Am 01.Juli 1988 fiel der Startschuss für das zunächst „Deutscher Aktienindex DAI“ getaufte Börsenbarometer. Einer der Gründe, warum der DAX ins Leben gerufen wurde war neben der Vereinheitlichung diverser (insgesamt elf) deutscher Indizes wie dem FAZ-Index oder dem Index der Börsenzeitung, die Einführung der Terminkontrakte auf einen Index, also der Start des Futures-Handels in Deutschland. Seither hat der deutsche Aktienmarkt sein allgemeingültiges und vielbeachtetes Kurs-EKG.

Zur „Geburt“ wog der Aktienkorb 1.163 Punkte und umfasste 30 Werte, von denen einige noch heute Teil eines der meistbeachteten Indizes in der globalen Finanzwelt sind. Schnell wurde das etwas sperrige Kürzel DAI in DAX umgetauft, um dem Ganzen einen etwas technologisch-zukunftsweisenderen Anstrich zu geben.

Zu Recht: Denn der DAX hat eine Erfolgsgeschichte geschrieben, die einerseits aus einer Kernmannschaft klassischer Industrie-, Chemie-und Automobilunternehmen besteht, zu der sich aber im Laufe der Zeit bzw. im Rahmen des gesellschaftlich-technologischen Wandels auch einige Vertreter der New Economy gesellten. In dem Maße wie der Einfluss der Banken und Versorger über die Jahre zurückging, stiegen immer wieder Unternehmen neuer Wirtschaftszweige in den Index auf.

Nach wie vor umfasst der Deutsche Aktienindex die 30 Unternehmen, die nach Marktkapitalisiserung, Umsatz und frei an der Börse handelbaren Stücken (Streubesitz) die größten darstellen. Alle drei Monate wird diese Zusammenstellung überprüft und ggf. Anpassungen vorgenommen. Die ein oder andere Aktie verlässt dann den Index und neue kommen hinzu. Diese 30 Werte werden zudem innerhalb des Index nach dem Wert der frei handelbaren Anteile gewichtet (Laspeyres-Preisindex). Damit ist die Zusammensetzung für den Index doppelt dynamisch: Einmal kann sich die Auswahl der Titel im Aktienkorb von Zeit zu Zeit ändern und zum Zweiten wird die Bedeutung der Einzelwerte für die Berechnung des Index kontiunierlich angepasst. Eine weitere Besonderheit: Der DAX ist ein Performanceindex, d.h. von DAX-Mitgliedern ausgeschüttete Dividenden werden nicht abgezogen (Kursindex), sondern gehen weiter in die Berechnung mit ein.

DAX-Fakten:

  • Seit seiner Erstberechnung 1988 stieg der DAX bis Ende Juni 2018 mit durchschnittlich 1,4 Punkten pro Handelstag
  • Die Performance seit dem ersten Kurs bis Ende Juni 2018 beträgt über 950 %
  • Die aktuelle Marktkapitalisierung aller 30 DAX-Werte beträgt über 1,1 Bio. EUR
  • Insgesamt waren rund 60 Unternehmen im DAX notiert
  • Von Beginn an Mitglied im Index sind die Aktien von Allianz, BASF, Bayer, BMW, Commerzbank, Deutsche Bank, Deutsche Lufthansa, Henkel, Linde, RWE, Siemens, Volkswagen und der aus der Fusion der DAX-Mitglieder Veba und Viag hervorgegangene e.on-Konzern
  • der größte Tageseinbruch in Prozent war am 16.Oktober 1989 mit 12,8 %. Nachdem es ohnehin schon Unsicherheit bezüglich der Finanzierungsbereitschaft von Banken bei teils hochverschuldeten US-Unternehmen gab, löste das Platzen einer Übernahme von United Airlines die Angst aus, dass Banken generell schuldenfinanzierte Übernahmen (sog. Leveraged Buyouts) zurückfahren und auf Rückzahlung der Schulden drängen könnten. Es folgte eine Panik-Kettenreaktion, die den Dow Jones am Freitag zuvor rund 7 % in den Keller schickte. Dem jungen deutschen Leitindex brachte dies am darauffolgenden Montag den höchsten Tagesverlust von 12,8 % ein.
  • der größte Tagesgewinn war am 13.10.2008 mit 11,4 % oder rund 500 Punkten
  • das aktuelle Allzeithoch des DAX liegt bei 13.596,90 Punkten und wurde am 23.01.2018 erreicht

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DAX Index seit Gründung (linearer Chart, eine Kerze entspricht einem Monat)

Die Gründungsmitglieder des DAX

Neben den o.g. Dauerbrennern im DAX, die seit seiner Gründung Teil des Index sind, waren folgende Unternehmen 1988 als Gründungsmitglieder Teil des Index:

  • Die Mannesmann AG, die durch die spektakuläre Übernahme durch Vodafone im Jahr 2000 wieder aus dem Index ausschied. Bis heute ist die Übernahmesumme von 190 Mrd. EUR Rekord in der DAX-Geschichte.
  • Die Aktien von Schering, die nach einer Übernahmeschlacht zwischen Merck und Bayer schließlich 2006 an Bayer gingen.
  • MAN, die 2012 von VW übernommen wurden
  • der Pharmakonzern Hoechst, der nach einer Fusion mit Rhône-Poulenc 1999 in Aventis umbenannt und seit 2004 unter Sanofi firmiert
  • die Dresdner Bank, deren Übernahme durch die Allianz 2001 für über 30 Mrd. EUR schließlich 2009 in den Verkauf an die Commerzbank für knapp 10 Mrd. EUR mündete
  • Feldmühle Nobel, ein Mischkonzern, zu dem auch die Unternehmen Buderus und der weltberühmte Dynamithersteller Nobel gehörten. Feldmühle Nobel wurde 1990 vom schwedisch-finnischen Konzern Stora Enso übernommen
  • Kaufhof, der 1996 von der Metro AG übernommen wurde
  • Nixdorf - 1990 durch Siemens übernommen
  • Degussa, die 1999 aus dem DAX ausschieden und jetzt unter dem Namen Evonik firmieren
  • Karstadt, die bis 2001 Teil des Index waren
  • die Bayerische Vereinsbank, die 1998 mit dem Gründungsmitglied Bayerische Hypobank zur HypoVereinsbank fusionierte, die ihrerseits 2005 durch die italienische UniCredit übernommen wurde
  • Continental, die seit September 2012 wieder Mitglied des Index sind, nachdem sie zuvor 1998 aus dem DAX ausgeschieden, 2003 wieder eingetreten und 2008 erneut aus dem Index gefallen waren
  • der Maschinenbauer bzw. die spätere Holding Deutsche Babcock, die bis 1995 Teil des DAX war und 2002 in die Insolvenz ging

Die Geschichte des DAX - Alles Krise oder was?

Betrachtet man die Berichterstattung zum deutschen Aktienmarkt in den vergangenen Jahren, ja Jahrzehnten, kann man den Eindruck gewinnen, dass die Historie lediglich aus großen Krisen, Abschwüngen und Katastrophen besteht. Dies ist zum Teil auch richtig. Die zweite Wahrheit ist aber, dass sich der deutsche, wie auch der internationale Markt in den letzten 30 Jahren durchaus positiv entwickelt haben - allen negativen Einflüssen und Entwicklungen zum Trotz. Diese einseitig negative Wahrnehmung mag mit ein Grund dafür sein, dass Anlagen in Aktien immer noch als riskant und unzuverlässig gelten. Und gerade mit Blick auf die Entwicklung des DAX zeigt sich, wie fatal diese Einschätzung sein kann. Aber der Reihe nach:

Nach der Gründung des DAX und dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes, der Wiedervereinigung Deutschlands 1989 und dem ersten Irakkrieg 1990 verabschiedete sich der DAX Mitte der Neunziger Jahre aus einem Seitwärtsmarkt mit geringen Kurszuwächsen und begann eine mehrjährige Hausse, die in der Spitze in einem ersten markanten Abschwung enden sollte. Im März 1997 bekam der DAX Gesellschaft in Form des Neuen Marktes, der den „alten“ Index in den kommenden Jahren in einer Mischung aus zukunftsträchtiger Technologie, innovativem Mittelstand, Luftschlössern, Insolvenzen und Wirtschaftsskandalen zunächst positiv und später negativ den Rang ablaufen sollte. Im Windschatten des Neuen Marktes konnte der DAX 1998 sogar die Zahlungsunfähigkeit Russlands relativ schnell abstreifen und auf weitere Rekordstände klettern. Am 10.März 2000 folgte bei 8.136 Punkten der Hoch-und Wendepunkt, der insbesondere mit den Pleiten von Enron und Worldcom in Verbindung gebracht werden muss, aber auch mit der schier grenzenlosen Kaufpanik bei Technologiewerten, die sowohl den DAX, als auch den Neuen Markt erfasst hatte und in diesem Jahr schlagartig endete. Es folgte eine steile Korrektur, die dem DAX rund 70 % seines Wertes kostete. 2003 wurde das Kapitel Neuer Markt geschlossen und man konnte wieder zum Alltag übergehen.


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Und dieser „Alltag“ zeigte sich Form eines dynamischen Aufwärtstrends, der bis zur Finanzkrise ab dem Jahre 2007 und einem Indexstand von erneut rund 8.100 Punkten reichte. Befeuert durch niedrige langfristige Zinsen und die Vergabe von Immobilienkrediten an Privatpersonen mit niedriger Bonität (sog. Subprime-Kredite) brach nach und nach ein Finanzkartenhaus in sich zusammen, das sich zu einer der größten Finanzkrisen der letzten Jahrzehnte auswuchs. Der Höhepunkt war zweifelsohne die Insolvenz der US-Bank Lehman Brothers im September 2008. Doch auch hierzulande kamen die Finanzinstitute wie die IKB, die SachsenLB, West LB oder die Hypo Real Estate massiv unter Druck. Die Commerzbank und die Hypo Real Estate wurden 2009 teilweise bzw. vollständig verstaatlicht, in den USA übernahm der Staat den angeschlagenen Versicherer AIG. Und der DAX brach in dieser Zeit um über 4.500 Punkte oder rund 55 % Prozent ein. Im Vergleich dazu war das Platzen der Dot.com-Blase bzw. die Baisse von 2000 bis 2003 jedoch wesentlich dramatischer: In dieser Phase verlor der Index fast 6.000 Punkten oder rund 73 %. Zugleich traten die Veteranen und die Nachfolger des Dotcom-Crashs ihren globalen Siegeszug an: Apple, Google oder Amazon übernahmen Schritt für Schritt die Spitzenplätze der internationalen Finanzmärkte, während hierzulande Unternehmen wie SAP oder Infineon in den Fokus rückten und auch der Medienkonzern und Internetportalbetreiber ProSiebenSAT.1Media zumindest vorübergehend Teil des DAX wurde. Schließlich konnte sich der Index in den darauffolgenden Jahren wieder deutlich erholen, ehe die Atomkatastrophe von Fukushima 2011 für den nächsten Einbruch sorgte. Die Jahre danach waren geprägt von der expansiven Geldpolitik der Notenbanken, die damit versuchten, den Scherbenhaufen, den die Finanzkrise hinterlassen hatte, mit fiskalpolitischen Mitteln zusammenzukehren. Das Ergebnis war die massive Kursrally, die ihren vorläufigen Höhepunkt im Januar dieses Jahres hatte.

8.000 Punkte oder 240 % nach der Finanzkrise und über 7.000 Punkte nach Fukushima notiert der Index aktuell aber knapp 10 % unter seinem neuesten Allzeithoch, das am 23.Januar 2018 ausgebildet wurde. Im Vergleich zum Höchststand zu Zeiten der Technologierally im Jahr 2000 hat der Index über 4.000 Punkte oder 50 % hinzugewonnen. Vom Tief 2003 bis zu seinem letzten Rekordhoch sind es sogar 11.408 Punkte oder 521 % Performance. Im Nachhinein waren die Phasen größter Unsicherheit und massiv eingebrochener Kurse eben auch genau die Wendepunkte, die Ausgangpunkt für mittel- bis langfristige Rallyphasen wurden. Die Phasen vor 2003, 2009 und 2012 sollten daher gerade für den langfristigen Investor als Warnung verstanden werden, dass die Bäume an den Märkten nicht in den Himmel wachsen und es auch zu drastischen Korrekturen kommen kann. Die Phasen danach sollten allerdings auch jedem Anleger klarmachen, dass es gerade diese Krisenzeiten sind, bei denen anschließend die größte Performance erzielt werden kann. Es bleibt Ihnen überlassen, ob Sie in diesem Kontext lieber Wert auf gutes Timing legen oder auf die Gelassenheit des Langfristinvestors bauen, der den übergeordneten jahrzehntelangen Aufwärtstrend im Blick hat.

Die Zukunft der Klasse von 2018

Blickt man auf die Entwicklung der vergangenen drei Jahrzehnte zurück, lässt sich feststellen, dass nach dem initialen Anstieg von 1988 bis 2000 eine mehrjährige, hochvolatile Seitwärtsphase begann, in deren Verlauf es dem Index nicht gelang, das 2000er- Allzeithoch bei 8.136 Punkten auch dauerhaft zu überschreiten. Dies gelang erstmals im Mai 2013. Die zugehörige Aufwärtsbewegung, die den „Durchbruch“ schaffte, setzte im März 2009 ein, also mitten in der Finanzkrise. Erst im Jahr 2015 wurde der Höhenflug durch eine mehrmonatige Gegenbewegung unterbrochen. Anschließend setzte sich die vorherige Rally jedoch ab 2016 fort und erreichte ihren Höhepunkt mit dem neuen und bislang weiterhin gültigen Allzeithoch bei 13.596 Punkten.

Insbesondere in der logarithmischen Chart-Skalierung zeigt sich, dass der Anstieg der letzten Jahre in einem Aufwärtstrendkanal stattfand und sich der Index in den letzten Wochen und Monaten der Unterseite dieses Preiskorridors nähert. Damit stellt sich zumindest für die kommenden Monate die Frage, ob die Party zum Dreißigsten durch einen Bruch der Kanalunterseite auf Höhe von 12.000 Punkten vorzeitig beendet wird und der Index in eine größere Korrekturphase einschwenkt. Oder ob es zur Verteidigung dieses Preisniveaus und der Fortsetzung der Aufwärtsbewegung der letzten Jahre kommt. Sollte der Kanal unterschritten werden, liegen die nächsten mittelfristigen Korrekturziele bei 11.400 und 10.800 Punkten.

Nimmt der Index dagegen die Gelegenheit war, den runden Geburtstag mit einer Fortsetzung des Aufwärtstrends zu krönen, könnte der DAX zu seinem 31. Geburtstag bereits 15.000 Kerzen auspusten.

So oder so hat der DAX aber in den vergangenen drei Jahrzehnten unter Beweis gestellt, dass jeder noch so markante Kursrückgang letztlich eine ideale Kaufgelegenheit war.

Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch!

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