Seit wir uns in der letzten Woche an dieser Stelle mit Bitcoins beschäftigt haben, haben sich die Ereignisse geradezu überschlagen. Der Preis der Bitcoins in US-Dollar brach drastisch ein, nachdem er lange zuvor stark gestiegen war. Viele Medien sprachen sofort von einer Blase, die da angeblich am Platzen sei. Sie vergaßen aber, dass es ausgerechnet die Medien waren, die kurz zuvor durch ihre Berichterstattung den Run auf die Bitcoins überhaupt erst befeuert hatten. Auch deshalb war eine Korrektur wohl längst überfällig, nachdem der Preis zuvor massiv gestiegen war. Aktuell hat sich der Wert eines Bitcoins bei ungefähr 55 US-Dollar stabilisiert. Auf diesem Niveau befanden sich die Bitcoins zuletzt Mitte März, bevor der Kurs zeitweise bis an die 250 US-Dollar gestiegen war und es dann zu dem drastischen Einbruch kam. Aber ein Bitcoin ist heute immer noch ungefähr vier Mal so viel wert wie zu Jahresbeginn 2013 und zehn Mal so viel wie Anfang 2012. Wenn Bitcoins eine Blase sind, dann ist diese also noch lange nicht geplatzt.

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Natürlich spricht vieles dafür, dass sich Bitcoins tatsächlich in einer Blase befinden. Es handelt sich schließlich um eine künstliche Währung, die durch keinen Gegenwert gedeckt ist und anders als Fiatwährungen wie der Dollar oder Euro auch nicht als „gesetzliches Zahlungsmittel“ gelten. Mehr noch: Die Währung lässt sich sogar sehr einfach und legal kopieren. Zwar ist es ausgeschlossen, dass Hacker innerhalb des Bitcoins-Systems sich einfach so viele neue Geldeinheiten erzeugen, wie sie wollen. Das Bitcoin-System als Ganzes kann aber sehr wohl kopiert werden, schließlich handelt es sich um ein Open-Source-Protokoll. Irgendjemand könnte also beispielsweise einen „Online-Dollar“ erfinden und einfach das Bitcoin-Protokoll (vielleicht in leicht abgewandelter Form) verwenden.

Da stellt sich nun allerdings die Frage, warum das bisher noch niemand im größeren Stil getan hat. Die Antwort ist einfach: Bitcoins sind nur deshalb etwas wert, weil es Online-Shops gibt, die Bitcoins als Bezahlung für reale Güter akzeptieren. Eine weitere Kunstwährung hätte nur dann das Potenzial, einen den Bitcoins vergleichbaren Stellenwert zu erreichen, wenn diese Währung von Online-Shops im größeren Stil akzeptiert würde. Einzelne kleine Anbieter und eine kleinere Gruppe von „abtrünnigen“ Nutzern stellen kaum mehr eine Gefahr für Bitcoins dar. Aber es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass Unternehmen wie Amazon, Apple und Google irgendwann im Verbund mit weiteren Anbietern eine vergleichbare Kunstwährung einführen werden, die dann auf eine noch weitaus größere Akzeptanz kommen könnte als die Bitcoins.

Bei naiver Betrachtung ist es schon verwunderlich, dass Bitcoins überhaupt als Zahlungsmittel akzeptiert werden, obwohl sie eigentlich nicht durch reale Güter gedeckt sind. Menschliche Dummheit? Ja, wahrscheinlich. Aber es ist dieselbe menschliche Dummheit, die auch daran glaubt, dass bestimmte bunt bedruckte Fetzen aus Papier (Papiergeld) oder Zahlen in einem Computer (Buchgeld) einen Wert besitzen. Sie besitzen tatsächlich nur so lange einen realen Wert, solange eben jeder daran glaubt und die entsprechende Währung als Zahlungsmittel akzeptiert wird. Es ist also gewissermaßen ein kollektiver Wahnsinn notwendig, der aus eigentlich wertlosem Papier einen Wertgegenstand macht. Kommt es zu einer Währungskrise und niemand glaubt mehr an den Wert einer Währung, dann ist auch die Tatsache, dass diese möglicherweise als „gesetzliches Zahlungsmittel“ gilt, nicht mehr viel wert. Insofern haben Währungen wie der Euro und der Dollar einer Kunstwährung wie dem Bitcoin vor allem eines voraus, nämlich die mehr oder weniger universelle Akzeptanz als Zahlungsmittel.

Wie es mit den Bitcoins weitergeht, dürfte vor allem davon abhängen, ob sich diese Kunstwährung als Zahlungsmittel weiter durchsetzen kann, also ob die Zahl der Online-Shops und anderer Gewerbe, die Bitcoins akzeptieren, weiter zunimmt. Sollte dies der Fall sein, dürfte den Bitcoins durchaus eine Zukunft beschieden sein. Aber es sollte nicht vergessen werden, dass Bitcoins bisher von vielen Nutzern vor allem als Spekulationsobjekt und weniger als Zahlungsmittel gesehen werden. Deshalb ist große Skepsis bezüglich der Zukunftschancen der Bitcoins sicher angebracht.

Oliver Baron