was er will.

Das Problem solcher Analysen ist oft, dass sie nur auf einem Aspekt beruhen. Meist sind dies Fundamentaldaten. Vollkommen außer Acht gelassen werden allerdings Marktpsychologie und Trends. Behavioristische Konzepte ergänzen Analysen um psychologische Faktoren, sodass neben Fundamentaldaten und Trends auch Verhalten und Stimmung in die Analysen mit einfließen. Wird nur einer dieser Aspekt verwendet, wird damit auch nur etwa ein Drittel der Wahrheit widergespiegelt. Es nutzt nichts in ein fundamental großartiges Unternehmen zu investieren, wenn der Gesamtmarkt massiv fällt („Bei Ebbe sinken alle Boote“). Ist der Trend für den Gesamtmarkt positiv hilft das allein auch nicht, wenn ein Unternehmen bei Hochkonjunktur keine Gewinne erwirtschaftet. Und zu guter letzt geht es um die Psychologie, das Verhalten und vor allem die Stimmung von Marktteilnehmern, die das Timing maßgeblich mitbestimmen.

Ist z.B. die Zeit für eine neue Technologie einfach noch nicht reif, können wir zwar zu zwei Dritteln Recht haben – die Aktie bewegt sich dennoch nicht. Erst wenn aus der Technologie eine Perspektive erwächst, von Investoren entdeckt wird und mit der Zeit immer mehr Anleger in den Markt einsteigen, wird die Aktie eine gute Performance liefern. Erst, wenn es sich um ein Investmentthema handelt, wird die Aktie oder der gesamte Sektor interessant und von Under- zu Outperformance neigen.

Diese Trend- und Stimmungsfaktoren sollen helfen, Dax und Co besser einzuschätzen. Viele Unternehmen erheben daher Sentiments und andere Indikatoren. Der Bull/Bear-Index von Cognitrend ([Link "http://www.cognitrend.de/de/dax.php" auf www.cognitrend.de/... nicht mehr verfügbar]) ist ein Beispiel für einen Indikator für den Dax. Für US Indizes zeigt der erste Chart den Dow Jones, bullische, bärische und neutrale Einschätzungen (http://www.stockmarketsensor.com/p/monthly-chart.html). Es ist zu erkennen, dass das Bull Sentiment eine hohe positive und das Bear Sentiment eine hohe negative Korrelation hat. In Bärenmärkten ist das negative Sentiment aussagekräftiger und in Bullenmärkten das positive. Es sollten allerdings alle drei „Stimmungskurven“ betrachtet werden. Der Extremwert Anfang 2009 von über 90% auf Monatsbasis war ein klarer Indikator dafür, dass die Stimmung nicht mehr viel tiefer sinken konnte. Dies ist essentiell, denn bei einem solchen Extremwert haben beinahe alle Marktteilnehmer, die verkaufen wollten, bereits verkauft. Ebenso erreichte das bullische Sentiment mit 2% einen markanten Extremwert. Wer also noch einen Monat gewartet hätte, hätte durch die weitere Entwicklung einen klaren Hinweis bekommen, dass der Tiefpunkt erreicht wurde. Das Kaufsignal wurde bei ca. 8.000 Punkten im Dow Jones generiert. In dem nun hinter uns liegenden Bullenmarkt war der Hochpunkt schwerer zu erkennen als der Tiefpunkt 2009. Bei wöchentlichen Datenpunkten (hier nicht zu sehen), war der Höchstwert für die Bullen 61%. Das ist nicht gerade ein Extremwert. Am 31.5.2011 war allerdings klar, dass das bullische Sentiment in einen Abwärtstrend geht und das bärische Sentiment seinen Tiefpunkt bereits hinter sich hatte. Wem auch das noch zu vage war, konnte bis Mitte Juli warten, als der Prozentsatz an Bären den der Bullen überstieg. Das Verkaufssignal für den Dow Jones wurde bei 12.200 Punkten erreicht. So konnte immerhin an 65% der 95% des Bullenmarktes partizipiert werden. Weitere, interessante Indikatoren finden Sie unter http://www.market-harmonics.com/tech_chart_descriptions.htm[Link "." auf www.market-harmonics.com/... nicht mehr verfügbar]

Für den Dax gibt es einen so brauchbaren, frei zugänglichen Indikator nicht. Die Börse Stuttgart stellt allerdings das Euwax Sentiment zur Verfügung ([Link "https://www.boerse-stuttgart.de/en/marketandprices/indices/euwaxsentiment/euwaxsentiment-theprivateinvestorindex.html" auf www.boerse-stuttgart.de/... nicht mehr verfügbar]). Die zweite Grafik zeigt den Dax und das Euwax Sentiment. Die negative Korrelation ist beeindruckend. Der Wert des Indikators beruht auf der Einschätzung von Privatanlegern. Die negative Korrelation zeigt eindrucksvoll, dass die Erwartung steigender Kurse ungefähr bei den Tiefs ihren Höhepunkt hat. In groben Zügen heißt das: steigt das Sentiment, fallen die Kurse, sinkt es, steigen sie. Der Kurssturz im Dax am 9.9. ist in dem Sentiment grafisch noch nicht verarbeitet, ist aber an diesem Tag enorm angestiegen. Die Stimmung der Privatanleger kann also hervorragend als Kontraindikator verwendet werden. Es ist also legitim, bei Investitionsentscheidungen auf die Stimmung der Kleinanleger zu achten. Befindet sich diese auf extrem hohem oder tiefem Niveau, bietet dies Anhaltspunkte für den weiteren Kursverlauf.

Verrücken Sie das Sentiment gedanklich (nächste Grafik) nach rechts, kann das Sentiment auch als Vorlaufindikator verwendet werden. Hier wird aus der negativen eine positive Korrelation. Demnach sollte der Dax vor einer Entspannung stehen. Bedenken Sie allerdings, dass es sich dabei um eine Bärenmarktrally handeln dürfte und um keine Trendumkehr. Erreicht der Dax sein Rallyhoch und ist das Sentiment ohne Verschiebung in die Zukunft sehr tief, ist dies ein guter Zeitpunkt um zu verkaufen bzw. leerzuverkaufen. Da der Dax im Wesentlichen dem Dow Jones folgt, kann zur weiteren Verifizierung auch das Sentiment der amerikanischen Indizes herangezogen werden. Steigt dabei das bullische Sentiment von einem relativen Tief an und sinkt das bärische Sentiment von einem relativen Hoch, ist das ein Hinweis für eine kurzfristige Kurserholung.

Soviel zunächst Timing. In dem zuletzt von mir veröffentlichten Artikel zum gleichen Thema habe ich die großen Marktphasen beschrieben, die von der Euphorie zu Hochpunkten bis hin zur Panik bei Tiefpunkten reicht. Diese Phasen fallen natürlich auch nicht vom Himmel. Im Gegenteil, jeder Auf- und Abschwung hat sein spezifisches Thema. Vor der Jahrtausendwende wurden die Märkte von der Internet/Telekomeuphorie in die Höhe getrieben. Das platzen dieser Blase, zusammen mit einem Wirtschaftsabschwung, haben zu einem beachtlichen Kollaps geführt. Bis 2007 gab es eine Immobilien/Finanzmarkteuphorie, von der vor allem Banken profitiert haben. Das platzen dieser Blase führte zu einer Finanzkrise, die die Märkte in historisch hoher Volatilität niederdrückte. Bis Juli 2011 war es der Konjunkturprogramm- und Bankenrettungs-Rausch, der zu Gefühlswallungen führte. Eben dieses führt nun zu einem neuen Bärenmarkt, dessen Thema die (neben der obligatorischen Konjunkturschwäche) Verschuldungskrise ist. Die Tief- und Hochpunkte sind mit Sentiment Analysen gut zu bestimmen. Sie sagen aber nichts über die Dauer solcher Bären- und Bullenmärkte aus. Die genaue, zeitliche Ausdehnung bleibt trotz aller Analysemethoden schwierig. Der Zeitpunkt eines Hochs oder Tiefs ist auch nebensächlich. Wichtig ist, dass sie rechtzeitig erkannt werden. Neben den Sentiments geben auch die Trendzyklen von Investment- und Deinvestmentthemen (Verkaufsthemen) Aufschluss über den weiteren Verlauf.

Die folgende Grafik zeigt den Verlauf solcher Trends. Die schwarzen Beschriftungen zeigen die bereits bekannten Marktphasen. Betrachtet man allerdings ein spezifisches Thema, eine Branche oder ein Unternehmen, zeigen die blauen und grauen Beschriftungen den Weg. Blasen entstehen zunächst auf einer Grundlage, einer Innovation, wie z.B. die Tech Blase. Zu diesem Zeitpunkt handelt es sich um ein ungewöhnliches Investmentthema, das nur von wenigen erkannt wird. Die ersten Smart Money Investoren steigen in den Markt ein. Das Thema wird nach und nach entdeckt und setzt sich bei institutionellen Investoren durch. Zum Schluss erst, wenn Begeisterung entsteht, wird das Thema massiv in den Medien behandelt und Privatinvestoren steigen in den Markt ein. Am Hochpunkt reden alle davon und sind euphorisch. Eine erste Korrektur wird von denen genutzt, die bisher noch nicht im Markt waren, während spätestens jetzt die ersten zwei Investorenkategorien den Markt verlassen. Diese Anzeichen werden leider allzu selten wahrgenommen, bis der Kollaps kommt. Sehr schnell wird das großartige Investmentthema dann zum unerwünschten Thema. Die eigentlich sinnvolle Innovation, die ganz am Anfang stand, wird als Investment nicht mehr angefasst. Es kommt zu einer Untertreibung.

Auf der folgenden Grafik ist dieses Phänomen zu sehen. Die blass grünliche Linie ist der Verlauf des Nasdaq. Der Verlauf des Trendschemas wurde beeindruckend gut nachgezeichnet, inklusive einer ausgedehnten Korrektur als Bärenfalle. Die schwarze Linie ist der Verlauf von Gold, der sich teils genau mit dem Nasdaq deckt. Gold steht derzeit vom Kurs her etwas unter Greed (bzw. Panik in Bezug auf die Aktienmärkte und Schuldenkrise). Es gibt also noch Potential nach oben. Es ist aber darauf zu achten, in welcher Währung. Das Potential dürfte in nächster Zeit eher in Euro vorhanden sein. Erst mit einem markanten Doppeltop nach vorherigen, raschen Kursverlusten von 10-15% dürfte die Goldhausse vorbei sein.

Was hat das jetzt mit Dax und Co zu tun? Das, was im positiven Sinne als Investmentthema gilt, hat auch für Deinvestmentthemen Bestand. Die Bezeichnungen in der folgenden Grafik sind andere (die Eskalation der Schuldenkrise mit Euphorie zu bezeichnen passt einfach nicht). Das Prinzip ist aber das gleiche. Die ersten Anzeichen für die massive Gefahr der Schuldenberge wurde im take off einfach ignoriert, so, wie es einige Zeit braucht, bis eine Innovation angenommen und letztlich zu steigenden Kursen führt. Im Mai und Juni kam es zu einem ersten Sell-off. Noch konnten sich aber die Implikationen nicht durchsetzen. Erst Anfang August ist die Thematik den wichtigsten Marktteilnehmern soweit zur Kenntnis gelangt, dass sie massiv reagiert haben. In dieser Phase wird das Deinvestthema bereits in allen Medien breitgetreten. Über die Schuldenkrise wurde bereits vorher berichtet. Allerdings wurden eher Fakten präsentiert, während seit wenigen Wochen Emotionen verbreitet werden. Die Angst (im Gegensatz zur Freude) führt zu stärkeren Bewegungen als in Aufschwungphasen, die selten, wenn überhaupt, so heftig sind wie die Abschwünge. Generell lässt sich sagen, dass Bärenmärkte heftiger und schneller verlaufen als Bullenmärkte. Übertriebene Anstiege kommen regelmäßig bei Einzelwerten vor, die im Zentrum von Investmentthemen stehen, jedoch selten marktbreit. Bei Kursrückgängen ist das anders. Diese können, wie der Dax auch gerade wieder gezeigt hat, sehr stark und marktbreit sein. Dennoch wird früher oder später eine Erholung eintreten, die dann von der tatsächlichen Eskalation gefolgt wird. Hier geht es nicht mehr nur um Befürchtungen, sondern um Tatsachen. Denkbar dafür sind viele Szenarien, etwa der Austritt eines Landes aus der Eurozone, eine Bankpleite, Neuwahlen in Deutschland usw. Unter hoher Volatilität kommt dann die letzte Phase, die „Wahnvorstellung“. Die Marktphasen sind Panik und Kapitulation und dauern nur kurz an. Alle Investoren sind aus dem Markt draußen, das bärische Sentiment liegt bei über 90%, das bullische nahe 0%. Ein guter Zeitpunkt, um in den Markt einzusteigen, denn der gefühlte Weltuntergang wird nicht kommen. Die Angst ist der wichtigste Kurstreiber und drückt die Kurse solange, bis aus Befürchtungen Tatsachen geworden sind (und vielleicht ein bisschen darüber hinaus). Danach wird wieder ein Investmentthema gefunden und die Kurse werden wieder steigen, auch wenn das nicht sofort alle wahrhaben wollen (denial).

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, in dem Kurserholungen für den Aufbau von Shortpositionen genutzt werden können. Gold und sichere Staatsanleihen befinden sich in der Phase des Enthusiasmus. Es gibt also noch Potential nach oben. Es muss jedoch jedem Anleger bewusst sein, dass es sich um eine Blase handelt. Wann diese platzt hängt ganz davon ab, wann und wie die Schuldenkrise überwunden wird. Das kann noch Monate dauern. Es kann aber auch sein, dass im größten Chaos und in der größten Panik kein Ausweg mehr gesehen wird, als einen empfindlichen Schuldenschnitt durchzuführen. Dann wäre die Katze aus dem Sack und die Märkte könnten von neuem beginnen. Gold und Anleihen verlören schnell an Attraktivität. Derzeit scheint die Hoffnung, der Markt könnte noch einmal drehen, vollkommen unbegründet.

Bedenken Sie, dass ich in diesem Artikel auf behavioristische Konzepte eingegangen bin und dies nur einen Teil einer Analyse darstellen sollte. Das mittelfristige Sentiment deutet auf weiter fallende Kurse hin. Das kurzfristige Sentiment lässt hingegen eine Erholung zu. Der Trend und die Fundamentaldaten untermauern dies nicht. Generell ist es also noch nicht zu spät, Shortpositionen einzugehen. Kann der Dax bei ca. 5.100 Punkten eine Erholung starten, ist das Reverse Discount Zertifikat DE000SG1TFH3 mit der Laufzeit bis 14.12.11 eine Überlegung wert. Mit Reverse Discount Zertifikaten setzen Anleger auf fallende Kurse. Der Kursverlauf des Zertifikats spiegelt den Verlauf des Basiswerts wider, wobei das Zertifikat etwas weniger steigt oder fällt als der Dax. Das Cap des Scheins ist bei 5.000 Punkten. Erreicht der Dax das Cap zu Laufzeitende, wird das Zertifikat mit 70 Euro ausbezahlt. Der Kauf dieses Scheins macht Sinn, wenn der Dax bei ca. 5.100 Punkten eine Erholung starten kann. Diese sollte in den Bereich 5.500-5.750 reichen. In diesem Bereich befindet sich die Kaufgelegenheit. Nimmt der Dax seinen Abwärtstrend danach wieder auf, beträgt die maximale Rendite 10-15%. Fällt der Dax vor Laufzeitende unter 5.000 Punkte, kann der Schein knapp unterhalb der Maximalrendite verkauft werden. Steigt der Dax wider Erwarten nachhaltig über 5.750 Punkte an, treten Verluste im Ausmaß der Kursgewinne des Dax auf. Ein Stop Loss bietet sich im Bereich 6.000 Punkte an.

Bitte beachten Sie wie immer die Risikofaktoren, vor allem das Emittentenrisiko. Das hier vorgestellte Investmentszenario kann Ihre persönliche Einschätzung nicht ersetzen.

Viel Erfolg

Clemens Schmale