Shorten oder Shorting ist demzufolge ein Übergriff für Trading und Investmentaktivitäten, in deren Rahmen auf fallende Kurse spekuliert wird.

Sie sehen, es gibt eine ganze Palette an Tradingvehikeln, über die Shorting möglich ist.

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Obligatorisch gilt es an dieser Stelle festzuhalten, dass der gehandelte Markt und die eingesetzten Tradinginstrumente genau recherchiert werden sollten. Welche Eigenart hat der gehandelte Markt? Wie weit sind die Spreads (Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs des Basiswertes oder Anlageproduktes) der gehandelten Basiswerte? Wie steht es um die Liquidität? Komme ich aus meinem Short auch wieder schnell raus? Ist das gehandelte Tradingvehikel, beispielweise Hebelzertifikate oder CFDs, mit hohen Kosten im Sinne von Slippage behaftet ? Wie präzise kann ich letztenendes den Markt handeln? Bei dem Handel mit Futures und Devisen gilt es gerade für Privatanleger genauestens zu prüfen, ob die eigene Kapitalisierung den Handel dieser scharfen Tradingvehikel überhaupt zulässt. Keine ausreichende Kapitalisierung bedeutet nämlich, dass nicht die Möglichkeit eines ausgewogenen Risiko- und Moneymanagements besteht. Und wenn diese Möglichkeit nicht besteht, sind Verluste vorprogrammiert.

Shortselling

Mit dieser Begrifflichkeit ist eigentlich der direkte Leerverkauf von Aktien gemeint. Der Shortseller erwartet fallende Aktienkurse und beabsichtigt davon zu partizipieren. Der Shortseller verkauft mit dieser Erwartungshaltung Aktien leer. Er verkauft Aktien, die er gar nicht im Depot hält, er leiht sie sich über seinen Broker, um später zu günstigeren Kursen wieder zurückzukaufen. Die Differenz zwischen dem Leerverkauf und dem anschließenden Rückkauf (Coverbuy) ist der Profit des Shortsellers. Das Prinzip ist also einfach.

Der Shortseller verkauft Aktie XY bei 100 $ leer. Die Aktie fällt anschließend tatsächlich um 30 $, also 30 % auf 70 $. Diese 30 % Kursverlust im Basiswert sind der Gewinn des Shortsellers. Wenn bei 70 $ gecovert wird, bedeutet das einen Gewinn von 30%. Steigt die Aktie aber wider Erwarten um 30 $, also 30% an, dann läuft der Short-Trade gegen den Shortseller. Er hat somit einen Verlust von 30% mit seiner Position gemacht.

Vorteil des Shortsellings : Das Profitieren an fallenden Kursen.

Eine Aktie kann nicht unter 0 fallen. Sie shorten die Aktie XY bei 100$ und covern Sie im Idealfall bei 0 $. Sie haben also eine Gewinnmöglichkeit von maximal 100%.

Nachteil des Shortsellings : Unbegrenztes Risiko.

Sie shorten eine Aktie XY bei 100 $, der Aktienkurs steigt anschließend aber um 100$, also 100% auf 200 $ an und Sie halten, warum auch immer, die Shortposition weiter, dann haben Sie den gesamten Einsatz für diesen Trade verloren. Die Position steht dann bei 0. Steigt der Aktienkurs um 150 $, dann sind Sie sogar unterhalb von 0 angekommen. Sie stehen dann mit 50 $ pro Aktie bei Ihrem Broker in der Kreide. Soweit wird es aber nicht kommen, weil Sie deutlich früher bereits einen so genannten Margin Call Ihres Brokers erhalten, der Sie auffordert zusätzliches Kapital auf Ihr Konto zu transferieren oder aber die Shortposition umgehend zu schließen.

Shortselling hat Tradition in den USA und einigen asiatischen Ländern. Dort wird die Möglichkeit des Shortsellings von nahezu jedem Broker angeboten. In den USA kann auch auf Margin geshortet werden. Sprich, es gibt sogar die Möglichkeit, auf Kredit Aktien leerzuverkaufen.

Bei der Auswahl der Broker sollte unter anderem auf den Umfang der Shortlist geachtet werden. Wie groß ist das Repertoire an Aktien, die über den Broker leerverkauft werden können ?

Shortselling wird seit 2007 aber auch von großen deutschen Brokern angeboten. Hierbei gilt es darauf zu achten, wie lange leerverkaufte Positionen gehalten werden können. Ein Leerverkauf mit einer limitierten Haltedauer von maximal 1-2 Handelstagen ist nicht wirklich sinnvoll. Shortselling sollte auf unbegrenzte Zeit möglich sein.


Warum shorten? Warum Shortselling?

Es gibt viele Möglichkeiten. Zum einen wird Shorting dann ein Thema, wenn der breite Gesamtmarkt in eine Korrektur übergeht. Nehmen wir den Bärenmarkt von 2007 bis 2009. In solchen Phasen bietet es sich an, entweder hohe Cashbestände zu halten oder aber den Markt zu shorten, um an dem übergeordneten Abwärtstrend zu partizipieren. Das ist der Absolute Return Ansatz mit der Zielsetzung an fallenden Kursen genauso zu verdienen wie an steigenden.

Wenn temporäre Marktkorrekturen erwartet werden, Marktteilnehmer aber beispielsweise aus steuerlichen Gründen ihre Investments nicht verkaufen wollen, dann setzen sie Shortpositionen als Hedges ein.

Eine weitere Möglichkeit ist die, dass auch in starken Marktphasen, Basiswerte geshortet werden, die relative Schwäche aufweisen und gegen die Gesamtmarkttendenz fallen.

Beliebt ist das Countertrend-Trading. Nehmen wir eine Aktie, die übergeordnet einen starken Aufwärtstrend aufweist. Innerhalb dessen bewegt sich das Papier aber ebenfalls in Zyklen, Wellen. Mittels Shorting wird hier versucht, temporäre Überhitzungen des Kursanstiegs leerzuverkaufen, um an zwischengeschalteten Konsolidierungen zu profitieren.