ANZEIGE

    Gestern erschien auf dem Godmode ein Artikel zum Thema Überrendite mit einem für die Fondsindustrie erschütterndem Ergebnis: nur einer von hundert Fondsmanagern schaffte es seit 2006 den S&P 500 zu schlagen:

    Neue Studie setzt Fondsindustrie unter Druck

    Alpha gegenüber dem Markt zu erzielen, scheint also gar nicht so einfach zu sein. Da kam mir die Idee, sich die Sache mal im DAX anzuschauen. Die Basis für einen Handelsansatz war auch schnell gefunden, schließlich geht es um Überrenditen. Da liegen zwei Vermutungen nahe:

    1. Wenn ich in mein Depot nur Aktien aufnehme, die aktuell besser sind als der DAX, dürfte ich eine Outperformance erzielen. Die dahinterstehende Annahme ist, dass sich diese Aktien auch zukünftig besser entwickeln.
    2. Wenn ich in mein Depot nur Aktien aufnehme, die aktuell schlechter dastehen als der DAX, könnte ich eine Outperformance erzielen, weil die Aktien Aufholbedarf haben.

    Beide Ansichten stehen sich konträr gegenüber und mir erschien die erste Variante logischer, weshalb ich diese als erstes auf den Prüfstand stellen wollte. Das dazugehörige „System“ ist simpel:

    Einstieg: Kaufe, wenn die Rate of Change der Aktie größer ist, als die Rate of Change im DAX. Die Rate of Change (ROC) misst die Rendite des Basiswerts über den eingestellten Zeitraum. Eine ROC von 200 Tagen und einem Wert von 10 besagt nichts anderes, als dass der heutige Kurs 10 % über dem von vor 200 Tagen stand. Die Aktie hat sich also in den vergangenen 200 Tagen um 10 % verteuert. Ist dies mehr als der Gewinn im DAX, ist die Aktie ein Outperformer.

    Ausstieg: Was liegt näher, als die Aktien aus dem Depot zu werfen, die schwächer sind als der DAX? Im ersten Schritt wenig, so dass wir ein Alpha kleiner Null (Überrendite kleiner Null) als Exitkriterium verwenden.

    Positionsgröße: In jede Aktie werden 2.500 EUR investiert.

    Der Test

    In der Basiseinstellung startete der Test mit einer ROC(200). Die dazugehörige Auswertung können Sie in Abbildung 1 betrachten.

    Alpha-Strategie-Wir-schlagen-den-DAX-Rene-Berteit-GodmodeTrader.de-1

    Chart wurde mit Tradesignal erstellt

    Seit Beginn der Datenreihe im Januar 2003 konnte die Strategie vor Kosten einen Gewinn von knapp 57.000 EUR realisiert bzw. 65.463 EUR inklusive Buchgewinnen erzielen. Mit 47 % war die Trefferquote nicht unbedingt berauschend, während der Profitfaktor mit 1,83 in Ordnung geht. Für ein rein mechanisches System wie diesem ein gar nicht mal so schlechtes Ergebnis vor Kosten.

    Problematisch ist die hohe Tradeanzahl von 1.405. Die Trades sorgen für ordentliche Gebühren, zumindest für einen Privatanleger. Diesem Punkt müsste man sich später nochmals separat zuwenden, denn Gebühren lassen sich unter Umständen beeinflussen/verhandeln. Deshalb wird der Vergleich zunächst vor Kosten fortgesetzt.

    Der Vergleichsindex

    Als Vergleichsindex nehmen wir natürlich den DAX, aber welchen von beiden? Nur zu schnell wird hierbei auf den medial omnipräsent vertretenen DAX Performanceindex zurückgegriffen. Das Problem dessen ist jedoch, dass er Dividendenzahlungen nicht nur enthält, sondern diese auch reinvestiert. Hier entsteht ein Effekt, den der Test in der Aktie selbst nicht erfassen kann, da Aktiencharts quasi nur als Kurscharts zur Verfügung stehen. Aus diesem Grund macht ein Vergleich der Aktienperformance auch nur mit dem DAX-Kursindex Sinn (siehe Abb. 2).

    Alpha-Strategie-Wir-schlagen-den-DAX-Rene-Berteit-GodmodeTrader.de-2

    Chart wurde mit Tradesignal erstellt

    Ausgehend vom Startdatum erzielte ein Buy&Hold Investor bisher einen Gewinn von 3.226 Punkten / EUR je gekauftem DAX. Zum Startzeitpunkt kostete dieser 1.952 Punkte / EUR. Wie in Abb. 1 in der Statistik rechts zu sehen ist, benötigte unser aktives System ein Konto von ca. 19.418 EUR, um gehandelt werden zu können. Diesen Betrag müssten wir letztlich auch im DAX investieren, um eine vergleichbare Basis zu schaffen. Wir hätten dementsprechend Anfang 2003 ca. 10 DAX gekauft ( 19.418 : 1.952), womit wir insgesamt einen Gewinn von 3.226 x 10 = 32.260 EUR vor Kosten erzielt hätten.

    And the winner is…

    Rein formal hat unser einfache Ansatz vor Kosten den DAX geschlagen. Einem 32.260iger Gewinn im Buy&Hold Ansatz (ohne Dividende) steht ein aktiver Gewinn von 65.463 EUR (ohne Dividende) gegenüber. Die Gewinne müssen jedoch auch in Relation zum Risiko betrachtet werden. Die Überrendite ist wenig wert, wenn dafür zwischenzeitlich auch extreme Risiken / Schwankungen in Kauf genommen werden mussten. Im Rahmen der Buy&Hold Strategie im DAX-Kursindex betrug der max. Drawdown 30.434 Punkte / EUR. Die aktive Strategie wies jedoch nur einen solchen in Höhe von 24.700 EUR auf. Auch hier kann die aktive Strategie punkten.

    Fassen wir das Ergebnis dieser ersten Analyse zusammen, dann können wir festhalten, dass der Kauf der mittelfristigen Outperformer zu einer Überrendite gegenüber der einfachen Buy&Hold-Taktik führen kann. Im Fall des DAX-Tests wurde eine Überrendite zudem bei kleinerer Schwankungsbreite, gemessen über den maximalen Drawdown erzielt.

    Kritik

    Der sicherlich größte Kritikpunkt in diesem Vergleich ist die Analyse vor Kosten. Diese im Rahmen des aktiven Ansatzes zu berücksichtigen, würde das Ergebnis spürbar belasten. Fast 1.500 Trades sind nicht gerade wenig und bei 10 EUR je Trade wird das Ergebnis vor Kosten um 15.000 EUR belastet. Ein Punkt, um den sich der Interessierte kümmern muss.

    Ein weiterer kritischer Aspekt sind die vernachlässigten Dividenden. Wie mein Kollege Bastian Galuschka in seinem großen Dividendenreport auf Godmode bereits feststellte, können diese einen großen Teil der Performance ausmachen. Technisch bedingt konnte dieser Performancefaktor jedoch nicht berücksichtigt werden.

    Abschließend muss natürlich festgehalten werden, dass es sich bei diesem Test nur um einen ersten Versuch handelt. Die bereits angeführten Kritiken könnten weiter aufgegriffen werden. Zudem wurde nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet, was jedoch Fehler nicht grundlegend ausschließt.

    Viel Erfolg

    Rene Berteit