"Realwirtschaft sind die Muskeln der Wirtschaft. Aber das Finanzsystem ist wie das Blut, das durch die Muskeln fließt"

Interview anbei : http://www.faz.net/s/Rub3ADB8A210E754E748F42960CC7349BDF/Doc~EBE43A6C8B417457CA3A219F3AD17B55B~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Die französische Finanzministerin sagt: Wenn die Deutschen nicht so viel sparten, hätten die anderen Länder es leichter.

Nein. Solange Griechenland zu viel ausgibt, hilft es dem Land nichts, wenn Deutschland weniger spart. Nehmen wir mal an, ich wäre zu dick. Dann muss ich mehr Sport treiben - aber es bringt mir nichts, wenn Sie mehr essen. An der Kritik der Ministerin ist für mich ein anderer Punkt wichtig. Dabei geht es um die Welt als Ganze: Die Welt insgesamt käme leichter aus der Rezession, wenn Länder wie Deutschland oder China mehr Geld ausgeben würden.

Die Deutschen zahlen jetzt erst mal für die Rettung anderer europäischer Staaten - wer weiß, ob das je aufhört.

Es könnte passieren, dass die Währungsunion zu einer Transferunion wird. Wenn die schwachen Länder Probleme haben und alle sich Sorgen um den Euro machen, wird das schnell von einer wirtschaftlichen zu einer politischen Frage. Schließlich ist es nicht gut für Europa, wenn Länder wie Griechenland zusammenbrechen. Deshalb wird man in solchen Situationen zu Transfers, zu Geldzahlungen, gezwungen. Zumal die Franzosen gerne deutsches Geld ausgeben. Damit so eine Situation nicht eintritt, muss man zurück zum Maastricht-Vertrag.

. . . der hat eine Drei-Prozent-Obergrenze für das Staatsdefizit festgeschrieben. Das hat nichts gebracht. Braucht man jetzt eine europäische Wirtschaftsregierung?

Es waren Frankreich und Deutschland, die den Vertrag zuerst verletzten. Das waren zwar keine großen Übertretungen, aber sie hätten es besser nicht getan. Im Prinzip reicht es, wenn man die Staatshaushalte angleicht. Man braucht keine allgemeine Überwachung der Wirtschaftspolitik. Die Franzosen hätten das gerne, weil sie eine Regierung für ganz Europa wollen. So ähnlich ist das auch bei der Regulierung der Finanzmärkte. Jetzt wollen sie eine Tobin-Steuer.