Die Sache ist besiegelt: ProSiebenSat.1 hat den Nachrichtensender N24 an Geschäftsführer Torsten Rossmann und Ex-"Spiegel"-Chef Stefan Aust verkauft.

Die Freude bei allen Beteiligten über den Verkauf von N24 ist groß. P7S1-Chef Thomas Ebeling ist das defizitäre Nachrichtengeschäft los, Vorstand Andreas Bartl sieht ein "klares Bekenntnis zur publizistischen Relevanz", und Stefan Aust als neuer Mitgesellschafter darf auch Teile seines Projektes "Die Woche" einbringen. Für die Nachrichtenproduktion stehen laut Plan 30 Mio Euro im Jahr zur Verfügung.

In einer Telefonkonferenz erläuterten die alten und die neuen Besitzer, wie es mit N24 und den Nachrichten in der Sendergruppe P7S1 weitergehen soll. Denn mit dem Nachrichtengeschäft machte die Gruppe bisher ein Minus von 50 Mio Euro im Jahr. Nun reduziere sich diese Summe auf 25 Mio Euro, so Thomas Ebeling. N24 selber, betonte er, sei jedoch nicht defizitär gewesen.

2012 woll N24 profitabel sein
Doch zunächst wird N24 durch den Verkauf und anstehende Restrukturierungen in die roten Zahlen kommen. 2012 soll der Nachrichtensender dann profitabel arbeiten, sagte Geschäftsführer Torsten Rossmann. Stefan Aust und er selber seien beide mit eigenem Geld beteiligt, so der Geschäftsführer. Wie die neuen Gesellschafter den Deal finanziert haben, wollte er jedoch nicht im Detail erklären, ebensowenig wie die exakten Gesellschafterverhältnisse.

Wie soll N24 künftig als eigenständiger und unabhängiger Sender bestehen? Langfristige Verträge über die Nachrichtenproduktion für die Sendergruppe P7S1 sichern zunächst ein ordentliches Grundrauschen. Das Budget für Nachrichten liege bei 30 Mio Euro im Jahr, einen Hauptteil von ca. 25 Mio steuert der ehemalige Besitzer bei. Das sei die Hälfte des bisherigen zur Verfügung stehenden Budgets für Nachrichten. Die Verträge mit P7S1 laufen zunächst über sieben Jahre, die mit der Produktionsgesellschaft Maz&More über viereinhalb Jahre.

Neues Format für Sat.1, neuer Vermarkter

Für Sat.1 wird der Sender ein neues wöchentliches Format produzieren, das Anfang 2011 starten soll. Ob die Sendung eher politisch sein wird oder boulevardesk - noch offen. In Eigenregie will N24 bis zu 50 Reportagen pro Jahr produzieren, die dann entsprechend vermarktet und weiterverkauft werden. Stefan Aust und dessen Partner Thorsten Pollfuß sollen sich vor allem um das Neugeschäft kümmern und Aufträge an Land ziehen. "Eine gewaltige Chance", sagte Aust.

Der Nachrichtensender steigt zum Jahresende aus der Vermarktung durch SevenOne Media aus. Ein Sender wie N24 benötige eine andere Vermarktung als ein großer Unterhaltungssender, sagte Rossmann. Man spreche derzeit mit möglichen neuen Vermarktungspartnern.

72 Stellen werden insgesamt im Sender abgebaut - weniger als gedacht, sagte Rossmann. Ab 2012 wolle man wieder neue Stellen schaffen. Die Positionierung des Senders bleibe trotz des Personalabbaus bestehen. In der Tendenz wolle man politischer werden. "N24 ist der einzige überregionale politische Sender in der Hauptstadt", nannte Stefan Aust einen Vorteil aus seiner Sicht. Dennoch, bekannte sein Kompagnon Rossmann, werde man vermutlich weniger eigene Drehs vor Ort haben und in Summe mehr auf Agenturmaterial zurückgreifen. Bekannte Senderköpfe wie der Moderator Michel Friedmann sollen an Bord bleiben.

Aust bringt "Die Woche" ein
Auch das von WAZ-Gruppe und der Axel Springer AG abgelehnte multimediale Projekt "Die Woche" von Stefan Aust wird möglicherweise in N24 eingebracht. Er wolle "Die Woche" in das neue Unternehmen "einbeziehen", sagte Aust. Bei der "Woche" handele es sich um ein Hybridkonzept aus Print, Online und TV. "Wir arbeiten an der Neuentwicklung des Internet-TV", kündigte Aust an. "Das ist eine riesengroße Aufgabe und Chance".

Das Projekt, das ursprünglich die WAZ-Gruppe in Auftrag gegeben hatte, darf Aust weiterverwerten, weil die WAZ auf eine Realisierung verzichtet hatte. Die Rechte für das Konzept lägen bei ihm, sagte Aust. Über diese Tatsache hatte sich unlängst WAZ-Mann Günther Grotkamp mokiert.

Für N24 interessierten sich laut Thomas Ebeling ewa 15 Investoren. Mit fünf Interessenten habe man Gespräche geführt. Die Verhandlungen mit der Sendergruppe nannte Torsten Rosmmann "lang, intensiv und teilweise schwierig".

Dafür bekommt er nun eine einzigartige Chance und vermutlich auf mittelfristige Sicht eine kleine Geldmaschine an die Hand. Die langfristigen Verträge mit P7S1 und ausgeprägtes Kostenbewusstsein der Beteiligten dürften das Unternehmen N24 mit Sicherheit zu einem Erfolg machen.

Quelle : http://kress.de/tagesdienst/detail/beitrag/104652-aust-bringt-magazinprojekt-in-n24-ein-30-mio-euro-fuer-nachrichten.html

Verkauft! - N24 geht an Rossmann und Aust

Die Sache ist besiegelt: ProSiebenSat.1 hat den Nachrichtensender N24 an Geschäftsführer Torsten Rossmann und Ex-"Spiegel"-Chef Stefan Aust verkauft. Der Deal umfasst auch die Produktionsgesellschaft Maz & More. Gleichzeitig wurde ein Nachrichten-Liefervertrag bis 2016 unterzeichnet, die neuen N24-Eigner werden die P7S1-Sender ProSieben, Sat.1 und kabel eins mit News beliefern.

An der neuen N24 Media GmbH ist auch Austs TV-Partner Thorsten Pollfuß beteiligt, der gemeinsam mit Aust die Produktionsfirma Agenda Media führt. Das Unternehmen wird bis mindestens Mitte 2014 auch das "Sat.1 Frühstücksfernsehen" und das "Sat.1 Magazin" produzieren.

Keine Angaben machte die Sendergruppe über den Verkaufspreis. In Berlin wurde zuletzt über eine Summe von 60 Mio Euro gemunkelt. Da N24 weiter Nachrichtenlieferant bleibt, wird der reine Preis nicht aussagekräftig genug für die Bewertung des Senders sein. Springer-Chef Mathias Döpfner hatte im Frühjahr bei der Jahrespressekonferenz des Medienkonzerns gesagt, die Konditionen von ProSiebenSat.1 hätten die die Axel Springer AG "nicht überzeugt".

P7S1-Boss Thomas Ebeling sagt zu dem Management-Buy-Out: "Durch langjährige Verträge bietet ProSiebenSat.1 ihnen (Rossmann, Aust, Pollfuß) die notwendige Stabilität, damit N24 Media sich in Berlin als neuer unabhängiger Informations-Dienstleister etablieren kann. Gleichzeitig sichert die Vertragsvereinbarung langfristig die Versorgung unserer Sender-Gruppe mit qualitativ hochwertigen Nachrichtenformaten. Mit diesem Modell haben wir eine publizistisch und wirtschaftlich solide Basis für unsere Nachrichten gefunden. Diese Lösung ist für unsere Sender, für unsere Zuschauer und die Mitarbeiter von N24 ein sehr gutes Ergebnis." Am Umfang der Nachrichtenangebote bei den P7S1-Sendern werde sich nichts ändern, so der Konzern.

Restrukturierungen und Stellenabbau

Die neuen N24-Eigner kündigen für das zweite Halbjahr 2010 "Restrukturierungen" an. Dazu zählt auch ein Personalabbau: Von den ursprünglich geplanten 239 Vollzeitstellen für 2010 werden letztlich nur 217 übrig bleiben - beim Sender nur 141 Stellen. Viele Stellen fielen durch Fluktuation und den Verzicht auf Nachbesetzungen weg, weitere 72 sollen durch Vertragsaufhebungen und Kündigungen verschwinden, so das Unternehmen. Der bereits im März unterzeichnete Sozialplan werde die Maßnahmen "abfedern". Maz & More ist nicht von den Restrukturierungsmaßnahmen betroffen.

N24-Chefredakteur und Sat.1-Ankermann Peter Limbourg wechselt im Rahmen des MBOs als Senior Vice President Nachrichten & politische Information zu P7S1. Daneben moderiert er weiterhin die Sat.1-Hauptnachrichten. Auch die anderen Nachrichtenmoderatoren werden künftig bei den Sendern angestellt sein.

Die operative Geschäftsführung von N24 Media übernimmt Rossmann, weitere Geschäftsführer sind Frank Meißner (Produktion und Technik), Karsten Wiest (Finanzen) und Aust (New Business). Rossman und Aust halten je 26% an der GmbH, Meißner, Wiest, Maria von Borcke und Pollfuß je 12%.

Der Sender N24 soll sein Programmschema weitgehend beibehalten, wird aber verstärkt auf Politikberichterstatung gemünzt. Es sollen Dokumenationen, Reportagen, Magazine und Talks dazu kommen, ein Teil der bestehenden Magazine soll entfallen. Bis zum vierten Quartal will N24 Media ein eigenes Videojournalisten-Netzwerk aufbauen und plant dafür 13 neue Stellen. Neuer Chefredakteur wird Arne Teetz, bislang Limbourgs Stellvertreter.

P7S1 erwartet jährliches Ebitda-Plus von 25 Mio Euro

Die Veräußerung von N24 wird P7S1 nach eigenen Angaben rund 41 Mio Euro kosten, dazu fallen Abschreibungen auf Anlagegüter in Höhe von etwa 12 Mio Euro an. Diese Effekte werden als Einmalaufwendungen in der Abrechnung des zweiten Quartals 2010 erfasst. Insgesamt rechnet P7S1 dank der Transaktion aber mit einer Verbesserung des Konzern-Ebitda ab 2011: in einer jährlichen Größenordnung von über 25 Mio Euro.

Zur Erinnerung: Ende 2009 äußerte Ebeling zum ersten Mal seinen Unmut über die miesen Geschäfte bei N24 und kündigte eine Schrumpfkur an (kress.de vom 21. November 2009). Dagegen wehrten sich Mitarbeiter und Vertreter der Politik. Ein MBO durch Rossmann mit Unterstützung von Aust kam Anfang 2010 ins Gespräch, aber auch die ddp-Eigner Martin Vorderwülbecke und Peter Löw, sowie der Münchner Produzent und frühere Kirch-Manager Jan Mojto sollen unter den Bietern gewesen sein. Zuletzt soll Filmproduzent Dimitri Lesnewski (Das Vierte) den VPRT-Präsidenten Jürgen Doetz als Schützenhelfer für eine mögliche Übernahme des Nachrichtensenders angeworben haben (kress.de vom 12. April 2010). Trotz allem blieb bis zuletzt auch die Möglichkeit offen, dass P7S1 an N24 fest hält.

Die hoch verschuldete ProSiebenSat.1 Media AG ist mehrheitlich im Besitz der Finanzinvestoren Permira und KKR. Ende 2006 gingen die Anteile des Investors Haim Saban an der TV-Gruppe für geschätzte 3 Mrd Euro über den Tisch. Da wird der N24-Verkauf nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein. Doch das Ebeling lästige weil defizitäre Nachrichtengeschäft ist nun baldaus der Bilanz verschwunden.

Quelle : http://kress.de/tagesdienst/detail/beitrag/104604-verkauft-n24-geht-an-rossmann-und-aust.html