Wird Dr. Copper manipuliert?

    Der Preis für Kupfer ist auch als „Dr. Copper“ bekannt, da er ein verlässlicher Seismograph für die Entwicklung der Weltwirtschaft ist. Steigt Kupfer, geht es aufwärts, fällt Kupfer, stehen magere Zeiten an. Neue Nachrichten an der LME lassen jedoch an der Genauigkeit dieses Indikators zweifeln.

    Das „Wall Street Journal“ berichtet, dass ein einzelner Händler eine unglaubliche Menge von 177,875 Tonnen Kupfer im Wert von 1,5 Milliarden Dollar gekauft hat. Die Londoner Metallbörse LME hat eigene Lager und weist wöchentliche Statistiken über die Positionierung einzelner Marktteilnehmer aus. Erstmals wurde die große Position am 23. November bekannt. In dem Bericht hieß es, dass ein einzelner Händler 50% bis 80% der LME-Lagerbestände halten könnte. Die Identität des Händlers hielt die LME geheim, wie sie es generell für alle Marktteilnehmer tut.

    Seither kocht die Gerüchteküche – wer könnte der mysteriöse Kupferhändler sein? Die Spekulationen konzentrieren sich auf die bald geplanten ETFs, die mit echtem Kupfer besichert werden sollen. Die meisten Lagerbestände der LME sind in den USA - New Orleans hält 126,950 Tonnen und St. Louis 95,825 Tonnen. Insgesamt lagern bei der LME 355,750 Tonnen, weltweit sind es 620,000 Tonnen (Im Rohstoff-Report, den Sie hier kostenlos abonnieren können) veröffentlichen wir zweiwöchentlich Charts, die die Veränderungen der LME-Lagerbestände zeigen).

    Die LME hat bestimmte Regeln zur Kontrolle dominanter Marktpositionen. Händler mit großen Positionen werden zum Beispiel gezwungen, das Metall dem Markt zur Verfügung zu stellen – zu Gebühren, deren Obergrenzen von der LME vorgegeben werden und unattraktiv sind. Dennoch scheint die Position die Preise zu beeinflussen. Kupfer gewann seit dem Bekanntwerden der großen Position vom 23. November bis heute um über 8%, obwohl der US-Dollar gemessen am Dollar Index in der Spitze um 5% nach oben sprang. Ein starker Dollar schwächt normalerweise die Kupferpreise. Außerdem notiert Kupfer an der LME jetzt in Backwardation – Kupfer für kurzfristige Lieferung ist also teurer, als Kupfer für Lieferungen, die weiter in der Zukunft liegen. Die Prämie für kurzfristige Lieferungen im Dezember war am Dienstag 89 Dollar teurer als für Lieferungen in drei Monaten. Das ist das Doppelte der Vorwoche.

    Die Kupferindustrie bereitet sich seit Wochen auf eine Angebotsverknappung vor, da drei unabhängige Investmentgesellschaften angekündigt haben, physisch besicherte ETFs an den Markt bringen zu wollen. J.P. Morgan Chase bringt den Physical Copper Trust mit anfangs 61,800 Tonnen Kupfer, während BlackRock den iShares Copper Trust mit 121,200 Tonnen Kupfer bringen wird. ETF Securities legt auch ein physisch besichertes Produkt auf, hat aber noch nicht spezifiziert, wie viel Kupfer dort anfangs hinterlegt sein wird.