Der Erfolg passiver ETFs zeigt, dass viele Anleger Fondsmanagern nicht (mehr) zutrauen, den Index zu schlagen. Aus diesem Grund sind sie auch immer weniger bereit, die im Vergleich zu ETFs höheren Gebühren von aktiven Fonds zu bezahlen. Die Vorteile, die ETFs darüber hinaus bieten, sind hinlänglich bekannt: Sie können wie Wertschriften direkt und zu einem laufend aktualisierten Kurs an der Börse gehandelt werden und die größten Positionen werden täglich veröffentlicht. Klassische Fonds hingegen können nur zum Tagesschlusskurs gehandelt werden.

All diese Faktoren tragen mit dazu bei, dass indexreplizierende ETFs vielen Anlegern als attraktive Alternative erscheinen. Während allerdings das Gefäß ETF tatsächlich unbestrittene Vorteile hat, ist für den Anleger viel entscheidender, was der Inhalt des Gefäßes ist – die Anlagestrategie. Bei Aktienindizes wird die Gewichtung der einzelnen Unternehmen meistens anhand der Marktkapitalisierung ermittelt. Je grösser eine Firma, desto grösser ist deren Gewicht im Aktienindex. Die Rendite des DAX, der 30 Titel umfasst, wird vorwiegend durch wenige, große Firmen bestimmt: So machen die zehn größten Unternehmen zusammen rund zwei Drittel des Index aus. Im breiter diversifizierten MSCI Welt Index mit 1.625 Aktien ist Apple mit einer Marktkapitalisierung von rund CHF 600 Mrd. und einem Gewicht von 2,4 Prozent das größte Unternehmen. Auch hier haben die zehn größten Firmen bereits ein Gewicht von mehr als 10 Prozent. Ein Investment in einen indexreplizierenden ETF ist sinnvoll, wenn man erwartet dass große Firmen in der Zukunft eine höhere Rendite erwirtschaften als kleine Firmen. Empirische Untersuchungen zeigen jedoch, dass dies oft nicht der Fall ist: Seit dem Jahr 2000 zum Beispiel haben kleinkapitalisierte Firmen weltweit eine um mehr als 70 Prozent höhere Rendite erreicht als der Weltindex. Auch über einen längeren Zeitraum von mehreren Jahrzehnten stellt man diesen Effekt fest. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die Marktkapitalisierung ein geeignetes Maß ist um die Branchen- und Länderzusammensetzung eines Aktienindex zu bestimmen. Alle Firmen in den Schwellenmärkten zusammengenommen, zu denen auch die aufstrebenden Länder Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC) gehören, haben eine Marktkapitalisierung die nur 15 Prozent derjenigen aller Firmen in den Industrieländern entspricht.

Ein aktiver Anlageansatz erlaubt hingegen, sich gezielter zu positionieren. Auf Basis einer sorgfältigen Fundamentalanalyse werden die vielversprechendsten Anlagemöglichkeiten ausfindig gemacht beziehungsweise nicht überzeugende Unternehmen aus dem Anlageuniversum ausgeschlossen. Diese Selektion setzt Wissen und Erfahrung voraus und ist auch zeitintensiver, da aktive Fondsmanager oft zahlreiche Unternehmensbesuche im Jahr absolvieren. Gutes aktives Management ist deshalb auch mit höheren Kosten verbunden.

Allerdings haben innovative aktive Asset Manager die Möglichkeit, das bestehende Knowhow und die Infrastruktur für die Entwicklung systematischer Strategien einzusetzen. Vereinfacht gesagt werden hier Investitionsregeln definiert, die die Ineffizienzen an den Finanzmärkten auszunutzen suchen. Der Anlageprozess wird so sehr effizient und erlaubt zudem einen gewissen Grad an Automatisierung. Und genau hierin liegt die Chance, die Lücke zwischen aktiven Anlagefonds und passiven ETFs zu schließen: Diese systematischen Anlagestrategien eignen sich hervorragend für das kosteneffiziente Fondsgefäß ETF.

Bezüglich Ausgestaltung der systematischen Anlagestrategie sind viele Ansätze denkbar. Swiss & Global nutzt in dem systematischen Modell, das in den JB Smart Equity ETFs zum Einsatz kommt, die Tatsache, dass der Durchschnittsanleger Kauf- und Verkaufentscheidungen in der Regel nicht rational fällt. Detaillierte Auswertungen der globalen Aktienkurse seit 1985 zeigen, dass Investoren bestimmten Verhaltensmustern folgen, die in allen Regionen beobachtbar sind und sich über die vergangenen 30 Jahre wenig verändert haben. So konnte unter anderem nachgewiesen werden, dass Anleger fallende Aktien häufig zu lange halten, während sie in steigenden Marktphasen oft zu früh verkaufen, was vor allem auf die unterschiedliche Wahrnehmung von Gewinnen und Verlusten zurückzuführen ist. Die Programme von Swiss & Global werten daher zwei Mal am Tag technische Indikatoren für rund 14.000 Aktien aus und identifizieren auf solchen Verhaltensmustern basierenden Trends- und Trendwenden. Daraus leiten die Fondsmanager Kauf- und Verkaufssignale ab und investieren in 100 Aktien. Dieser Trend-Ansatz wird mit einem Value-Ansatz kombiniert, der systematisch in günstig bewertete Aktien investiert. Die Systematik beider Ansätze wurde über Jahre entwickelt – einmal im Einsatz, verläuft der Anlageprozess jedoch weitgehend automatisiert, wenngleich am Ende immer noch erfahrene Portfoliomanager die ausgewählten Titel überprüfen.

Aufbauend auf bereits vorhandenen Kompetenzen, können solche modellbasierten Strategien damit problemlos als ETFs angeboten werden. Zudem kann die notwendige Transparenz gewährt werden, die es ermöglicht, dass Nettoinventarwert und Handelskurs möglichst nahe beieinander liegen. Der Anlageprozess ist naturgemäß effizienter als bei traditionellen aktiven Strategien, so dass die Produkte kostengünstiger angeboten werden können. Das Fondsgefäß ETF ist deshalb die passende Hülle, um eine aktive systematische Strategie möglichst kostengünstig und transparent anbieten zu können.

Neben den neuen, aktiven börsengehandelten Fonds wird es auch weiterhin die klassischen Anlagefonds geben, deren Fondsmanager aufwändige qualitative Analysen durchführen, die die Unternehmen besuchen und das Gespräch mit dem Management suchen. Diese Expertise werden sie Anlegern in Form eines klassischen Anlagefonds anbieten. In Zukunft haben Anleger somit dreierlei Wahl: passiver Ansatz, aktiver Ansatz als ETF oder aktiver Ansatz als klassischer Fonds. Die Grundfragen bleiben jedoch die gleichen wie bisher: Was will der Anleger erreichen, welche Anlageklasse und -strategie reflektiert am besten sein individuelles Rendite-/Risikoprofil? Reicht es, den Markt ohne weitere Überprüfung abzubilden oder sollen gute von schlechten Anlagen getrennt werden? Diese Entscheidung muss letztendlich jeder Anleger für sich selber treffen. Die Wahl der Hülle – ETF oder klassischer Fonds – sollte erst an zweiter Stelle stehen. Das Spektrum an möglichen Lösungen wird jedenfalls mit aktiven ETFs um eine wertvolle Komponente erweitert.

Autoren: Stefan Fröhlich und Carlo Capaul, Swiss & Global Asset Management