Eine Methode, um eine trendierende Bewegung zu erfassen, ist der Einsatz von Trendlinien. Das Grundprinzip ist einfach. In einer Aufwärtsbewegung werden die Extrempunkte der Reaktionstiefs des Marktes miteinander verbunden und diese Linie bis an das Ende des Charts oder darüber hinaus verlängert. Anders verhält es sich bei einem Abwärtstrend. Hier werden die Extrempunkte der Reaktionshochs miteinander verbunden. In Abbildung 1 ist dieses Schema ersichtlich.

Abbildung 1

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Kann im Falle eines Aufwärtstrends eine Trendlinie eingezeichnet werden, dann kann diese im weiteren Verlauf der Bewegung als Unterstützung betrachtet werden. Wenn der Trend des Marktes intakt ist, bietet sich bei einer Korrektur in den Bereich der Trendlinie die Chance auf eine Gegenbewegung, die Startpunkt für eine Wiederaufnahme der übergeordneten Aufwärtsbewegung sein kann. Spiegelbildlich gilt dieses Prinzip auch für Abwärtstrendlinien. Wenn der Markt in diesem Fall in einer Erholungsphase den Bereich einer wichtigen Abwärtstrendlinie erreicht, ist die Möglichkeit einer Wiederaufnahme der eigentlichen Abwärtsbewegung gegeben. Dabei ist die Unterstützung umso stärker, je mehr Auflagepunkte die eingezeichnete Trendlinie bereits aufzuweisen hat. Trendlinien, die mit nur zwei Auflagepunkten gebildet werden können, sollten zunächst durch einen dritten Auflagepunkt bestätigt werden um für den Trader als möglichen Einstiegspunkt in Zukunft in Betracht gezogen zu werden. Der Bruch einer Trendlinie ist hingegen ein Indiz für eine Beendigung des vorherrschenden Trends.

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Sie sollten dabei beachten, dass es wenig Sinn macht, eine Trendlinie zu genau zu nehmen. Häufig kommt es zu temporären leichten Brüchen und Unterschreitungen der Trendlinie, die im Anschluss wieder gekauft werden. Deshalb bietet es sich an, nicht den exakten Kursstand einer Trendlinie für die Handelsentscheidung zu nutzen oder Positionen zu liquidieren, sobald eine geringfügige Verletzung der Trendlinie auftritt. Erst ein nachhaltiger Bruch zwingt den Trader zum Handeln. Über die Frage der Nachhaltigkeit gibt es hingegen viele unterschiedliche Auffassungen. Sie können abwarten, bis ein Trendbruch auf Schlusskursbasis des betrachteten Zeitraumes um mehr als drei Prozent erfolgt oder drei Schlusskurse unterhalb der Trendlinie liegen. Wichtig ist dabei auch die Dynamik der Bewegung. Wenn der Kursverlauf die Trendlinie bei hohem Volumen sofort klar unterschreitet, bietet es sich an, Positionen glattzustellen. Von Volumen getriebene dynamische Bewegungen sollten vom Trader immer besonders beachtet werden. Anders verhält es sich, wenn der Kursverlauf sich im Bezug zum normalen Kursverlauf langsam nähert. Kommt es dann zum Abprallen auf der Trendlinie bei steigendem Volumen, ist ein erstes Einstiegssignal gegeben.

Das Einzeichnen der Trendlinien ist darüber hinaus eine sehr subjektive Angelegenheit. Die Trendlinie kann theoretisch anhand der Extrempunkte der Reaktionstiefs eingezeichnet werden. Häufig bildet der Markt aber Reaktionstiefs aus, die leicht oberhalb oder unterhalb der ursprünglich anhand der durch die ersten Reaktionstiefs ermittelten Trendlinie liegen. Um durch die Trendlinie ein möglichst genaues Unterstützungsniveau für nachfolgende Reaktionstiefs zu haben, ist es ratsam, die den Trend bestimmende Trendlinie zu vermitteln.

Für die Signifikanz von Trendlinien gibt es drei Regeln:

  1. Je stärker der Neigungswinkel (abwärts oder aufwärts gerichteter) Trendlinien ist, desto niedriger ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.
  2. Hier geht es um die Länge von Trendlinien: Je länger eine Trendlinie ist, desto größer ist die Signifikanz, wenn diese Trendlinie gebrochen wird. Das ist nur logisch, wenn Sie bedenken, dass die Trendlinie den zugrunde liegenden Trend reflektiert. Wenn die Trendlinie beispielsweise so lang ist, dass sie mehrere Jahre zurückreicht, reflektiert sie einen extensiven Trend. Ihr Bruch sollte demzufolge größere Implikationen besitzen als eine Trendlinie, die, sagen wir, drei Wochen lang ist.
  3. Je öfter eine Trendlinie erfolgreich getestet wurde, desto größer ist ihre Signifikanz. Wenn von einer Trendlinie mehrere Aufwärtsbewegungen ausgegangen sind oder wenn an einer Trendlinie mehrere korrektive Kursbewegungen beendet wurden, dann bedeutet dies, dass diese Trendlinie ein wirklich dynamischer Level von Unterstützung und Widerstand ist. In diesem Sinne ist ein Bruch einer solch signifikanten Trendlinie auch eine Penetration signifikanter Unterstützungen oder Widerstände.

Wird eine Trendlinie gebrochen, kehrt sich ihre Funktion um. Aus einer Aufwärtstrendlinie, die zunächst als Unterstützung fungierte, wird nach einem Trendbruch ein Widerstand. Umgekehrt verhält es sich bei einer Abwärtstrendlinie. Diese bildet nach einem nachhaltigen Ausbruch nach oben im Anschluss eine Unterstützung. Nähert sich der Kursverlauf der Trendlinie anschließend erneut, ist die Möglichkeit für einen Kauf gegeben. Relativ leicht ersichtlich sind die beschriebenen Trendlinien, die anhand der Extrempunkte außen an den Kursverlauf gelegt werden. Darüber hinaus lassen sich im Kursverlauf auch Trendlinien lokalisieren, die durch die Marktbewegung schneiden. Diese so genannten inneren Trendlinien beinhalten ebenfalls für den weiteren Kursverlauf Unterstützungs- oder Widerstandsniveaus, die vom Trader genutzt werden können. Am Beispiel des DAX-Charts in Abbildung 2 soll das Prinzip der Trendlinien verdeutlicht werden.

Abbildung 2

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Im Zeitraum von 2004 bis 2007 stieg der DAX kräftig an. Erst im Jahr 2007 durchbrach er per Monatsschlusskurs seine bis dato maßgebliche Aufwärtstrendlinie und beendete somit den Aufwärtstrend. Im Anschluss bestimmte in den Jahren 2007 bis 2009 ein Abwärtstrend das Kursgeschehen. Erst der Bruch der Trendlinie und zudem des letzten markanten Hochs im Monatschart Mitte 2009 beendete formal den Abwärtstrend. Die Aufwärtsbewegung der Jahre 2009 bis 2011 ist indes nicht mit einer Trendlinie zu fassen, erst wieder die Korrekturbewegung bis in das Jahr 2012 hinein. Der Ausbruch über den Abwärtstrend im September 2012 bildete das formale Ende der scharfen Korrektur im Sommer 2011. Seit dem Septembertief 2011 steigt der DAX wiederum an. Die Aufwärtstrendlinie kann aufgrund zahlreicher Auflagepunkte als signifikant eingestuft werden, die Aufwärtsbewegung ist intakt.