Heute Abend um 22.00 Uhr wird die Deutsche-Börse-Tochter Qontigo bekanntgeben, welche Aktien im Rahmen der DAX-Erweiterung auf 40 Komponenten in den DAX aufsteigen. In diesem Artikel werden einige Fragen beantwortet, die Trader und Anleger im Zusammenhang mit der DAX-Erweiterung immer wieder stellen.

Was passiert heute Abend genau?

Die Deutsche-Börse-Tochter Qontigo wird um 22.00 Uhr ihre halbjährlichen Änderungen in den Auswahlindizes der Deutschen Börse (DAX, TecDAX, MDAX und SDAX) bekanntgeben. Da der DAX künftig 40 Mitglieder enthalten wird, wird in diesem Rahmen heute auch verkündet, welche zehn MDAX-Aktien aus dem Index der mittelschweren Werte in den DAX aufsteigen. Darüberhinaus werden auch Änderungen in den anderen Indizes verkündet.

Wie verändert sich die Anzahl der Indexkomponenten genau?

Der DAX wird von 30 auf 40 Mitglieder aufgestockt. Der MDAX wird im Gegenzug von 60 auf 50 Komponenten verkleinert. Bei TecDAX und SDAX verändert sich an der Anzahl der Komponenten nichts.

Wann werden die Änderungen wirksam und was ändert sich am Turnus der Überprüfungen?

Die heute Abend verkündeten Änderungen werden ab dem 20. September wirksam. Die Zusammensetzung des DAX wird künftig häufiger überprüft als bisher. Künftig gibt es beim DAX-Index zweimal im Jahr eine planmäßige Hauptüberprüfung (März und September). Zurzeit gibt es eine derartige Überprüfung nur im September.

Nach welchen Kriterien entscheidet sich, welche Aktien in den DAX aufsteigen?

Bei der Zusammensetzung der Indizes der DAX-Familie wird künftig, wie international üblich, nur noch die Free-Float-Marktkapitalisierung maßgeblich sein und nicht wie bisher zusätzlich auch der Börsenumsatz. Die Free-Float-Marktkapitalisierung ist die Marktkapitalisierung aller frei gehandelten Aktien, die sich nicht fest in den Händen eines Großaktionärs befinden. Die Rangliste nach Börsenumsatz, die bisher ebenfalls maßgeblich für die Indexzusammensetzung war, spielt keine Rolle mehr. In Bezug auf die Liquidität müssen Aktien künftig nur noch eine bestimmte Mindestliquidität erreichen, dieses Kriterium dürfte aber die Zusammensetzung des DAX in der Realität künftig nicht mehr beeinflussen, weil sehr viele Aktien dieses Kriterium erfüllen.

Welche Kriterien müssen Unternehmen künftig ebenfalls erfüllen, um in den DAX aufgenommen werden zu können?

Unter anderem als Reaktion auf den Wirecard-Skandal hat die Deutsche Börse auch neue qualitative Kriterien eingeführt, die erfüllt werden müssen, damit ein Unternehmen in den DAX aufgenommen werden kann:

  • Bereits seit Dezember 2020 müssen alle künftigen DAX-Kandidaten vor Aufnahme ein positives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) in den zwei letzten Finanzberichten aufweisen. Dieses Kriterium gilt nur für den Zeitpunkt der Aufnahme. Aktien von Unternehmen, die bereits im DAX enthalten sind, aber irgendwann kein positives EBITDA mehr haben, werden nicht deswegen aus dem DAX entfernt.
  • Seit März 2021 müssen alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes außerdem testierte Geschäftsberichte und vierteljährlich Quartalsmitteilungen veröffentlichen. Nach einer 30-tägigen Warnfrist führt ein Verstoß gegen diese Anforderungen unmittelbar zum Indexausschluss (Fast-Exit). Wirecard wäre nach diesem Kriterium bereits lange vor der Pleite aus dem DAX ausgeschlossen worden, hätte das Kriterium bereits existiert.
  • Eine Mitgliedschaft im Prime Standard ist künftig hingegen keine Voraussetzung mehr für die Mitgliedschaft in den DAX-Auswahlindizes. Die Notierung im Regulierten Markt ist künftig ausreichend.
  • Zusätzlich müssen seit März 2021 alle Neuzugänge zur DAX-Familie einen Prüfungsausschuss im Aufsichtsrat bilden und auch besetzen. Bestehende DAX-Mitglieder müssen die Vorgabe ab September 2022 erfüllen.
  • Nicht durchgesetzt wurde ein Vorschlag, wonach auch Hersteller von kontroversen Waffen aus den Indizes ausgeschlossen werden sollten.

Was ändert sich am Indexstand durch die Erweiterung und Neubesetzung?

Am Indexstand ändert sich überhaupt nichts, sowohl was den DAX, als auch was den MDAX betrifft. Die Indizes machen in der neuen Zusammensetzung also gewissermaßen dort weiter, wo sie zuvor aufgehört haben. Einzig die Gewichtung der einzelnen Komponenten, also deren Einfluss auf die künftige DAX-Entwicklung, ändert sich.

Was ändert sich am Kurs von ETFs oder Derivaten, die den DAX abbilden?

Auch hier ändert sich durch die Änderung der Zusammensetzung nichts am Kursstand. ETFs, die den DAX physisch nachbilden, müssen allerdings die Änderungen der Zusammensetzung auch selbst umsetzen. Ein MDAX-ETF verkauft die Aktien, die künftig nicht mehr im MDAX enthalten sind und kauft davon etwas mehr von den Aktien, die weiter im MDAX vertreten sind. Ein DAX-ETF verkauft einen Bruchteil seiner bisher gehaltenen Aktien und kauft davon die Aktien, die neu hinzukommen. Das ist im Prinzip ein normales Rebalancing, wie es regelmäßig durchgeführt wird, nur dass es dieses Mal für die ETFs mehr zu tun gibt. Anschließend entspricht die Gewichtung der einzelnen Aktien in den physisch voll replizierenden ETFs ungefähr der Indexzusammensetzung.

Führen die Änderungen zu Kursreaktionen bei den einzelnen Aktien?

Vermutlich ja. Steigen Aktien in einen populären Index wie den DAX auf, dann müssen passive Marktteilnehmer wie ETFs, die einfach den entsprechenden Index nachbilden, diese Aktien auch erwerben. Diese Käufe führen dann automatisch zu einer erhöhten Nachfrage nach den entsprechenden Aktien. Ähnliches gilt für aktiv gemanagte Fonds, die sich bei der Aktienauswahl stark an Indizes orientieren ("Indexschmuser"). Allerdings haben Untersuchungen gezeigt, dass diese Kursgewinne in der Regel bereits in den Wochen und Monaten vor der tatsächlichen Indexaufnahme vorweggenommen werden, weil in der Regel bereits zuvor recht gut bekannt ist, welche Aktien aufsteigen werden und dies entsprechend vorab von den Marktteilnehmern "eingepreist" wird. Die Kurse steigen also nicht erst dann, wenn die ETFs tatsächlich kaufen (was meistens an dem Tag der Fall ist, an dem sich die Zusammensetzung tatsächlich ändert), sondern bereits in Erwartung dieser Käufe, weil Arbitrageure bereits vor der Indexaufnahme die Aktien erwerben und diese dann an die ETFs bzw. Fonds "weiterreichen".

Haben die Änderungen Auswirkungen auf die langfristige Entwicklung von DAX und MDAX?

Das ist keineswegs ausgeschlossen, besonders für den MDAX. Der Index der mittelgroßen Werte verliert nämlich auf einen Schlag seine bisherigen Indexschwergewichte. Die zehn Aktien, die in den DAX aufsteigen, machen bisher rund 45 Prozent der Marktkapitalisierung des MDAX aus. Die Wichtigkeit des MDAX wird also vermutlich auf einen Schlag abnehmen. Der DAX dürfte im Gegenzug noch wichtiger werden für den deutschen Aktienmarkt, als er das bisher schon ist. Der DAX könnte durch die Erweiterung auch dynamischer werden, weil die Bedeutung einiger klassische Branchen wie der Chemieindustrie etwas abnimmt und neuere, innovativere Unternehmen eher in den DAX aufsteigen werden als bisher. Die häufigere Überprüfung der Zusammensetzung und die qualitativen Kriterien könnten außerdem tendenziell dazu führen, dass Unternehmen mit großen Problemen früher aus dem DAX aussortiert werden als bisher oder gar nicht erst in den DAX aufsteigen. Dadurch und durch die breitere Diversifizierung könnte die risikobereinigte Performance langfristig etwas steigen. Allerdings halten sich gerade im DAX die Auswirkungen in Grenzen, weil mit Ausnahme von Airbus die anderen neu hinzukommenden Aktien ein eher geringes Gewicht im DAX haben werden. Der DAX wird auch weiterhin im Wesentlichen von den Aktien dominiert, die dies auch bisher schon tun.

Welche Aktien werden voraussichtlich in den DAX aufsteigen?

Aktuell sieht es mit hoher Wahrscheinlichkeit so aus, dass die folgenden Aktien in den DAX aufsteigen: Airbus, Zalando, Siemens Healthineers, Symrise, HelloFresh, Porsche Automobil Holding, Brenntag, Sartorius, Puma und Qiagen. Die Aufstiegskandidaten wurden in dem folgenden Artikel dargestellt: DAX-Aufstieg: Diese Aktien haben die besten Chancen

Was ändert sich im MDAX?

Die zehn Aufsteiger (siehe vorherige Frage) sind künftig nicht mehr im MDAX enthalten und die Zahl der Komponenten verringert sich entsprechend von 60 auf 50. Außerdem steigen im Rahmen der regulären Überprüfung noch Aktien aus dem SDAX in den MDAX auf und umgekehrt aus dem MDAX in den SDAX ab. Aufsteigen in den MDAX dürften voraussichtlich der Handymastenbetreiber Vantage Towers, der Recycling-Anbieter Befesa, der Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich, der Finanzdienstleister Hypoport und der Online-Tierbedarfs-Händler Zooplus.

Was ändert sich im SDAX?

Die zuvor genannten Aktien, die in den MDAX aufsteigen, verlassen den SDAX. Aus dem MDAX in den SDAX absteigen werden voraussichtlich der Baudienstleister Hochtief, das Biotechunternehmen MorphoSys, der Windkraftanlagenbauer Nordex und die Online-Apotheke Shop Apotheke Europe. Neu in den SDAX aufgenommen werden außerdem drei Börsenneulinge: Der Softwareanbieter Suse, der Labordienstleister Synlab und der Online-Modehändler About You. Neu in den SDAX dürften außerdem Heidelberger Druck, das IT-Sicherheitsunternehmen Secunet (das bereits einmal im vergangenen Jahr im SDAX enthalten war), der Vakuumtechnikspezialist PVA Tepla und der Baustoffanbieter Sto kommen. Ausscheiden aus dem SDAX werden voraussichtlich Borussia Dortmund, ElringKlinger, Hamburger Hafen & Logistig (HHLA), Medios, Süss Microtec, Takkt und Vossloh.


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