Ein Politikum

Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling denken sich wohl auch die Ölhändler in New York und kaufen das schwarze Gold seit Wochenbeginn wieder hoch, nachdem WTI in der letzten Woche um 20 Dollar von 114,83 auf 94,63 Dollar gefallen war. Ob es das war bleibt abzuwarten.

Eine interessante Story könnte die Trans Alaska Pipeline werden. Sie liefert 11% des Öls der USA. Einmal waren es 2 Millionen Barrels, die täglich durch die Öltrasse flossen. Heute ist es weniger als ein Drittel dieser Menge, da das größte Ölfeld der USA, das die Pipeline speist, versiegt. Das heiße Öl, das anfangs in die Pipeline fließt, kam einst am Abnahmeort noch mit 35 Grad Celsius an, was eine gewisse Durchflussgeschwindigkeit garantierte. Da heute nur noch ein Drittel des Öls durch die Pipeline fließt, wie damals, kommt das Öl teilweise mit nur noch 4 Grad Celsius am Abnahmepunkt an. Es fließt dadurch auch viel langsamer, was Korrosion und Schäden an der Pipeline Vorschub leistet.

Die Frage ist jetzt: Soll die Pipeline stillgelegt werden oder, Möglichkeit 2: Soll im Naturschutzgebiet in Alaska nach neuem Öl gebohrt werden, um die milliardenschwere Pipeline nicht stilllegen zu müssen und wieder mit mehr Öl zu füttern? Eine Stilllegung der Pipeline würde sicherlich dazu führen, dass WTI teurer wird, und auch, dass Benzin teurer wird, was ein Unding wäre, jetzt, wo die Gallone in vielen Bundesstaaten schon über 4 Dollar kostet.

Umweltschützer bringen den Vorwurf vor, dass die Ölkonzerne die Pipeline als politische Waffe benutzen würden, um die Bohrerlaubnis in Alaska zu bekommen. Shells Vorstand für Alaska, Peter Slaiby, bezeichnet die Pipeline als "strategisches Aktivum". Sollte die Leitung stillgelegt werden, muss sie per Gesetz auch abgeschraubt werden. 70.000 Menschen bauten drei Jahre lang an der Pipeline, die in 1970er Dollars 8 Milliarden Dollar kostete. Seit Juni 1977 liefert die Leitung Öl, doch immer weniger. Die Gewinne gehen zurück für Alyeska, ein Unternehmen, das von BP, Exxon Mobil, ConocoPhillips, Chevron Corp. und Koch Industries betrieben wird. 1988 noch beförderte die Leitung 3% des weltweiten Öls. Pro Jahr geht die Menge, die durch die Leitung strömt, um 6% zurück.