"Ich bin jetzt seit mehr als 40 Jahren im Geschäft, aber an eine solch komplizierte Situation kann ich mich nicht erinnern."

Und wie agieren Sie anlagetechnisch ? Wie ernst ist die Lage ? Wie soll der Anleger auf die extremen Marktphasen reagieren ? Selbst langjährig erfahrene Marktveterane haben große Schwierigkeiten die Lage einzuschätzen.

Dr. Jens Ehrhardt in einem Interview mit Börse Online: "Ganz ehrlich: Ich bin jetzt seit mehr als 40 Jahren im Geschäft, aber an eine solch komplizierte Situation kann ich mich nicht erinnern. Sicher, auch der Absturz des Jahres 1987 war ein Schock. Aber aktuell machen wir aus meiner Sicht die schwerste und intransparenteste Börsenphase durch, die wir während meiner Laufbahn je hatten."

Der bekannte schweizer Vermögensverwalter und ehemals UBS Fondsmanager Felix Zulauf in einem WIWO Interview: "Im Prinzip kann man in diesem Umfeld nur spekulieren oder versuchen, das Geld irgendwie zu sichern. Etwas anderes gibt es nicht mehr. Eine vernünftige Anlagepolitik, wie sie vor 15, 20, 25 Jahren noch möglich war, funktioniert heute nicht mehr. Wir leben in einem Umfeld, das hat es so in den letzten 70 Jahren nicht mehr gegeben."

David Tepper von dem US Hegdefunds Appaloosa Management hat in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres massiv Aktien aus dem US Bankensektor abgestoßen. Darüberhinaus berichten US Medien, dass er hohe Cashbestände aufgebaut habe. Tepper ist ein ganz großer Name in der Branche.

Auch der Hedgefundsgigant George Soros (er selbst managt den Fonds nicht mehr) soll seit Juni dieses Jahres zu 75% in cash sein.

John Paulson steht mit seinem Advantage fund in diesem Jahr bisher ca. 21% und mit dem Advantage fund plus ca. 31% im Verlust.

Whitney Tilsons T2 Partners Hedgefunds hat es ebenfalls ordentlich zerrupft; seit Jahresanfang liegt er mit 21% im Minus.

Ray Dalio hingegen, Chef des weltgrößten Hedgefunds Bridgewater, soll Medienberichten zufolge eine YTD Performance von zuletzt +30% haben. Sein Fonds soll zu dem Zeitpunkt stark gestiegen sein als Mitte dieses Jahres die Bankaktienkurse einbrachen; er dürfte short gewesen sein oder noch sein.

Dan Loebs Hedgefunds Third Point weist seit Jahresbeginn eine Performance von 3,9% auf. Nicht schlecht angesichts der Kurskapriolen.

Der volumenstarke Carmignac Patrimoine A Fonds des französischen Star-Vermögensverwalters Edouard Carmignac dürfte dem äußeren Erscheinungsbild zufolge ab Juni stark in Anleihen gegangen sein; mit dem Ende von QE2.0 war ein Wechsel in Bonds genau das Richtige. Der Fonds verliert seit Jahresanfang 1,98%. Der Carmignac Investissement Fonds verliert bis dato 9,14%.

Sie sehen es. Buffett ist eigenen Angaben zufolge schon längst auf der Käuferseite, engagiert sich außerdem bereits mit 5 Mrd. $ in der Bank of America. Mark Moebius von Templeton Investments berichtet ebenfalls, dass er auf der Käuferseite sei. Beides sind langfristige Investoren, aber keine mittelfristigen Timer.

Hedgefunds sind eher mittelfristig ausgerichtet. Sie scheinen noch zu warten. Das zeigen die hohen Cashbestände an. Auf der anderen Seite könnten hohe Cashbestände auch bedeuten, dass diese Player den Markt deflationär einschätzen.