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Gaps sind in erster Instanz Lücken zwischen zwei aufeinanderfolgenden Kursen. Auf Basis dieser einfachen Definition dürfte klar sein, dass Gaps quasi ständig vorkommen. Wann sind zwei aufeinanderfolgende Kurse schon mal gleich? Aus diesem Grund konzentriert man sich im Rahmen der charttechnischen Analyse auf eine weiterführende Definition von Gaps. Bei einem Gap handelt es sich in zweiter Instanz um eine Entwicklung zwischen zwei Kerzen. Zwischen diese muss eine Lücke, ein handelsfreier Raum liegen. Systematisiert bedeutet dies, dass bei einem Aufwärtsgap das aktuelle Kerzentief größer sein muss, als das vorangegangene Kerzenhoch. Im Falle eines Abwärtsgap ist es umgekehrt. Hier muss das aktuelle Kerzenhoch kleiner sein als das vorangegangene Kerzentief. Abbildung 1 zeigt exemplarisch klassische Auf- und Abwärtsgaps im Chart.

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Trader und Anleger gleichermaßen dürften sich für dieses Kursmuster interessieren. Zum einen, weil dieses Muster aus technischer Sicht gut zu definieren ist und damit eine klare Orientierung im Chart darstellt. Zudem scheint es logisch, Gaps eine gewisse Bedeutung beizumessen, vor allem in impulsiver Hinsicht. Schließlich muss zwischen den beiden Kerzen etwas derart „gravierendes“ passiert sein, dass die Kurse in die eine oder andere Richtung springen. Ein solcher Impuls, so eine Grundüberlegung, könnte doch anhalten und zu neuen Trendbewegungen führen?

Bedingt durch die klare Abgrenzungsmöglichkeit von Gaps lässt sich dieses Muster gut testen. Gaps haben klare Regeln und diese versteht letztlich auch der Computer. Vor diesem Hintergrund habe ich mir heute einmal Aufwärtsgaps in den 30 derzeit im DAX gelisteten Aktien über die letzten gut 15 Jahre angeschaut. Stimmt unsere oben getroffene Vermutung, dass Aufwärtsgaps einen Impulscharakter besitzen?

Sind Aufwärtsgaps Impulsmuster?

Um dieser Frage nachzugehen, wurden Gaps definiert und mit unterschiedlichen Ausstiegsregeln bzw. Stoppregeln versehen.

Variante 1 – Kaufen ohne Absicherung!

In dieser Variante wurde das Gap gekauft ohne Stopps zu nutzen. Stattdessen wurde ein Ausstieg von 1 bis 50 Tagen nach dem Gap untersucht. Das Abschneiden dieser Exitregeln sehen Sie in der folgenden Abbildung. Links ist die Performancekurve zu erkennen, rechts sehen Sie im Balkendiagramm die jeweilige Performance gegliedert nach dem Ausstieg in Tagen und rechts in der Tabelle noch einmal die „besten“ Ausstiegstage mit einigen beschreibenden Kennzahlen. Geordnet wurde die Tabelle nach dem Erwartungswert pro Trade. Diese Anordnung ist auch in den weiter folgenden Auswertungen beibehalten worden.

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Chart wurde mit Tradesignal erstellt

Variante 2 – Bloß kein Schlusskurs unterhalb der Gapoberkante

In dieser Variante wurde am Ausstieg nach X-Tagen festgehalten, jedoch ein Stoploss eingebaut. Das Tief des Gaptages (Gapoberkante) durfte nicht per Tagesschluss unterschritten werden. War dies der Fall, wurde die Position vorzeitig geschlossen.

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Chart wurde mit Tradesignal erstellt

Variante 3 – Ein wenig mehr Spielraum

Analog zum bisherigen Vorgehen wurde auch hier am eigentlichen Ausstieg nichts verändert. Dem Trade wurde nach unten hin jedoch etwas mehr Raum gegeben. Das Gap durfte geschlossen werden, aber nicht per Tagesschlusskurs. Dieser durfte also nicht unterhalb des Hochs der Vorgapkerze (Gapunterkante) liegen.

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Chart wurde mit Tradesignal erstellt

Variante 4 – Noch mehr Freiraum

In dieser Variante wurde ein noch defensiveres Stopp gesetzt. Dieses Mal durfte das Tief der Kerze vor dem Aufwärtsgap nicht unterschritten werden. Hierbei reichte ein simples Unterschreiten aus und ein Tagesschluss darunter war nicht nötig.

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Chart wurde mit Tradesignal erstellt, Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Gaps – Oft zu sehen, wenig Nutzen?

Bringen wir es auf den Punkt. Verloren hätten wir zwar mit keiner der Gaptaktiken, aber von einem wirklich schicken Handelssystem sind alle Varianten weit entfernt. Das Ergebnis ist wieder einmal ernüchternd und unsere Grundannahme, Aufwärtsgaps könnten pauschal betrachtet bullische Impulsmuster darstellen, hat sich nicht bestätigt. So einfach macht es uns die Börse dann doch nicht. Was bleibt, ist die Frage, ob über weitere Maßnahmen mehr aus Gaps herausgeholt werden kann. Wie sieht es aus, wenn das Gap eine bestimmte Größe hat? Könnte ein Trendfilter helfen? Oder sollte man gar grundsätzlich gegen Gaps handeln? Einige Fragen konnten „geklärt“ werden, viele weitere sind noch offen.

Viel Erfolg

Rene Berteit