Die Kurszielbemessung bei Ausbrüchen aus Handelsspannen basiert auf einem ähnlichen Prinzip wie die Trendlinien-Differenz-Methode, mit dem Unterschied, dass man sich bei der Kurszielbemessung nicht an Trendbewegungen orientiert, sondern an der Schwankungsbreite einer Seitwärtsbewegung oder einer Korrekturformation (Top- und Bodenbildungsphasen). Der Markt sollte sich für mehrere Tage oder Wochen dort stabilisiert haben.

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Die Handelsspanne zwischen der oberen und unteren Begrenzung der Seitwärtsbewegung stellt das Kurspotenzial des nächsten Ausbruchs dar, sei es ein Ausbruch nach unten oder ein Ausbruch nach oben. Zu beachten ist, dass die obere beziehungsweise untere Begrenzung erst nachhaltig durchbrochen werden muss und es teilweise zu Rücksetzern kommt, welche die durchbrochenen Begrenzungen des Seitwärtsmarktes gemäß dem Prinzip des Rollentausches von Unterstützung und Widerstand bestätigen, bevor der Kurs wieder die Richtung aufnimmt, die er nach dem Ausbruch eingeschlagen hat. In der nachfolgenden Abbildung 1 sehen Sie ein Beispiel für eine Projektion bei Ausbrüchen aus Handelsspannen.

Abbildung 1

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Im Chart sehen Sie, wie sich im März 2012 eine Seitwärtszone im Dow Jones ausgebildet hat, die der Index zu Beginn des Aprils nach unten auflöste. Das Kursziel aus der Range wurde erreicht, ehe der Dow Jones in der Folge wieder auf ein neues Hoch anstieg.

Auch bei dieser Methode gilt, dass Kursziele nicht immer erreicht werden müssen. Öfter jedoch stellen Preisprojektionen dieser Art Minimalziele dar, die überschritten werden. Im Allgemeinen funktionieren Kurszielbemessungen bei Ausbrüchen aus Handelsspannen gut. In unserem Beispiel, in dem das tatsächliche Kursziel noch viel weiter führt als das ermittelte Kursziel, soll vor allem zum Ausdruck gebracht werden, dass der Anleger mit dieser simplen Methode der Kurszielbemessung ein recht hohes Gewinnpotenzial nach dem Ausbruch aus dem langen Seitwärtsmarkt nutzen konnte.

Abschließend sei festgehalten, dass die Signifikanz und die Zuverlässigkeit eines Ausbruchs aus einer Handelsspanne durch folgende Faktoren erhöht werden:

  1. Dauer der Handelsspanne. Je länger eine Handelsspanne andauert, desto signifikanter ist ein anschließender Ausbruch.
  2. Bestätigung des Ausbruchs. Aufgrund des hohen Zulaufs, den die Technische Analyse in den letzten Jahren erfahren hat, existieren immer mehr Marktakteure, die sämtlichen Ausbrüchen „blind" folgen. Oftmals ist es dann so, dass der Kurs nur einen kleinen Ausbruch vollzieht, dann aber wieder in die Handelsspanne zurückkehrt. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass Stop-Orders oft knapp außerhalb der Begrenzung einer Handelsspanne platziert werden. Folglich kann eine Bewegung knapp außerhalb der Handelsspanne eine Serie von Stop-Orders auslösen. Sind diese Orders einmal alle ausgeführt, schlägt der Ausbruch fehl, falls nicht weitere unterstützende Orders in den Markt kommen. In diesem Zusammenhang spricht der Chartist auch von Fehlsignalen, siehe dazu auch die gleichnamige Lektion, in der die Hintergründe von falschen Ausbrüchen näher erläutert werden. Um Fehlsignale zu vermeiden, sollten Sie eine Bestätigung des Ausbruchs abwarten. Diese Bestätigung kann zum Beispiel entstehen, wenn der Kurs auch am fünften Tag nach dem Ausbruch noch außerhalb der Handelsspanne notiert. Andere Bestätigungsarten sehen eine prozentuale Verletzung der Handelsspanne vor, zum Beispiel ein Verlassen der Handelsspannen-Begrenzung um fünf Prozent in einem Markt mit Tages-Intervall. Prüfen Sie für sich verschiedene Arten der Bestätigung, es lohnt sich. Obwohl das Warten auf eine Bestätigung des Ausbruchs eine schlechtere Ausführung mit sich bringt, hilft es andererseits falsche Ausbrüche zu vermeiden.