Dieser Artikel richtet sich vor allem an Börseneinsteiger, aber auch an Fortgeschrittene, die sich mit dem Thema Hebelprodukte und Absicherung noch nicht (ausreichend) beschäftigt haben.

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    Grundvoraussetzung: Sie haben ein Aktiendepot und gehen von einem deutlichen Kursrückgang an den Märkten aus. Sie wollen die Aktien aber nicht verkaufen und später wieder zurückkaufen (dafür kann es auch sehr gute Gründe geben). Sie würden den erwarteten Kursrückgang gerne mit geeigneten Instrumenten kompensieren.

    Wichtige Anmerkung: Überlegen Sie zunächst, ob Sie mit Ihren Absicherungsbestrebungen vielleicht zu spät dran sind, der Markt schon deutlich korrigiert hat und Sie vielleicht überreagieren.

    Wichtiger Tipp: Viele Anleger, die absichern, "vergessen" das Verkaufen der Absicherung, wenn die Kurse gefallen sind - bzw sie denken dann, es geht sicherlich noch weiter runter.
    Sichern Sie nicht durchgehend ab! Das kostet Sie auf Dauer nur Performance, da langfristig die Kurse nunmal nachweislich steigen - und zwar bisher im Schnitt um 7 bis 8 % p.a. Wenn Sie durchgehend absichern, werden Sie wahrscheinlich gar nichts an der Börse verdienen

    Der Einfachheit halber gehe ich von einigen Prämissen aus. Die Realität wird in aller Regel anders aussehen.

    • Depotgröße (investiert) 100 TSD EUR
    • Das Depot verhält sich in etwa wie der DAX, hat also eine ähnliche Risikostruktur.
    • Es ist Cash vorhanden (mind. 10-20 % des Depotvolumens)
    • Es wird ein Kursrückgang von 20 % im DAX erwartet= theoretische Kompensation von 20 TSD EUR Verlust nötig (Veranschaulichung im Chart. Achtung, das ist nur ein Beispiel und nicht charttechnisch oder fundamental begründet!)
    DAX

    Ich stelle Ihnen Hebelzertifikate und Optionsscheine vor, da diese über jeden Onlinebroker gehandelt werden können.

    Möglich wäre ebenso der Einsatz von CFDs, Optionen und Futures.

    Möglichkeit 1: Hebelzertifikate

    Die einfachste, weil transparenteste Option. Sie können nämlich recht genau ausrechnen, wieviel ein Hebelzertifikat (Alternativbegriffe: KO-Zertifikate, Mini-Futures, Turbo-Otionsscheine) kostet, wenn der Basiswert auf einem bestimmten Niveau notiert. Denn ein Punkt im DAX entspricht genau einem Cent im Zertifikat.

    Mit einem Hebelzertifikat (Lesen Sie dazu hier: Hebelzertifikate - Grundlagen und Anlegerwissen) kann man auf steigende und fallende Kurse setzen. Deswegen eignen sich diese Derivate hervorragend zur Absicherung. eines Depots.

    Durch die Konstruktion des Produkts (implizit erhält man einen Kredit vom Emittenten) hat der Anleger die Möglichkeit, stärker an der Bewegung des Basiswertes teilzuhaben als bei einer Direktinvestition. Den entsprechenden Faktor, um den man stärker partizipiert, nennt man Hebel.

    Gemäß Prämissen (siehe oben) soll das gewählte Hebelzertifikat bei Erreichen des Korrektur-Szenarios (-20 % im DAX) einen Gewinn von 20 TSD EUR abwerfen.

    Welcher Hebel gewählt wird, hängt nun natürlich auch davon ab, wie viel ich in die Absicherung investieren will. Die Wahl des Hebels ist aber nicht egal - je höher der Hebel, desto leichter kann das Hebelzertifikat "ausgeknockt" werden. Nämlich dann, wenn vor der Korrektur der DAX erstmal weitersteigt.

    Knockout-Ereignis in Abhängigkeit vom Hebel: Wann verfällt das Hebelzertifikat, wenn der Kurs in die "falsche" Richtung geht?

    Hebel Kursveränderung des Basiswerts
    5  20 %
    10  10 %
    20  5 %
    50  2 %

    Damit die Absicherung absolut nicht zu teuer und gleichzeitig das Risiko des unerwünschten KOs gering ist, würde ich einen Hebel von ca. 10-20 empfehlen. Im konkreten Fall müssten bei einem Hebel von 10 genau 10 TSD EUR investiert werden. Denn bei einem Hebel von 10 führt ein Rückgang von 20 % zu einem Kursgewinn des Hebelzertifikats von etwa 200 %, also hier zu einem Gewinn von 20 TSD EUR. Bei einem Hebel von 20 müssten nur 5 TSD EUR investiert werden, allerdings knockt dieses Zertifikat schon bei einem DAX-Plus von 5 % aus.

    Wie finde ich nun ein passendes Hebelzertifikat?

    Entweder man nutzt die Hebelprodukte-Suche des GodmodeTrader und gibt dort als Filterkriterien Hebel 10 bis 20 an oder aber man wechselt dafür zu unserer Schwester-Plattform Guidants, was ich ausdrücklich empfehle. Auf diesem von mir erstellten Desktop befindet sich die Hebelproduktsuche passend vorgefiltert.

    Als Emittenten habe ich Morgan Stanley voreingestellt, weil ich bei Flatex über Guidants handele und ab 500 EUR Volumen fallen bei Flatex keine Gebühren an, wenn man Morgan Stanley wählt. Jeder andere Emittent wird aber auch passende Produkte im Angebot haben.

    Als Laufzeit ist der Einfachheit halber Open End voreingestellt. Bei dieser Variante werden die Finanzierungskosten jeden Tag derart eingepreist, dass die Basis angepasst wird. Ein Hebelzertifikat mit Laufzeit wird dagegen mit einem Aufgeld gehandelt, das täglich bis zum Ende der Laufzeit fällt.

    Die WKN finden Sie links. Ein Klick darauf und Sie kommen ins Profil, können mit einem Klick auf Ask sogar direkt kaufen.

    Die Stückzahl müssen Sie natürlich an Ihre eigene Situation anpassen. Wollen Sie statt wie in diesem Beispiel 100 TSD EUR nur ein Depot von 20 TSD EUR absichern, dann brauchen Sie auch nur ein Fünftel der Hebelzertifikate, unter sonst gleichen Voraussetzungen.

    Hier geht es zum abgebildeten Desktop

    Angst-vor-dem-Crash-So-sichern-Sie-als-Privatanleger-Ihr-Depot-ab-Daniel-Kühn-GodmodeTrader.de-2

    Möglichkeit 2: Optionsscheine

    Optionsscheine sind etwas komplexer als Hebelzertifikate, können aber in manchen Situationen sinnvoller sein.

    Diese Hebelprodukte sind nicht annähernd so transparent wie Hebelzertifikate. Der Kurs eines OS ist nämlich nicht nur vom Kurs des Basiswertes abhängig, wie dies beim Hebelzertifikat der Fall ist. Eine besonders wichtige Rolle spielt die Volatilität, genauer die implizite (=eingepreiste) Volatilität.

    Implizite Volatilität am Beispiel des VDAX-NEW, der aus DAX-Optionen am Geld berechnet wird

    Das ist die erwartete Schwankungsintensität des Basiswertes, wobei sich diese Erwartung aber nicht etwa durch Befragungen der Marktteilnehmer ermitteln lässt, sondern man errechnet diese durch Auflösen einer weltbekannten Formel (Black Scholes) nach eben der Variablen Volatilität. Lesen Sie dazu auch: Einführung in die Welt der Optionsscheine.

    Für Sie wichtig ist: Ein Optionsschein ist tendenziell teurer, wenn die erwartete Volatilität hoch ist und andersherum.

    Dankenswerterweise können Sie sich zur Orientierung einen Index anschauen und anhand dessen abschätzen, ob die eingepreise Vola gerade hoch oder niedrig ist. Belasten Sie sich als Anfänger nicht mit den Details, wie der VDAX berechnet wird. Falls es Sie dennoch interessiert: Hier können Sie sich einlesen: VDAX & VDAX New - Alles über Volatilitätsindikatoren

    Wie man sehen kann, war der VDAX im historischen Vergleichbis Feburar deutlich "unten" , steigt nun aber wieder deutlich.

    Folgender Zusammenhang ist gut belegt: Fällt der DAX, dann steigt tendenziell der VDAX. Wenn der DAX fällt, und der VDAX und damit die implizite Volatilität steigt, dann profitieren DAX-Put-Optionsscheine doppelt. Und das macht OS derzeit besonders spannend.

    Es gibt OS auf fallende (Put) wie auch auf steigende Kurse (Call), genauso wie bei den Hebelzertifikaten. Und es gibt natürlich auch einen Hebel.

    Wenn Sie sich im Detail einlesen wollen: Optionsscheine: Die (fast) vergessenen Derivate.

    Wie finde ich nun einen passenden Optionsschein?

    Auch hier greife ich wieder auf die Anlage- und Hebelproduktsuche in Guidants zurück.

    Als maximale Laufzeit habe ich Ende 2018 eingestellt. Je länger der OS läuft, desto teurer ist er. Der Einfluss der Laufzeit auf das Aufgeld ist hier deutlich höher als bei Hebelzertifikaten (je weiter die OS aus dem Geld sind desto schlimmer), deswegen ist es wichtig, mit der Laufzeit nicht zu übertreiben.

    Der Hebel ist bei einem OS nicht gleichbedeutend mit dem Hebel bei einem Hebelzertifikat. Die wichtigere Kennzahl ist das Omega, auch effektiver Hebel genannt. Das Omega zeigt einigermaßen verlässlich an, wie sich der OS entwickelt, wenn der Basiswert sich um einen Prozent bewegt.

    Aber selbst das Omega ist nicht so zuverlässig wie der Hebel beim Hebelzertifikat. Das liegt einfach daran, dass ein Optionsschein völlig anders konstruiert ist und eben mehreren Einflussfaktoren unterliegt, insbesondere der impliziten Volatilität. Er ist auch von seiner Natur her etwas anderes - ein Hebelzertifikat entspricht einem unbedingten Termingeschäft an der Terminbörse, während ein OS ein bedingtes Termingeschäft ist (analog einer Option z.B. an der Eurex). Lesen Sie dazu auch: Optionen, Optionsscheine und Zertifikate - wo sind da die Unterschiede?

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    Hier geht es zum abgebildeten Desktop!

    Wie viele Optionsscheine muss ich nun kaufen?

    Bei einem Omega von -20 % würde eine Entsprechung vorliegen zum Fall eines Hebelzertifikates mit Hebel 20 (siehe Tabelle oben). 10 TSD EUR Einsatz in einen DAX-Put würden also zu einem Gewinn von 20 TSD EUR führen, wenn der DAX 20 % fällt. Aber leider kann man das so pauschaul nur ungefähr sagen. Wer es exakt wissen will, muss zu einer Szenario-Analyse greifen.

    Tipp: Testen Sie den absichtlich simplen gehaltenen Optionsschein-Rechner auf Guidants, um ganz schnell die Optionsscheine zu finden, die im Falle des Eintreten Ihres Szenarios am besten performen!

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    Daniel Kühn

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