Prinzipien der Volumen-Interpretation

Das Volumen ist im Gegensatz zu den meisten Indikatoren der Technischen Analyse, die vom Preis abhängig sind, eine unabhängige Variable. Gerade aus diesem Grunde kann die Interpretation des Volumens sehr nützlich bei der Bestätigung einer Preisbewegung sein. In dieser Lektion wollen wir uns die Prinzipien der Volumen-Interpretation einmal genauer ansehen.

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Zuerst einmal ist es wichtig zu verstehen, dass es immer ein Gleichgewicht zwischen Käufern und Verkäufern gibt, weil die Menge eines verkauften Wertpapiers immer identisch mit der Menge ist, die gekauft wurde. Was die Preise bewegt, ist die Stimmung der Käufer und Verkäufer. Die Stimmung, die sich mehr in den Transaktionen niederschlägt, wird den Trend dominieren.

Das Volumen wird in Charts in Histogramm-Form unterhalb des Preises angezeigt. Es gibt verschiedene Prinzipien, die man für die Interpretation des Volumens heranzieht, aber bevor wir anfangen zu analysieren, ist es wichtig zu verstehen, dass - wenn wir über Veränderungen im Volumenlevel sprechen - wir uns auf Volumenveränderungen relativ zu der jüngsten Vergangenheit beziehen. Volumenveränderungen verschiedener Jahrzehnte miteinander zu vergleichen, macht im Allgemeinen keinen Sinn, denn es werden heute weitaus mehr Aktien gelistet als das zum Beispiel in den 50er Jahren der Fall war. Zum anderen ist die Handelsaktivität aufgrund der heutzutage getätigten Arbitrage-Transaktionen nicht vergleichbar mit früheren Zeiträumen. Das soll uns aber nicht davon abhalten, das Volumen von heute mit dem Volumen von vor beispielsweise vier Wochen miteinander zu vergleichen.

Das Volumen sollte mit dem Trend gehen

Wenn die Preise steigen, steigt das Volumen in der Regel. Wenn die Preise fallen, sinkt das Volumen typischerweise, wie in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung 1

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Abbildung 2 zeigt, dass wir immer den Gesamttrend des Volumens meinen, wenn wir ein steigendes oder sinkendes Volumen analysieren. Niemals werden beispielsweise die benachbarten Volumenbalken eines beliebigen Intervalls miteinander verglichen. Immer nur Volumentrends.

Abbildung 2

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Der Aufwärtspfeil zeigt einen expandierenden Volumentrend. Innerhalb dieses Volumentrends existieren jedoch auch einzelne Volumenbalken, in denen das Volumen unter dem Volumen der sie umgebenden Volumenbalken liegt (gekennzeichnet durch die beiden Abwärtspfeile).

Abbildung 3

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Wenn die Preise steigen und das Volumen steigt, verrät uns diese Marktaktivität nicht viel. Das Volumen zeigt in der Verbindung mit der Trendanalyse lediglich an, dass es sich um einen normalen Zustand eines gesunden Aufwärtstrends handelt. Falls aber die Preise steigen sollten und der Volumentrend abwärts gerichtet sein sollte, wie in Abbildung 3 bei der Aktie von K+S dargestellt, dann ist das abnorm.

In Abbildung 3 sehen sie eine Konstellation, in welcher der sinkende Volumentrend vor der Dauerhaftigkeit des Aufwärtstrends warnt. Mit anderen Worten: Der Aufwärtstrend ist in Gefahr. Wie sollte man den sinkenden Volumentrend in solch einer Situation steigender Preise bewerten? Es ist recht simpel. Denn in solch einer Konstellation werden die Preise mehr durch einen Mangel an Verkäufern getrieben oder sagen wir „künstlich aufgepumpt",

als dass sie durch einen zunehmenden Kaufdruck neuer und aggressiver Käufer getragen werden.

Abbildung 4

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Teilweise sind es Bärenmarkt-Rallys, die mit einen sinkenden Volumentrend

einhergehen. In Abbildung 4 wird der Zustand schematisch dargestellt: Das Volumen bildet sich zurück, während der Markt eine Bärenmarkt -Rally bildet.

Nicht nur ein sinkendes Volumen bei steigenden Preisen ist abnorm. Ebenso ist es der umgekehrte Fall, nämlich dann, wenn die Preise sinken und das Volumen gleichzeitig steigt. Denn wir müssen uns vor Augen halten: In einem gesunden Markt sinken Preise und Volumen zusammen. Das passiert vor allem aufgrund eines mangelnden Kaufdrucks und weniger aufgrund eines dominanten Verkaufsdrucks. Falls aber die Preise fallen und das Volumen steigen sollte, gibt dieser Zustand wiederum Auskunft darüber, dass Verkaufsdruck vorherrscht, weil die Verkäufer mehr Verkaufsdruck entwickeln als die Käufer Kaufdruck zu entwickeln vermögen. Ein solcher Zustand spricht für weiter fallende Preise.

Abbildung 5

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In diesem Zusammenhang zeigt uns Abbildung 5 anhand eines praktischen Beispiels, wie das Volumen beginnt anzuziehen, während der Preis anfängt zu fallen. Eine solche Konstellation ist bearish.

Die beschriebene Konstellation von fallenden Preisen bei gleichzeitig anziehendem Volumen ist dahingehend zu interpretieren, dass die Verkäufer ängstlich werden und verkaufen. Fallende Preise weisen zusätzlich darauf hin, dass es nicht genügend Käufer gibt, die mit ihrer positiven Stimmung für entsprechenden Kaufdruck und damit für eine Umkehr des Preises sorgen können.

Starke Aufwärtsbewegungen: Das Volumen als Vorreiter für den Preis

Jawohl, Sie haben richtig gelesen. In starken Aufwärtsbewegungen, wie zum Beispiel einer Rally, führt das Volumen den Preis an. In solchen Konstellationen ist es normal, dass ein Hoch im Volumen einem Preishoch vorausläuft. In Abbildung 6 können wir erkennen, dass das Volumen am Punkt A ein Hoch ausbildet, aber der Preis erst am Punkt C beginnt, ein Top zu bilden. In diesem Sinne kann das Volumen sogar ein führender Indikator für den Preis sein, nämlich dann, wenn es den Preis nicht bestätigt.

Abbildung 6

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Das Volumen an Punkt C ist geringer als an Punkt A und B. Am Punkt B entwickelt sich eine negative Divergenz zwischen Preis und Volumen, weil der Preis steigt und der Volumentrend nach dem Hoch (bei Punkt A) bei Punkt B schon rückläufig ist. Eine derartige Konstellation verrät uns, dass die Preise nicht mehr von begeisterten Käufern getragen werden und dass der vorherrschende Trend suspekt ist.

Verkaufshöhepunkte

Ein stark anziehendes Volumen, welches einem Preisverfall folgt, signalisiert in der Regel einen Verkaufshöhepunkt (engl.: Selling Climax). Abbildung 7 zeigt einen Markt, in dem die Preise eine Weile lang sinken und dann umkehren, wenn das Volumen beginnt, signifikant zu steigen.

Abbildung 7

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Ein Verkaufshöhepunkt bedeutet, dass der Angebotsüberhang auf drastische Weise beendet wird. Solche Preisverfälle werden typischerweise von schlechten Nachrichten ausgelöst. Dabei werden die schwachen Marktteilnehmer dazu getrieben, zu jedem erhältlichen Preis zu verkaufen, nur um aus ihren Positionen zu kommen. Diese schwachen Marktteilnehmer fliehen geradezu aus ihren Positionen, koste es, was es wolle; sie wollen mit dem Wertpapier nichts mehr zu tun haben. Wenn dann der Preis einmal ausreichend niedergeschmettert wurde, treten stärkere Marktteilnehmer, nämlich Käufer auf den Markt. Diese Käufer nutzen die Panik und die Uninformiertheit der schwachen Marktteilnehmer aus, indem sie das restliche Angebot aufsammeln, bevor die Preise wieder zu einem ausgeglicheneren, weniger überspannten Niveau zurückkehren, sprich: nach oben drehen.

Verkaufshöhepunkte repräsentieren entweder einen Boden mit festem Untergrund, wie wir das soeben anhand der Beispiele gesehen haben, oder sie stellen eine Situation dar, auf der eine Rally mit einer nachfolgenden Bewegung zu einem neuen Tief folgt. In beiden Fällen aber hält der Boden, der mit den Verkaufshöhepunkten einhergeht, einen längeren Zeitraum. Wie lange dieser „längere Zeitraum" ist, hängt von der Zeitspanne des Charts ab. Natürlich wird in diesem Zusammenhang der Verkaufshöhepunkt in einem Minutenchart niemals auch nur annähernd so stark sein wie das Selling Climax in einem Monatschart.

Wir bleiben beim Verkaufshöhepunkt. Wir haben gesehen, dass die Verkäufe eine große Menge an Volumen anziehen, ein extremes Volumen. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die nachfolgende Aufwärtsbewegung von einem sinkenden Volumen begleitet wird. Dies ist eines der wenigen Beispiele dafür, dass sich steigende Preise bei sinkendem Volumen in einer bullishen Konstellation befinden.

Abbildung 8 zeigt, dass nach einer starken Aufwärtsbewegung, die auf einen Verkaufshöhepunkt folgt, der Preis nochmals das Kurstief testet und bei diesem Test die Preise mit einem sehr niedrigen Volumen einhergehen. Wie lässt sich eine derartige Konstellation erklären?

Abbildung 8

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Dass ein Test ehemaliger Kurstiefs erfolgreich ist, kann damit in Verbindung gebracht werden, dass das Volumen bei diesem Test sehr gering ist. Eine derartige Konstellation indiziert nämlich einen klar erkennbaren Mangel an Interesse an dem entsprechenden Markt, verglichen mit der extrem emotional geprägten Phase während des vorausgegangenen Tiefs. Dieser Mangel an Interesse beim Test des Bodens typisiert ein Gleichgewicht zwischen Käufern und Verkäufern. Konsequenterweise repräsentiert dieser Zustand die frühe Phase einer großen Preisbewegung.

Abbildung 9

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Rekordvolumen an Tiefs und„Blow-Offs"

Abbildung 9 zeigt eine Rally, die sich nach einer großen Abwärtsbewegung entwickelt. Das Volumen klettert auf einen Rekordlevel. Diese Situation ist wiederum ein Anhaltspunkt dafür, dass eine vollständige Umkehr der Marktstimmung sozusagen auf dem Wege ist. Solche Konstellationen treten nicht sehr oft auf, aber wenn sie auftreten, sollten Sie ihnen Ihre volle Aufmerksamkeit widmen und sie nicht von der Hand weisen.

Abbildung 10

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In Abbildung 10 sehen wir eine parabolische Aufwärtsbewegung, einen so genannten Blow-Off, der das Gegenteil eines Seil-Off (Ausverkaufs) repräsentiert. Sowohl im Preis als auch im Volumen sehen Sie diese starke Aufwärtsbewegung. Das ist typisch für Blow-Offs. Anleger kaufen in solchen Situationen derart stark, dass man annehmen könnte, keiner der Anleger wolle eine fulminante Aufwärtsbewegung verpassen. Und dementsprechend springen alle Anleger auf den fahrenden Zug, bis die Blow-Off-Situation eintritt. Eine derartige Konstellation indiziert typischerweise eine Übertreibung, wenn das Aufwärtsmomentum abnimmt.

In diesen Fällen ist es normal, dass Preis und Volumen gleichzeitig umkehren - und dies in der Regel mit der gleichen Geschwindigkeit, die am Ende der Aufwärtsbewegung vorherrschte. Lassen Sie uns abschließend ein Fazit ziehen, indem wir uns noch einmal die wichtigsten Punkte der Volumen-Interpretation vor Augen führen:

  • Das Volumen wird mittels eines Trends beobachtet und diese Trends werden immer in Relation zur jüngsten Vergangenheit interpretiert.
  • Es ist normal für das Volumen, mit steigenden Preisen zu expandieren und mit sinkenden Preisen zu kontrahieren. Alle anderen Zustände sind abnorm und warnen vor einer bevorstehenden Trendumkehr.
  • Während bullisher Trends ist es normal, dass das Volumen den Preis anführt.
  • Verkaufshöhepunkte besitzen eine reinigende Kraft. Sie signalisieren notwendigerweise nicht das finale Tief einer Bewegung; auf einen Verkaufshöhepunkt folgt aber fast immer eine stärkere Aufwärtsbewegung.
  • Ein parabolisches Ansteigen von Preis und Volumen repräsentiert eine übertriebene Bewegung, aufweiche typischerweise ein starker Abschwung folgt.