Nach den Eskapaden in den vergangenen Handelstagen kehrte gestern im Bitcoin vermehrt Ruhe ein. Natürlich konnte es mit der Volatilität auf Dauer nicht so weitergehen, wie in den Tagen zuvor. Ob es sich beim Nachlassen der Volatilität jedoch um eine normale Reaktion oder aber um einen stabilisierenden Effekt des erst in dieser Woche gestarteten Futures handelt, ist letztlich nicht mit absoluter Sicherheit zu beantworten. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte.

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Eventuell aber ist die Zeit der Eskapaden im Bitcoin tatsächlich vorbei, denn mit dem Future steht letztlich auch ein professionelles Produkt zur Verfügung, mit dem sich institutionelle Anleger in der bekanntesten Kryptowährung engagieren können. Natürlich wäre dies auch im Bitcoin selbst möglich, jedoch ist dieser Markt derzeit noch extrem unreguliert. Futures hingegen werden an der Börse gehandelt und unterliegen den dortigen Richtlinien. Ein für institutionelle Trader wichtiger Aspekt.

Sofern die Hochfinanz den Future tatsächlich nutzen wird, um dem Bitcoin zu handeln, wäre am langen Ende tatsächlich ein stabilisierender Effekt auf den Kursverlauf der Kryptowährungen möglich. Dahinter steht die Annahme, dass den institutionellen Tradern zum einen mehr Kapital zur Verfügung steht und diese zum anderen deutlich risikobewusster agieren. Schließlich müssen sich Eigenhändler von Banken, Fonds und Co. an die ihnen auferlegten Risikoparameter halten.

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Natürlich spiegelt sich dies zunächst nur im Angebot und der Nachfrage im Future wieder. Über Arbitrage aber wirken die Kursentwicklungen des Futures auch auf den Bitcoin selbst. Sofern es zu starke Kursunterschiede zwischen beiden gibt, lassen sich risikolose Gewinne erzielen. Diese Tradingchancen wurden in den letzten Wochen bereits von cleveren privaten Tradern genutzt, die Preisunterschiede an den einzelnen Bitcoin-Börsen für sich ausnutzten. Mit dem Future stünde nun ein weiteres, professionelles Produkt hierfür zur Verfügung.

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Wie funktioniert Arbitrage?

Die aktuelle Entwicklung in den Kryptowährungen können wir zum Anlass nehmen, einmal etwas genauer auf die Funktionsweise von Arbitrage einzugehen. Schließlich ist dieses Konstrukt auch der Leim, der Dax-Future und Dax-Index zusammenhält.

Entscheidend für das Verständnis von Arbitrage zwischen Futures und dem Basiswert ist die Tatsache, dass beide am Ende der Laufzeit des Futures den gleichen Preis haben müssen. Alles andere macht keinen Sinn, wäre „unlogisch“, irrational und nicht wirtschaftlich, schließlich berechtigt der Future zum Kauf/Verkauf des Basiswertes zum aktuellen Kurs. Kein Mensch würde am Verfallstermin - der nächste für den Deutschen Aktienindex ist übrigens an diesem Freitag (Hexensabbat) - einen höheren oder tieferen Preis für den Future zahlen. Es macht keinen Sinn, unmittelbar zum Fälligkeitstermin für den Dax Future 13.520 Punkte zu bezahlen, um damit das Recht zu erwerben, den Dax-Index „geliefert“ zu bekommen, während man diesen auch direkt für 13.500 Punkte kaufen könnte. (Anm.: bei Index-Futures erfolgt keine Lieferung, sondern der Barausgleich)

Arbitrage beim Bitcoin!

Es steht also fest, dass am Fälligkeitstermin sowohl der Future als auch der zugrundeliegende Basiswert in etwa den gleichen Preis haben werden. Den aktuellen Rahmenbedingungen für den Bitcoin-Future (siehe hier) können wir entnehmen, dass diese verschiedene Laufzeiten bis hin zu drei Monaten haben. Stellen wir uns vor, heute wäre Verfall und aktuell steht der Bitcoin bei 17.250 USD, während der Future einen Preis von 17.500 USD hätte.

In einer Stunde kommt es zur Abrechnung und aktuell wäre es billiger, den Bitcoin selbst zu kaufen, anstatt den Future. Natürlich fallen für Käufe und Verkäufe Transaktionskosten (Spread, Gebühren, Opportunitätskosten wie Zinsen…) an. Solange diese aber kleiner als 250 USD sind, würde es sich lohnen, den Bitcoin direkt zu kaufen und parallel dazu short im Future zu gehen. Nehmen wir an wir müssten dafür 50 USD Gebühren bezahlen, dann könnten wir in einer Stunde direkt zur Abrechnungszeit einen Gewinn von 200 USD verbuchen. Schließlich werden beide Produkte zum gleichen Preis abgerechnet.

Diesem Gedanken folgend ergibt sich für einen Trader eine risikolose Möglichkeit, Gewinne zu erzielen. Eine solche Chance lässt man sich natürlich nicht entgehen und warum soll man nur einen Bitcoin bzw. einen Future kaufen/shorten? Der Arbitrageur wird dies in viel größerem Umfang tun. Sein Problem ist jedoch, dass er mit seinen Aktionen Bitcoins nachfragt und den Future anbietet. Er wird also den Bitcoin-Kurs nach oben treiben, während der Futurepreis sinkt. Je mehr Kontrakte er kauft/verkauft, desto stärker und schneller werden sich beide Preise annähern. Der Arbitrageur selbst wird so lange kaufen und verkaufen, solange die Differenz groß genug ist, um einen akzeptablen Gewinn zu erzielen. Sie sehen also, am Ende nähern sich beide Preise an.

Der soeben beschriebene Effekt wirkt aber nicht nur am Verfallstag, sondern zu jedem Zeitpunkt. Der einzige Unterschied besteht in den Tradingskosten. Liegt der Verfallstag noch in weiter Ferne, sind die Opportunitätskosten/Haltekosten in der Regel größer. Je weiter der Verfallstermin in der Zukunft liegt, desto größer können die Unterschiede zwischen dem Future und dem Basiswert sein. Unterstellen wir beispielsweise ausschließlich positive Kosten, wird der Future teurer sein, als der zugrunde liegende Basiswert. Die Erklärung ist simpel: Wenn ich jemandem einen Future zum Kauf anbiete, verpflichte ich mich dazu, ihm dieses Produkt zukünftig am Verfallstermin zu liefern. Ich bekomme heute Geld, während ich das Produkt erst in einigen Tagen oder Wochen ausliefern muss. Bis dahin habe ich Haltekosten und diese Haltekosten werde ich auf den aktuellen Preis aufschlagen. Der Future ist also teurer, als der Cash-Basiswert. Je weiter entfernt der Verfallstermin ist, desto höher ist der Aufschlag, da das Produkt länger „gelagert“ werden muss.

Das Prinzip der Arbitrage ist nicht schwer und wird von nun an auch im Bereich der Kryptowährungen. Man darf gespannt sein, inwieweit dies zukünftig Einfluss auf den Kursverlauf des Bitcoins hat. Wird diese vielleicht erwachsen?

Viel Erfolg

Rene Berteit